Klima: Dünne Eisschicht der Ostsee lässt Ringelrobben-Nachwuchs wenig Überlebensmöglichkeiten Geringe Chancen für Heuler

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Hamburg. In der Ostsee droht nach Angaben der Umweltstiftung WWF ein Robbenbaby-Drama. Der Nachwuchs der Ostsee-Ringelrobben habe in Teilen des Binnenmeeres zum zweiten Mal in Folge kaum Chancen zu überleben. Grund sei die zu dünne Eisdecke, teilte gestern der WWF (World Wide Fund For Nature) in Hamburg mit. Ringelrobben-Babys brauchen den Schutz von Schneehöhlen auf dem Packeis, bis sie sich eine dicke isolierende Fettschicht angefressen haben. Müssen sie zu früh in die kalte Ostsee, erfrieren oder verhungern sie.

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Vor hundert Jahren lebten laut WWF in der Ostsee noch rund 180 000 Ringelrobben. Bis in die 1980er Jahre seien die Bestände durch Jagd und Umweltgifte dezimiert worden. Heute gebe es noch vier Populationen mit insgesamt 7000 bis 10 000 Tieren - im Bottnischen Meerbusen, im Finnischen Meerbusen, am Aland-Archipel zwischen Schweden und Finnland sowie in der Rigabucht.

Für ihre Kinderstube brauchen Ringelrobben Regionen, die mindestens 90 Tage im Jahr mit Packeis bedeckt sind. 2008 - dem eisärmsten Winter seit Beginn der Messungen vor 300 Jahren - verloren drei der vier Ringelrobben-Populationen nach WWF-Schätzungen den größten Teil ihres Nachwuchses. In diesem Jahr sei die Eisschicht Ende Februar - dem Beginn der Wurfzeit - zwar doppelt so groß gewesen. Trotzdem gebe es für viele Robbenbabys kaum Überlebenschancen, sagte Cathrin Münster vom WWF-Ostseebüro.

Die Ostsee-Ringelrobben stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Klima-Experten würden bei einer ungebremsten Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts einen Rückgang der Eisdecke um 50 bis 80 Prozent voraussagen. "Wenn der globale CO2-Ausstoß nicht drastisch sinkt, droht die Ostsee-Ringelrobbe langfristig auszusterben", warnte Cathrin Münster. dpa