Gesunder Lebensstil senkt das Krebsrisiko

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Chronische Entzündungen und entzündliche Prozesse spielen eine große Rolle bei der Entstehung von Tumoren. Viele von ihnen sind kein unausweichliches Schicksal. Experten vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg erklären anlässlich des Weltkrebstages, welche sich wie vermeiden lassen.

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Von Madeleine Bierlein

  • Krebs ist in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache.
  • 2018 starben nach Daten des Bundesamts für Statistik in Wiesbaden 238 345 Menschen an einer Krebserkrankung.
  • Die häufigste Krebsart mit Todesfolge waren bei Männern: Lungen- , gefolgt von Darm- und Prostatakrebs.
  • Frauen starben am häufigsten an Brustkrebs, es folgen Lungen- und Darmkrebs.
  • Insgesamt ist fast jeder vierte Todesfall in Deutschland auf eine bösartige Tumorerkrankung zurückzuführen.
  • Die Überlebenschancen bei Tumoren haben sich durch Fortschritte in der Therapie in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Da Krebs aber im Alter gehäuft auftritt, gehen Experten davon aus, dass die Erkrankungen aufgrund der höheren Lebenserwartung dennoch weiter steigen werden. mad

Spätestens seit der Heidelberger Wissenschaftler Harald zur Hausen 2008 den Medizin-Nobelpreis erhielt, ist gemeinhin bekannt: Chronische Entzündungen können Krebs verursachen. Die Auszeichnung erhielt der langjährige Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) für seine Arbeiten zu Humanen Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Und es gibt noch weitere Erreger und entzündliche Prozesse, die die Entstehung von Tumoren begünstigen. Die gute Nachricht ist: Gegen viele lässt sich etwas machen. Ein Überblick.

Nicht rauchen

Tabakkonsum ist für rund ein Drittel aller Krebserkrankungen in den Industrienationen verantwortlich – und damit der häufigste vermeidbare Krebsauslöser überhaupt, wie DKFZ-Chef Michael Baumann erklärt. Die Mechanismen sind weitgehend bekannt. So enthält der Rauch rund 250 giftige Substanzen. Viele von ihnen rufen Entzündungsprozesse hervor, die vor allem in der Lunge zu Krebs führen können. Doch der Prozess lässt sich aufhalten: durch einen Rauchstopp. Der macht auch noch nach Jahren Sinn, betonen die Wissenschaftler. Denn das Risiko zu erkranken, steigt mit der Zahl der gerauchten Zigaretten und der Dauer der Raucherzeit.

Normalgewicht

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In Deutschland sind laut Robert Koch-Institut zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und die Hälfte der Frauen (53 Prozent) übergewichtig. Ein Viertel gilt – bei beiden Geschlechtern – als fettleibig (adipös). Für Betroffene bedeutet dies ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken – etwa an Brust-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber- und Nierenkrebs. Auch hier spielen Entzündungsprozesse eine zentrale Rolle. Denn Fettzellen – vor allem im Bauchbereich – setzen Botenstoffe frei, die eine chronische Entzündung hervorrufen. „Der ganze Körper verändert sich“, beschreibt es DKFZ-Forscher Mathias Heikenwälder.

Kampf den Krankheitserregern

Chronische Entzündungen durch Krankheitserreger machen den dritthäufigsten Auslöser aus. Einige Keime konnten in der Vergangenheit durch bessere Hygiene zurückgedrängt werden. Dazu gehört etwa das Bakterium Helicobacter, das Magenkrebs auslöst. Diese Tumorart sei „durch die Einführung von Kühlschränken deutlich seltener geworden“, sagt Krebsforscher Baumann.

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Doch Bakterien sind nicht die einzigen gefährlichen Erreger. „Wir wissen heute von acht Viren, die klar in Zusammenhang mit Tumorerkrankungen beim Menschen stehen“, sagt Ralf Bartenschlager vom Uniklinikum Heidelberg. Zu ihnen gehören Humane Papillomviren (Gebärmutterhals-, Rachen-, Analkrebs), aber auch verschiedene Hepatitis-Viren, die in Zusammenhang mit Leberkrebs stehen. Sie alle verbindet eines: Damit es zu einem bösartigen Tumor kommt, muss eine chronische Infektion vorliegen.

