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Brauchtum - Druck auf Jäger nimmt zu – trotz Verbot

England streitet um Fuchsjagd

Von 
Benedikt von Imhoff
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Lacock/Melton Mowbray. Die Emotionen kochen in englischen Dörfern hoch, der Ton wird rauer. „Jagdabschaum ist das wahre Ungeziefer“: Mit drastischen Worten protestierte eine Frau im mittelenglischen Örtchen Melton Mowbray gegen die traditionelle Neujahrsjagd. Dutzende brüllten Reitern „Schande“ entgegen, als sie hoch zu Ross und in rote Jacken gekleidet zum traditionellen „Quorn Hunt“ aufbrachen. Im westenglischen Dorf Lacock prügelten sich nach Weihnachten sogar Gegner und Befürworter der Jagd, drei Männer wurden festgenommen.

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Melton Mowbray: Demonstranten halten Schilder zur Neujahrsjagd hoch.

Seit 2005 sind Hetzjagden auf lebende Tiere im größten britischen Landesteil illegal. Die Jäger in Melton Mowbray, Lacock und anderswo haben also keine Füchse im Visier. Stattdessen halten sie ihre Traditionen hoch, indem sie ihre Hunde einer künstlichen Geruchsspur hinterherhetzen lassen. Doch Kritiker etwa von der Tierschutzorganisation League Against Cruel Sports werfen den Jägern vor, diese „Trail Hunts“ zu missbrauchen, um unter dem Deckmantel der Legalität doch lebende Tiere zu jagen. Denn vom künstlichen Fuchsgeruch angelockt, würden die Hunde allzu häufig vom Geruch echter Füchse abgelenkt und hetzten sie wie früher zu Tode.

Zwar halten die Befürworter dagegen. Seit dem Verbot sei es nur bei einem Bruchteil der Jagden zu Verstößen gekommen. Außerdem fördere die Industrie mit den Jagden, die vielerorts Volksfesten ähneln, die lokale Gastronomie sowie Landwirte. Jäger könnten helfen, die „Überpopulation“ an Füchsen zu reduzieren. Dennoch könnte es den Jägern bald an den Kragen gehen. Die Regierung kündigte an, die Strafen für illegale Hasenhetzjagden – „Hare Coursing“ genannt – verschärfen zu wollen. Tierliebende Tory-Abgeordnete wollen zudem das neue Tierschutzgesetz, das im Parlament diskutiert wird, deutlich ausweiten und auch „Trail Hunting“ unter Androhung von Haftstrafen verbieten. 

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