Interview - Schauspieler Hannes Jaenicke über Klimaschutz und seinen Einsatz im Öko-Thriller „Retter der Meere“ „Ich habe immer meine eigene Tasse und Trinkflasche dabei“

Von 
Rüdiger Sturm
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Hannes Jaenicke bei einem Fototermin auf einem Steg am Ammersee. Der Schauspieler rät davon ab, Lachs zu essen. © dpa

Berlin. Wieder einmal ist Hannes Jaenicke (60) im Sinne der Umwelt aktiv: im Öko-Thriller „Retter der Meere: Tödliche Strandung“ (6. Februar, ARD, 20.15 Uhr). Dass er für seinen Einsatz eine Morddrohung erhielt, hält ihn nicht davon ab, sich weiter für Umwelt und Tiere einzusetzen.

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War die Rolle ein langgehegter Traum?

Der grüne Schauspieler

Hannes Jaenecke wuchs als Kind in Pittsburgh/USA auf. 1969 kam seine Familie zurück nach Deutschland, wo er in Regensburg das Abitur machte. Zum Schauspieler wurde er in Wien ausgebildet.

Jaenecke engagiert sich für den Tier- und Umweltschutz. Zu einer möglichen Beteiligung an der nächsten Regierung sagt das Mitglied der Grünen: „Wir werden Kompromisse machen müssen, die richtig wehtun. Das gehört zum Regieren in einer Koalition dazu. Trotzdem wäre es ein unglaublich wichtiges Korrektiv, auf Bundesebene wieder einen grünen Koalitionspartner zu haben. “ rs

Hannes Jaenicke: Die Idee kam in diesem Fall von der ARD Degeto. Die Redaktion wollte diesen Stoff für Daniel Rösner, einem meiner besten Freunde, und mich entwickeln. Ich fühlte mich zwar geehrt, war aber ein bisschen skeptisch, weil ich die letzten 20 Jahre die Schauspielerei und meine Umweltaktivitäten immer getrennt hatte. Aber das Konzept war toll, und ich wollte mit Danny arbeiten, mit dem ich jahrelang zusammengewohnt habe. Deshalb haben wir sofort zugesagt und sind stolz auf diesen Film, weil er nicht mit dem Zeigefinger daherkommt, sondern ein richtig spannender Thriller ist.

Können Sie mit so einer unterhaltsamen Verpackung mehr an Sensibilisierung erreichen als Ihre zahlreichen Umwelt-Dokus?

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Jaenicke: Ich war lange überzeugt, dass Dokus die größere Wirkung haben. Zum Beispiel lief letztes Jahr unser Film über Lachse im ZDF, danach ging der Lachsverkauf in Deutschland stark zurück und die Aktienkurse der vier größten norwegischen Lachsanbieter verloren über zehn Prozent.

Wenn Sie Unternehmen derart in die Quere kommen, ist das nicht ein bisschen gefährlich für Sie?

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Jaenicke: Es gab mehrere Versuche von Hamburger Anwaltskanzleien, die norwegische Lachszüchter vertreten, uns per einstweiliger Verfügung zu stoppen. Ich bekam auch zum ersten Mal eine merkwürdige Morddrohung, die ich sofort ans ZDF weitergeleitet habe. Da stand drin: „Jetzt legen Sie sich besser mal Personenschutz zu.’“

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Kriegen Sie bei so etwas Angst?

Jaenicke: Solchen Quatsch nehme ich nicht ernst. Wenn es beim Drehen brenzlig wird, dann filmt mein fantastischer Kameramann und Produktionspartner Markus Strobel eben mit versteckter Kamera.

Was war die bedrohlichste Situation, die Sie erlebt haben?

Jaenicke: 2009 haben wir einen Film über die Haiflossen-Mafia gedreht, von denen viele aus China stammen. Mit denen sollte man sich nicht anlegen. In Costa Rica, wo ein Großteil ihres Haiflossen-Geschäfts betrieben wird, ist uns tatsächlich ein Mob auf die Pelle gerückt. Aber bislang ist es immer gut gegangen, und ich würde den Teufel tun, das aufzugeben.

Im Film heißt es „Wir sind Meeresbiologen, keine Polizisten“. Würden Sie sich nicht die Macht wünschen, Umweltsündern das Handwerk legen zu können?

Jaenicke: Klar hat man solche Fantasien. Aber dafür drehe ich diese Filme. Wenn ich sehe, welche Wirkung unsere kleine Lachs-Doku hatte, weiß ich, dass wir was richtig machen. Natürlich wünsche ich mir manchmal, den Politikern ihre tauben Ohren langzuziehen, weil sie bis heute weder Kerosin noch Einwegplastik besteuern und kein Tempolimit beschließen. Es ist alles unfassbar träge, aber ich versuche mich damit abzufinden.

Ist das alles nicht sehr frustrierend?

Jaenicke: Frustriert sein hilft nicht. Ich kann ja eh nur vor meiner eigenen Haustür kehren. Das heißt, ich versuche meinen Haushalt so nachhaltig und grün zu gestalten wie es irgendwie geht. Was mir – abgesehen vom beruflichen Fliegen – ziemlich gut gelingt.

Versuchen Sie Ihre Umweltstandards bei Dreharbeiten durchzusetzen?

Jaenicke: Ich habe immer meine eigene Tasse und Trinkflasche dabei, und ich esse nicht von Plastikgeschirr. Aber ich bin nicht missionarisch, will anderen nicht auf die Nerven gehen. Eine Zeit lang habe ich vor Drehbeginn Coffee Mugs fürs ganze Team gekauft, das mache ich nicht mehr, denn die Tassen waren meist nach dem zweiten Tag verschwunden. Es ist aber sehr erfreulich zu sehen, dass immer mehr Leute mit der eigenen Tasse und eigenen Flasche kommen.

Sehen Sie denn Länder in der Welt, die auch Deutschland in Sachen Umwelt als ein Vorbild dienen könnten?

Jaenicke: Ich habe mehrfach in Costa Rica gedreht. Das ist das Land, das weltweit als erstes CO2 neutral wird. Was dort an Umweltpolitik passiert, macht so viel Mut und ist ein solches Modell, dass ich nur hoffen kann, dass die ganze Welt auf dieses kleine Land schaut. Die haben die größte Biodiversität, den größten Artenreichtum des Planeten.