Verkehr - Autofahrer in Ägypten haben eigene Kommunikation Der geheime Hupen-Code von Kairo

Von 
Johannes Schmitt-Tegge
Lesedauer: 

Kairo. Wer im deutschen Autoverkehr auf die Hupe drückt, meint oft: „Achtung!“ Manchmal ist auch „Geh mir aus dem Weg!“ gemeint. Wer dagegen in Kairo angehupt wird, sollte die Codes der Autofahrer kennen, um die Botschaft zu entschlüsseln: In Ägyptens hoffnungslos verstopfter Hauptstadt hat Hupen sich als Art Geheimsprache etabliert – von „Ich liebe dich“ bis zu derben Beleidigungen ist im Vokabular des täglichen Tutens einiges dabei.

Taxifahrer Mahmoud Saad erklärt die Hup-Codes von Kairo. © dpa
AdUnit urban-intext1

Hupen sei eine eigene Sprache, mit der viel ausgedrückt werden könne, sagt Taxifahrer Mahmoud Saad der Deutschen Presse-Agentur. Der 30-Jährige steuert seinen weißen Hyundai durch das ewige Meer aus Autoblech, fast jede zweite oder dritte Sekunde ertönt in der Gegend um den Tahrir-Platz ein Hupen. Für Touristen mögen sich die kurzen und langen Signale in die Lärmkulisse der Großstadt mischen, für Fahrer wie Saad sind sie Bestandteil des örtlichen Codes.

„Wenn ich zum Beispiel einen anderen Fahrer kenne, der mir entgegenkommt, oder ein Bekannter im Café sitzt, grüße ich ihn mit Hupen“, sagt Saad – und drückt ein „Tuut tut-tut“ in sein Lenkrad. Zweimal kurz heißt „Danke“, dreimal kurz „Ich liebe dich“ und dreimal kurz, zweimal lang „Fick deine Mutter“. Wer diese Beleidigung wagt, sagen Kairos Fahrer, riskiert Streit auf offener Straße und sogar absichtlich verursachte Auffahrunfälle. „Die (Hup-)Sprache fing an, als der Kairoer Verkehr aus dem Ruder lief“, sagt Aiman Kamil der Reiseführer-Website „Culture Trip“.

Wo auf der Welt am meisten gehupt wird, lässt sich schwer messen - wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es kaum. In Mumbai nervte der Lärm die Polizei kürzlich offenbar so sehr, dass sie Dezibel-Messgeräte an Verkehrsknotenpunkten installierte und die Ampeln damit koppelte. Die Ampeln blieben länger rot, wenn mehr als 85 Dezibel gemessen wurde. Das übliche Hupen verstummte. Ein Video des Tests verbreitete sich rasch. Jetzt überlegen Behörden anderswo im Land, geduldige Fahrer mit ähnlichen Kampagnen zu belohnen. dpa