Wetter - Landwirte spüren den Klimawandel / Waldbrandgefahr steigt vielerorts Droht der nächste Dürresommer?

Von 
Madeleine Bierlein
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Bauern machen sich angesichts der Trockenheit Sorgen, ihre Felder sind derzeit staubtrocken. © dpa

Mannheim/Offenbach. Blauer Himmel, Sonnenschein: Gerade in Corona-Zeiten mit ihren Kontaktbeschränkungen ist das derzeitige Bilderbuchwetter vielen ein Trost. Doch es hat auch seine Schattenseiten, vor allem für Landwirte und die Natur. Der April ist viel zu trocken – wieder einmal.

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„Bis Mitte des Monats sind in Deutschland gerade einmal drei Prozent der Durchschnittsniederschläge gefallen“, beklagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach im Gespräch mit dieser Redaktion. Und in der Tat haben die Meteorologen seit elf Jahren keinen einzigen April mehr verzeichnet, der als zu feucht klassifiziert wurde.

Ist das bereits der Klimawandel? Zumindest stehe die aktuelle Situation im Einklang mit dieser Entwicklung, sagt Kirsche. Und in der Tat: Auch im langjährigen Mittel haben die April-Regenfälle deutlich abgenommen. So fielen zwischen 1961 und 1990 in Deutschland im April durchschnittlich 58,3 Millimeter Regen, 20 Jahre später (1981-2010) waren es nur noch 50,7 Millimeter. Diesen Monat verzeichneten die Meteorologen bislang „traurige 3,2 Millimeter“ Niederschlag, so Kirsche.

Dürresommer wäre verheerend

Die Folgen sind unübersehbar. Wer in den Feldern der Region spazieren geht, sieht Risse im Boden. Beim Pflügen der Äcker staubt es gewaltig. Daran ist den Experten zufolge nicht nur der fehlende Regen schuld. Auch die niedrige Luftfeuchtigkeit und der anhaltende Wind hätten den Boden zusätzlich ausgetrocknet, erklärt Kirsche.

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Die Situation ist vor allem für Bauern bedrohlich. „Alle landwirtschaftlichen Kulturen – vom Baumobst und Weinbau einmal abgesehen – brauchen im Moment dringend Wasser“, sagt Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd.

Für die Landwirte ist der Klimawandel längst Realität. „Die Witterungsphasen verlängern sich. Wir haben zunehmend sehr lange Trockenheit oder sehr lange Feuchtigkeit“, hat Köhr beobachtet. Er ist sich sicher: „Ohne die Beregnung wäre in der Vorderpfalz mittlerweile kein Gemüsebau mehr möglich.“

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Auch für die Wälder birgt die aktuelle Trockenheit gewaltige Risiken. Sie sind nach den vergangenen beiden Dürresommern schwer geschädigt – und bräuchten dringend ein feuchteres Jahr. Stattdessen herrscht nun vielerorts Waldbrandgefahr. Im Landkreis Trier-Saarburg brannte gestern ein rund 10 000 Quadratmeter großes Waldstück. „Wir haben die Bevölkerung bereits vor der erhöhten Waldbrandgefahr gewarnt“, berichtet auch ein Sprecher der Stadt Heidelberg.

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Trotz der außergewöhnlichen Trockenheit spricht der Deutsche Wetterdienst derzeit noch nicht von Dürre. So sei der vergangene Winter vergleichsweise feucht gewesen – „und der Februar sehr nass“, sagt Uwe Kirsche. „Die tieferen Bodenschichten sind noch in Ordnung.“ Und: Zum Wochenende ist ein leichter Wetterwechsel in Sicht.

Ob auf den April ein weiterer Trockenmonat, ja gar ein Dürresommer folgen wird, kann derzeit niemand sagen. Denn seriöse Vorhersagen sind je nach Wetterlage nur für sieben bis 14 Tagen möglich.

Info: Regionale Prognosen unter morgenweb.de/wetter

Redaktion Stellvertretende Nachrichtenchefin mit den Schwerpunkten Gesundheit, Umwelt, Soziales