Fernsehen - Einstiger „Wetten, dass . .?“-Moderator Thomas Gottschalk prägt Generationen Der Berufsjugendliche wird 70 Jahre alt

Von 
Britta Schultejans
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„Wetten, dass. . ?“ wird häufig mit Thomas Gottschalk in Verbindung gebracht – und umgekehrt. Hier moderiert Gottschalk eine Sendung im November 2007 in Leipzig. Wie immer recht modisch. © dpa

München. Thomas Gottschalk hätte zur Legende werden können. Als er „Wetten, dass . . ?“ an den Nagel hängte, hätte er sich ausruhen können mit dem Wissen, Fernsehgeschichte geschrieben zu haben. „Aber was habe ich denn davon?“, fragte er im vergangenen Jahr bei einer Lesung in München aus seinem jüngsten Buch „Herbstbunt“. „Grundsätzlich ist einfach der Spaß an der Sache größer als die Lust, Legende zu sein“, sagt Gottschalk nun in einem Interview des Bayerischen Rundfunks (BR). „Wenn ich die Chance habe, rauszukommen und zu sagen: „Guten Abend in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, dann tue ich das.“

Gebürtiger Bayer

  • Thomas Gottschalk wurde als Sohn eines Rechtsanwalts am 18. Mai 1950 in Bamberg (Bayern) geboren. Er hat einen Bruder und eine Schwester.
  • Nach dem Abitur in Kulmbach studierte er Germanistik und Geschichte für das Grund- und Hauptschullehramt an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
  • Seine Karriere begann in den 1970er Jahren beim Radio. Einen hohen Bekanntheitsgrad erhielt Gottschalk, als er 1987 von Frank Elstner die Moderation von „Wetten, dass . .?“ übernahm. red
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An diesem Montag wird Gottschalk, der Berufsjugendliche, 70 Jahre alt. In Corona-Zeiten qualifiziert das für die Risikogruppe. Aber: „Ich bin krisenfest“, sagt er der Zeitschrift „Bunte“. Als er 15 gewesen sei, seien in seiner Heimatstadt Kulmbach die Pocken ausgebrochen. Er habe den sauren Regen, die Tschernobyl-Katastrophe und die Volkszählung überlebt. „Außerdem ein Dutzend Intendanten der ARD und des ZDF, fünf Päpste und gefühlte 100 SPD-Vorsitzende. Nichts davon hat mir meinen Humor und den Glauben an das Gute im Menschen genommen.“

Im November wird es ganz nostalgisch: Der dann 70-Jährige kommt – so die Pandemie es erlaubt – mit seinem ganz großen Erfolg zurück auf den Bildschirm und will noch einmal die Show moderieren, die dafür sorgt, dass man ihn eigentlich in einem Atemzug mit Hans-Joachim Kulenkampff oder Peter Frankenfeld nennen muss: „Wetten, dass . . ?“.

Das mediale Lagerfeuer, das Gottschalk zwischen 1987 und 2011 regelmäßig anzündete, ist inzwischen zwar erloschen, doch vor noch gar nicht allzu langer Zeit sprach man am Montag danach darüber – im Büro und auf dem Schulhof. Man sprach über den spektakulären Auftritt von Michael Jackson, über Gäste wie Tina Turner, Robbie Williams und Tom Hanks und darüber, was der Thommy da nur wieder anhatte. Seine Outfits sind ebenso legendär wie die Tatsache, dass die berühmtesten seiner Gäste immer schon nach fünf Minuten ihren Flieger kriegen mussten.

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Doch so glanzvoll Gottschalks „Wetten, dass . . ?“-Vergangenheit auch ist, mit Alternativen auf dem Bildschirm hatte er oft kein glückliches Händchen. Er scheiterte phänomenal mit einer Vorabendshow im Ersten und zog Kritik auf sich, als er neben Dieter Bohlen in der „Supertalent“-Jury von RTL Platz nahm.

Als der Fernsehmann Anfang 2019 verkündete, dass er eine Literatursendung („Gottschalk liest?“) im BR startet, sagte er, sein Glück sei, „dass ich in einer Phase meiner Karriere bin, in der ich nichts mehr zu verlieren habe“.

Neue Liebe, neues Glück

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Inzwischen ist auch „Gottschalk liest?“ Geschichte. Grund ist wohl eine Frau: Karina Mroß, seine neue Lebenspartnerin, über die er der „Bunte“ sagt: „Karina ist wirklich meine Traumfrau.“ Der Moderator hat den BR gegen den Südwestrundfunk (SWR) eingetauscht, wo auch Mroß arbeitet.

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Dass Gottschalk seine Frau Thea nach fast einem halben Jahrhundert für eine Jüngere verließ, machte Schlagzeilen im vergangenen Jahr, kurz nachdem seine Villa in Malibu abgebrannt war. „Meine erklärte Absicht war es eigentlich, als abgeklärte Fernsehlegende in Malibu die Füße hochzulegen, während sich die Nation nur schwer mit dem Gedanken abfinden kann, ihre Samstagabende ohne mich zu verbringen“, schreibt er in „Herbstbunt“. Doch: „Malibu ist abgebrannt, die Nation plant das Wochenende ohne mich, und statt in meiner kalifornischen Windmühle in die Abendsonne zu blinzeln, die glutrot im Pazifik versinkt, habe ich mir mit neuer Partnerin in Baden-Baden eine renovierte Dachwohnung gemietet.“ dpa