Bildung - Forscher werten Studien zum Thema Tastaturtippen im Vergleich zur Handschrift aus „Für Schreibunterricht fehlt es an Zeit“

Von 
Larissa Schwedes
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Immer mehr Lehrer bemängeln, dass Schüler zunehmend Probleme haben, flüssig und lesbar zu schreiben. Wichtig wären zusätzliche Übungsstunden in der Schule oder zu Hause – doch dafür fehlen oft die Kapazitäten. © dpa

Köln. A wie Apfel, B wie Birne, C wie Computer – mit Schulbeginn heißt es für Erstklässler: Schreiben lernen. Manche Buchstaben sind einfach, andere gelingen nicht direkt beim ersten Anlauf. Doch nach und nach erarbeiten sich die Grundschüler eine Technik, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten wird – das Schreiben mit der Hand.

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Schon seit Jahrzehnten diskutieren Wissenschaftler und Pädagogen über die Vor- und Nachteile verschiedener Schriftarten und Lernmethoden. Längst kommt heute auch das digitale Schreiben hinzu, das in vielen Berufen unverzichtbar ist. Skeptiker sehen dadurch die Handschrift in Gefahr. Sie fürchten um das kulturelle Gut, aber auch um die motorischen Fähigkeiten, die beim Schreiben mit der Hand erlernt und gefördert werden. Wissenschaftler des Mercator-Instituts der Uni Köln haben nun bisherige Studien zum Thema ausgewertet.

„Auf Grundlage der bisherigen Forschungsergebnisse ergibt es daher keinen Sinn, das Handschreiben und Tastaturschreiben gegeneinander auszuspielen“, so der Direktor des Mercator-Instituts, Michael Becker-Mrotzek (Bild links). „Anstatt die Entweder-oder-Frage zu stellen, sollten Lehrkräfte besser beide Techniken fördern und fordern.“ Zwar gebe es Hinweise darauf, dass sich Schreiben mit der Hand positiv auf feinmotorische Fähigkeiten und das Gehirn auswirke. Andererseits gibt es auch Erkenntnisse, dass Schüler beim digitalen Tippen sprachlich richtigere und inhaltlich sinnvollere Texte abliefern.

Massive Grabenkämpfe

Auch Christian Marquardt (Bild rechts) vom Schreibmotorik Institut beschäftigt, welche Bedeutung das Schreiben mit der Hand hat. Ihm zufolge ist es von Fähigkeiten der Schüler abhängig, ob dies positive Effekte habe oder nicht: „Es gibt bei den guten Schreibern Vorteile, bei den schlechten Schreibern Nachteile.“

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Schreiben mit der Hand und das Tippen sind für ihn zwei unterschiedliche Abläufe. „Sie müssen beim Schreiben mit der Hand viel mehr in die Zukunft denken“, sagt Marquardt. Die Informationen müssten in kleine Einheit zerhackt und der Bewegungsfluss müsse vorausgeplant werden. Da das Tippen grundsätzlich schneller gehe, sei es dabei nicht so sehr notwendig, Informationen stark zu abstrahieren.

„Es gibt da relativ massive Grabenkämpfe“, sagt Marquardt – zwischen Traditionalisten und jenen, die digitale Bildung vorantreiben wollen. Er selbst hält es für sinnvoll, beide Methoden miteinander zu verzahnen. Wenn Kinder in der Handschrift einigermaßen sicher seien, könne man das mit digitalen Geräten unterstützen. „Ich würde nämlich digitales Schreiben nicht nur aufs Tippen beschränken.“ So könne etwa ein digitaler Stift helfen, die Handschrift zu verbessern und Buchstaben sicher zu erlernen.

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Doch das mit der Unterstützung wird zunehmend zum Problem, wie eine Online-Befragung des Verbands Bildung und Erziehung unter Lehrern belegt. Darin stellen Grundschullehrer bei mehr als einem Drittel ihrer Schüler Probleme fest, eine flüssige und lesbare Handschrift zu entwickeln. Mehr Übung zuhause und in der Schule würden laut Lehrern helfen. Dafür bleibt aber im hektischen Schulalltag oft keine Zeit.

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„Unser Schreibunterricht ist antiquiert und wird in dieser Form nicht überleben können“, so Marquardt. Durch größere und heterogenere Klassen hätten Lehrer nicht mehr genug Zeit, um Kinder individuell zu fördern. Entscheidend ist also nicht, welche Schrift man schreibt oder mit welchem Medium – sondern genug Raum und Zeit, das Schreiben zu lernen. (Bilder: Mercator/Schreibmotorik-Institut)