Frankreich - Das Gut Château de Sales wird von 14 Cousinen und Cousins verwaltet Der Wein, der sie verbindet

Von 
Birgit Holzer
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Libourne. Auf diesen Wiesen und zwischen diesen Weinreben tobten sie als Kinder in den Ferien. Zwischen den alten Steinmauern spielten sie Verstecken. Und wenn im Spätsommer die Weinlese anstand, genossen sie die Geschäftigkeit, die die Erntehelfer auf das familiäre Weingut brachten. Als die 14 Cousinen und Cousins irgendwann eigene Wege gingen, klangen die gemeinsam verbrachten Zeiten auf dem Château de Sales, das seit 550 Jahren der Familie gehört, allmählich aus.

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Sie studierten, fanden Jobs, bekamen eigenen Nachwuchs. Doch 2017 wollte der bisherige Winzer Bruno de Lambert nach fast 40 Jahren Arbeit in den Ruhestand gehen und hatte keinen eindeutigen Nachfolger. Also stellte er seine drei Kinder sowie die elf seiner drei Schwestern vor eine Entscheidung: Was tun mit dem Familienbesitz? Wollten sie das Anwesen verkaufen? Und wenn nicht – könnte es einer der 14 verwalten? Oder alle gemeinsam?

„Die Furcht, die uns am meisten umtrieb, lautete: Würden wir in der Lage sein, das Weingut gemeinschaftlich zu übernehmen, ohne uns heillos zu zerstreiten?“, sagt Marine Treppoz, eine der Nichten von Bruno de Lambert. Die meisten von ihnen hatten nicht einmal eine besondere Kenntnis von Wein: „Manche mochten ihn am liebsten mit etwas Zimt und einer Scheibe Orange.“ Ein Sakrileg mit den edlen Tropfen vom Château de Sales, von denen eine Flasche zwischen 30 und 40 Euro kostet. Was alle 14 aber verband, war „die Liebe zu diesem Haus, das Teil von uns und unserer Geschichte ist“.

Die 49-Jährige steht unter dem Taubenhaus am Eingang des Anwesens, das wie eine geschlossene Festung um einen Innenhof herum erbaut wurde. Bereits im 15. Jahrhundert erwarben ihre Vorfahren das Gelände. Der weitläufige Park dahinter mit einem Teich, in dem sich das Gebäude spiegelt, entstand im 17. Jahrhundert. Mit seinen 47,6 Hektar ist das Château de Sales das größte Weingut im Anbaugebiet Pomerol, das südöstlich der Stadt Libourne liegt. Liebhaber kennen es für seine qualitativ herausragenden, hochpreisigen Rotweine.

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Das Anwesen wirkt stattlich, aber schlicht – nicht so prunkvoll wie viele andere Weingüter im Bordeaux-Gebiet. „In diesem Haus wurde vor allem gelebt und gearbeitet. Es diente nie zu Repräsentationszwecken“, erklärt Marine Treppoz. Verändert haben sie es kaum, doch seit dem Besitzerwechsel 2017 öffnete es sich mehr und mehr Besuchern, auch um die besondere Geschichte einer Familiendynastie zu erzählen, die weitergeschrieben wird.

Denn die 14 Cousinen und Cousins entschieden sich nach teils tumulthaften Besprechungen bis tief in die Nacht hinein dazu, das Gut in der 25. Generation gemeinschaftlich weiterzuführen. „Wir hingen einfach zu sehr daran“, erklärt Marine Treppoz. Sie selbst ließ sich zur Präsidentin der neu gegründeten Betreibergesellschaft wählen, die diplomierte Mathematikerin und Wirtschaftswissenschaftlerin behielt allerdings ihren Job als selbstständige Beraterin im Öl-Geschäft in Afrika.

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Für die alltägliche Verwaltung holten sich die 14 mit Vincent Montigaud einen Generaldirektor von außen, der zuvor 23 Jahre beim renommierten Weingut Château Mouton-Rothschild gearbeitet hatte. „Wir wollen elegante, fruchtige Weine machen, für die das Pomerol bekannt ist“, sagt er. Zwischen 180 000 und 240 000 Flaschen werden pro Jahr produziert. Montigaud überwacht derzeit auch die Anwendung der Maßnahmen, die aufgrund des Coronavirus getroffen wurden: Die Mitarbeiter in den Weinbergen arbeiten weit voneinander entfernt in verschiedenen Parzellen, alle Materialien werden regelmäßig desinfiziert. Aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen gefährdete Personen setzen aus. Doch das Wetter ist schön, die Reben wachsen und im Château de Sales hofft man trotz allem auf einen guten Jahrgang, denvierten unter der neuen Führung. Zu verkosten gemeinsam bei einem großen Treffen im Familienanwesen

Korrespondent