Archiv-Einsturz: Welle der Hilfsbereitschaft für betroffene Anwohner Kölner OB verspricht lückenlose Aufklärung

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Köln. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) hat gestern eine lückenlose Aufklärung des Stadtarchiv-Einsturzes versprochen. "Niemand kann angesichts dieser Katastrophe zur Tagesordnung übergehen", sagte er in einer Sondersitzung des Stadtrates. "Es wird lange dauern - sehr lange - bis die klaffende Wunde an der Severinstraße heilt."

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Zunächst müsse der letzte Vermisste gefunden werden. Die Aufräumarbeiten und die Sicherung des nicht zerstörten Archivguts würden Monate in Anspruch nehmen. Dies sei eine Aufgabe von nationalem Rang, denn das Archiv sei das bedeutendste Kommunalarchiv nördlich der Alpen gewesen.

Suche nach Vermisstem

Schramma steht wegen des Einsturzes auch selbst in der Kritik. "Der Oberbürgermeister tritt teilweise so auf, als ob er Unbeteiligter oder Vorsitzender einer Bürgerinitiative ist", sagte der grüne Abgeordnete Jörg Frank. Er sei aber der Verwaltungschef und trage einen wesentlichen Teil der Verantwortung.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Börschel sagte, man werde später nach der Verantwortlichkeit fragen müssen, im Moment stehe noch die Suche nach dem 24-jährigen Studenten Khalil G. im Mittelpunkt. Dem Leiter der Bergungsarbeiten, Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff, spendete der Stadtrat langanhaltenden Beifall.

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Die Feuerwehr war gestern mit dem Einriss einer weiteren Hausruine beschäftigt und wollte danach noch tiefer in dem Trümmerkrater graben. Vor gut einer Woche waren das Historische Archiv der Stadt und zwei angrenzende Häuser eingestürzt, vermutlich als Folge des U-Bahn-Baus. Ein 17-jähriger Bewohner wurde bereits am Sonntag tot aus den Trümmern geborgen.

Schramma berichtete von einer Welle der Hilfsbereitschaft für die obdachlos gewordenen Anwohner. So gingen Geld- und Sachspenden ein, mehr als 200 Wohnungen wurden angeboten und Gutscheine verteilt. Ein Möbelhaus schenkte den 41 Haushalten, die ihr Zuhause verloren haben, Einkaufsgutscheine für die Einrichtung einer neuen Wohnung. Der 1. FC Köln lud die Betroffenen zu einem Spiel ins Stadion ein, um sie für ein paar Stunden abzulenken. Ein Taxiunternehmen stellte 100 Taxigutscheine bereit. Die Spenden summierten sich inzwischen auf 38 000 Euro. Der Wohnungsversorgungsbetrieb kümmert sich um alle persönlichen Hilfeleistungen und verteilt auch die Spendengelder.

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Allen Evakuierten wird außerdem Beratung und Begleitung bei der Wahl und Besichtigung der neuen Wohnungen angeboten. "Das Erlebte belastet die Betroffenen schwer, viele sind noch nicht in der Lage, sich schon mit der Anmietung einer neuen Wohnung auseinanderzusetzen", berichtete die Stadt. dpa