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Mittlerweile hat die Wissenschaft einige schlagkräftige Waffen gegen die gefährlichen Keime entwickelt. Seit 2015 gibt es ein Medikament gegen Hepatitis C, bei dessen Entwicklung Bartenschlager eine zentrale Rolle spielte. „Fast alle Patienten können inzwischen geheilt werden“, freut sich der Virologe. Und im vergangenen Jahr wurde erstmals ein Medikament gegen Hepatitis D, eine besonders aggressive Entzündung, die schnell zu Krebs führen kann, zugelassen.

„Noch besser ist es allerdings, man wird gar nicht infiziert“, sagt Bartenschlager zu den Erfolgen. So ist es bereits gelungen, eine Impfung gegen Hepatitis A und B zu entwickeln, an weiteren wird unter Hochdruck geforscht.

Eine Erfolgsgeschichte ist die Impfung gegen Humane Papillomviren, die vor allem vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Allerdings werden derzeit nur rund 43 Prozent der Mädchen in Deutschland gegen HPV geimpft, was bei DKFZ-Chef Baumann auf Unverständnis stößt. Bei Jungen, für die die Immunisierung ebenfalls empfohlen wird, ist die Rate sogar noch geringer. In Ländern, in denen Jungen und Mädchen in der Schule geimpft werden – darunter Großbritannien, Australien und Norwegen, liegen die Zahlen mit mehr als 80 Prozent etwa doppelt so hoch. Baumann plädierte deshalb dafür, in Deutschland ein Impfprogramm an Schulen einzuführen.

Bewegung

Mangelnde Bewegung erhöht das Risiko für Übergewicht. Doch abgesehen davon wirkt sie sich auch isoliert betrachtet auf das Krebsrisiko aus. Studien belegen, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, seltener Brust-, Dickdarm-, Gebärmutter- und Prostatakrebs bekommen. Derzeit lautet die Empfehlung daher, sich an mindestens drei (besser mehr) Tagen in der Woche 30 bis 60 Minuten so zu bewegen, dass man leicht ins Schwitzen kommt. Über welche Mechanismen der Sport das Risiko senkt, ist noch nicht abschließend erforscht, es gibt aber Hinweise darauf, dass Effekte auf den Hormonhaushalt eine wichtige Rolle spielen. Langes Sitzen hingegen ist problematisch.

Gesunde Ernährung

Das DKFZ empfiehlt zur Krebsprävention ballaststoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Vollkorn in den Speiseplan zu integrieren und den Fleischkonsum zu reduzieren. Insbesondere rotes Fleisch und verarbeitete Fleischprodukte (Geräuchertes, Gepökeltes) gilt es zu vermeiden. Interessant: Ungesunde Ernährung kann Entzündungsprozesse im Darm begünstigen und zu einer Leberentzündung führen, was wiederum das Krebsrisiko erhöht.

Alkohol meiden

Regelmäßiger Alkohol-Konsum kann eine chronische Entzündung in der Leber auslösen, die einer Virus-Hepatitis ähnelt. „Wir beobachten ähnliche Reaktionen“, erläutert Virologe Bartenschlager. Die Empfehlung lautet daher: Männer sollten maximal zwei Gläser, Frauen ein Glas Alkohol pro Tag trinken.

Früherkennung

Die verschiedenen Risikofaktoren überlappen sich teilweise. Nach Aussagen von DKFZ-Chef Baumann lassen sich aber insgesamt fast 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen durch Infektionsschutz und einen gesunden Lebensstil verhindern. Und es geht noch besser, betont der Experte: Würden Früherkennungsmöglichkeiten wie Mammografie und Darmkrebsvorsorge konsequent genutzt, könnte man „50 bis wahrscheinlich 70 Prozent der Fälle vermeiden“.

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