TV - Schauspieler Jan Josef Liefers über seine neue Serie und das Künstlerleben in Corona-Zeiten „Ein Menschenleben ist kein Lego-Baukasten“

Von 
Peter Zander
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Jan Josef Liefers (rechts) mit seinem „Tatort“-Kollegen Axel Prahl. Der Schauspieler aus Dresden tritt ab Sonntag in einer neuen ZDF-Serie auf. © dpa

Berlin. Jan Josef Liefers (56) ist zusammen mit Axel Prahl verlässlicher Quoten-König dank der Münsteraner „Tatort“-Folgen. Nach vielen Komödien ist er ab 7. Februar er an vier Sonntagen von der dramatischen Seite zu sehen: in „Tod von Freunden“, einer Serie von Friedemann Fromm, die gewagt und innovativ mit Erzählformen spielt (ZDF, je 22.15 Uhr).

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Herr Liefers, „Tod von Freunden“ ist ein spannendes Format. Achtmal sieht man dieselbe Handlung von verschiedenen Seiten, immer geht die Geschichte ein Stück weiter und ein neues Drama kommt hinzu. Hat Sie diese Struktur gereizt?

Eine Theaterfamilie

Jan Josef Liefers (56) stammt aus einer Theaterfamilie. Er wächst in Dresden auf und wird von 1983 bis 1987 an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin ausgebildet.

Auch Liefers Großvater und seine Mutter üben den Schauspielerberuf aus. Sein Stiefbruder ist Martin Brambach – ebenfalls ein populärer Schauspieler. Wie seine erste Ehefrau übt auch Anna Loos diesen Beruf aus. Mit ihr ist Liefers seit 2004 verheiratet. Die beiden haben zwei Töchter.

Seit 2002 steht Liefers zweimal im Jahr gemeinsam mit Axel Prahl für den WDR-„Tatort“ als Professor Karl-Friedrich Boerne, Ermittler in Münster vor der Kamera. EB

Jan Josef Liefers: Ich fand das ziemlich gewagt. Am Ende war ich selbst verblüfft, wie gut das hinhaut. Mit jeder Folge steht die scheinbar bekannte Geschichte in einem neuen Licht da. Dieselben Szenen werden durch die Augen aller Beteiligten betrachtet und jedes Mal enthüllen sie andere Aspekte der Wahrheit, die dann erst ganz am Ende herauskommt. Das war schon sehr reizvoll. Am Anfang gab es ein ziemliches Ringen, ob ich es überhaupt schaffe, die Serie zu drehen, weil der Drehzeitraum sich mit anderen Projekten überschnitten hat. Ich bin heute sehr froh, dass es funktioniert hat.

Es ist Ihre erste dramatische Rolle seit langem. Ist das die Folge der Münsteraner „Tatort“-Folgen, dass man Sie immer im komischen Fach sieht?

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Liefers: Eigentlich wurde ich immer schon gerne gebucht für das, was man in Deutschland Komödie nennt. Ich mag das aber nicht so sauber trennen. Nehmen Sie etwa Dietls „Rossini“: Das war ja nicht nur Komödie. Dieses pure Hau-den-Lukas-Schenkelklopfen hat mich schauspielerisch noch nie so richtig fasziniert. Ich würde auch in einem Drama immer den Punkt suchen, an dem auf menschliche Weise Komik entsteht. In guten Komödien stecken sowieso immer Dramen. Nur die Frauen sind besser angezogen.

Dennoch: War es mal wieder schön, ganz dramatisch spielen zu dürfen?

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Liefers: Für mich ist das ganz wunderbar, dass ich so viele verschiedene Sachen machen kann. In der Regel steckt man schnell in einer Schublade. Das Schöne an meiner Laufbahn ist, dass das immer hin- und hergewechselt hat. Das mag ich auch so an Friedemann Fromm: dass er kein Problem hat, mich in nicht-komischen Rollen zu sehen. Mehr kann man sich als Schauspieler nicht wünschen.

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Müsste es mehr mutige Produktionen dieser Art geben? Traut sich da der deutsche Film nicht einfach zu wenig?

Liefers: Man wünscht sich immer, dass man nicht zu lange auf der Stelle tritt. Wir sind ja eine Krimination, manchmal hat man das Gefühl, dass deutsche Produktionen zu 90 Prozent aus Krimis bestehen. Und dann gibt es auch noch die guten alten Arztserien. Da sind andere Länder schon woanders. Aber es gibt wohl auch das Bedürfnis danach, denn diese Formate haben ja viele Zuschauer und damit ihre Berechtigung. Klar wünsche ich mir oft mehr Mut und Wagnis. Aber ich möchte unser Fernsehen auch mal verteidigen. Es ist ein Massenmedium, das sich eben an viele Menschen wendet und nicht nur an die, die schon alles gesehen haben. Und auch bei den Streamern ist längst nicht mehr alles nur topp.

Wie sind Sie bisher durch die Corona-Zeit gekommen?

Liefers: Ganz gut. Die Corona-Regeln lassen sich bei Dreharbeiten wirkungsvoll umsetzen, so konnten wir halbwegs arbeiten. Aber wenn ich an meine Band Radio Doria denke und an all die anderen, die auf Live-Publikum angewiesen sind, bricht mir das Herz. Wir hatten vor Corona gut verkaufte Konzerte und Termine ohne Ende. Ich habe in dem Zusammenhang mal die Geschichte von unserem Bassisten erzählt, der Geld verdienen muss und zum Straßenbau ging. Da regten sich gleich ein paar Menschen auf, dass daran doch nichts Schlimmes sei. Nein, natürlich ist das eine respektable Arbeit, ich ziehe meinen Hut, aber er ist nun mal Musiker! Er kann etwas sehr, sehr gut, das andere nicht können. Musik machen, dass den Leuten im Konzert vielleicht die Tränen kommen, sie sich für einen Moment verstanden oder berührt fühlen. Bei einem Lego-Baukasten ist das egal, passt der gelbe Stein nicht, nehmen wir eben einen roten. Ein Menschenleben ist aber kein Lego- Baukasten.