Lebensmittel - Verbraucherschützer sehen Julia Klöckner nach erneutem Fall von Keimbelastung in der Pflicht Foodwatch attackiert Ministerin

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dpa
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Vergangene Woche wurde belastete Milch vom Markt genommen. © dpa

Berlin. Jüngste Vorfälle um keimbelastete Wurst und Milch haben Schwächen des derzeitigen Kontrollsystems offengelegt – nun ist eine Debatte entbrannt, wer dafür die Verantwortung trägt. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) nahm am Wochenende die Bundesländer für die Lebensmittelkontrollen in die Pflicht.

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„Ich lege Wert darauf, wenn die Länder stets ihre Zuständigkeit hier betonen, dass sie ihrer Verantwortung auch mit ausreichend Personal für diese Aufgabe gerecht werden“, sagte sie. „Die Länder müssen bereit sein, über stärkere Konzentration und Bündelung von Verantwortlichkeiten zu sprechen, um die Lebensmittelkontrolle zu optimieren.“

Dagegen warf die Verbraucherorganisation Foodwatch Klöckner schwere Versäumnisse vor. „Indem Frau Klöckner allein an die Bundesländer appelliert, unternimmt sie einen ebenso plumpen wie billigen Versuch, von der eigenen Verantwortung abzulenken“, sagte Geschäftsführer Martin Rücker. Klöckner habe in ihrer Amtszeit „keinerlei Initiative“ ergriffen. „Mit dieser Haltung ist die Ministerin das größte Risiko für die Lebensmittelsicherheit in Deutschland.“

Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands (BVLK) plädierte für mehr Kontrolleure. „Mit dem vorhandenen Personal schaffen wir nur rund 45 Prozent der notwendigen Kontrollen“, sagte die Vorsitzende Anja Tittes. Mehr Überwachungsdruck sei deshalb nicht möglich. Schätzungen zufolge würden 1500 bis 2500 weitere Prüfer benötigt. dpa