Coronavirus - Südafrikaner nutzt Ausgangssperre zur Restaurierung von Motorrad-Oldtimern / Große Fanszene Mit Schrauben durch die Krise

Von 
Ralf E. Krüger
Lesedauer: 
Der Südafrikaner Larry Smeyatsky (67) zeigt in der Werkstatt eines seiner Bastelstücke. © dpa

Johannesburg. Ausgangssperre, Homeoffice – und irgendwann die Langeweile? Nicht für Larry Smeyatsky. Der 67-jährige Südafrikaner schraubt für sein Leben gerne – und die in seiner Heimat verhängte weitgehende Ausgangssperre im Kampf gegen das Coronavirus kommt ihm da gerade Recht.

AdUnit urban-intext1

Im vergangenen September hat er sich die traurigen Überreste eines Motorrad-Oldtimers zum Restaurieren gesichert: eine alte Triumph, Baujahr 1934. Mittlerweile steht sie fast fertig in seiner Garage und glänzt wie neu. Selbst ein neuer Sattel aus Springbock-Leder ist schon montiert. „Wenn die Ausgangssperre vorbei ist, wird sie Probe gefahren“, sagt der Elektromeister – und enthüllt in der Garage noch einige seiner Schätze, die schon restauriert sind. Eine seltene Douglas Dragonfly aus dem Jahr 1957 ist darunter, eine BMW aus den 1970ern, aber auch ein skurril anmutendes Mofa aus chinesischer Produktion, das neben einem Cobra-Cabrio parkt. In der Ecke steht noch ein weiteres künftiges Restaurierungsobjekt. „Die DKW aus dem Baujahr 1939 ist ein Scheunenfund“, sagt der begeisterte Funkamateur, und schiebt sie vorsichtig in den Garten.

Mit einem seiner Schätze würde er gern die Oldtimer-Rallye zwischen Durban und Johannesburg mitfahren, die erstmals 1913 ausgetragen wurde. Zugelassen sind heute nur Motorräder, die vor 1936 gebaut wurden. „Diesmal waren 106 Teilnehmer dabei – der älteste Fahrer war 84 Jahre alt“, sagt Gavin Allison vom Oldtimer-Dachverband SAVVA. Südafrika gilt unter Oldtimer-Fans seit langem schon als Geheimtipp. Ob zwei- oder vierrädrig: Viele fahrende Oldtimer wurden von ihren mittlerweile auch schon betagten Eigentümern liebevoll gehegt und gepflegt. Das trockene Klima im knapp 1800 Meter hoch gelegenen Johannesburg etwa machte zudem Korrosionsschäden meist überschaubar. Seit der Geschäftsmann John Percy Hesse 1896 mit einem Benz Velo aus Mannheim das erste Motor-Vehikel in der südlichen Hemisphäre in Betrieb nahm, gab es einen enormen Auto-Input aus aller Welt – von der Isetta über den Kabinenroller bis zu Fords berühmten T4-Modell.

Ein deutsches Ehepaar hat daraus sogar ein Geschäftsmodell entwickelt und wirbt in Kapstadt mit der nach eigenen Angaben weltgrößten Oldtimer-Mietflotte. Südafrikas Oldtimer-Gemeinde ist laut Gavin sehr umfangreich und geht quer durch alle Altersgruppen: „Allein unserem Dachverband sind 47 Clubs angeschlossen, wir kommen auf rund 6000 Mitglieder.“

AdUnit urban-intext2

Oldie-Besitzer seien leidenschaftliche Bastler, viele hätten mehrere Restaurationsprojekte. So wie Larry – der hat schon das nächste Vorhaben im Visier: einen Citroen-DS-Kombi. Seit Jahren steht der nur rum, aber der Eigentümer will noch nicht verkaufen. dpa