Kommunikation - Wer in dem neuen Dienst aktiv wird, gibt die Kontaktdaten Dritter frei Datenschützer warnen vor Clubhouse-App

Von 
Georg Altrogge
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Social Media Apps sind beliebt, bergen aber auch Gefahren – so auch die Nutzung der neuen US-App Clubhouse, die eifrig Daten von Unbeteiligten sammelt. © dpa

Berlin. Bei Deutschlands Eliten ist Clubhouse das Thema Nummer eins: In nicht einmal zwei Wochen hat das soziale Netzwerk die Szene der Kommunikationsprofis, Unternehmer und Politiker im Sturm erobert. Fast 300 000 Mitglieder zählt die App bereits. Doch der Boom hat eine Schattenseite – nirgends scheint der Nutzer so gläsern wie im Clubhouse. Datenschützer warnen vor Missbrauch. Und auch ein falsches Konto gibt es schon, Leidtragender ist CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

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Die App ist eine Mischung aus Radio-Talkshow, Podcast und Konferenz. Alle Veranstaltungen sind live und dürfen nicht aufgezeichnet werden. Die Nutzung ist vorläufig nur mit einem iPhone von Hersteller Apple und auf Einladung eines Mitglieds möglich. Die gezielte Verknappung der Zugänge hat den Zustrom noch befeuert. In der Liste der Mitglieder stehen viele bekannte Namen: Altkanzler Gerhard Schröder etwa, Showstar Thomas Gottschalk, Fußballnationalspieler Toni Kroos, Schauspieler Elyas M’Barek, Unternehmer Carsten Maschmeyer oder Linken-Politiker Bodo Ramelow, der mit unbedachten Äußerungen während einer Bund-Länder-Schalte erst kürzlich für einen Fauxpas sorgte.

Zugriff auf gespeicherte Nummern

Die App erweist sich als Langfinger, der den Gästen schon auf dem Weg ins Clubhouse in die Taschen greift. Bei der Registrierung verlangt das vor einem Jahr gegründete Start-up aus dem US-Bundesstaat Utah den Zugriff auf alle im Handy der Nutzer eingespeicherten Telefonnummern sowie die dazugehörigen Namen und Angaben. Wer nicht einwilligt, wird sanktioniert und darf keine Freunde oder Bekannte ins Clubhouse einladen. Für die Vorsitzende der Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern, Monika Grethel, ein Unding. Die saarländische Datenschutzbeauftragte warnt vor Missbrauch. Die Möglichkeit der Nutzer, dem Dienst Zugriff auf ihre Kontakte zu gewähren und diesem somit Kontaktinformationen von Personen, die selbst nicht Teilnehmer sind, zur Verfügung zu stellen, sei grundsätzlich kritisch zu sehen.

Das Unternehmen Alpha Exploration Co. dürfte bereits über einen Datenschatz aus den „goldenen“ Adressbüchern von Entscheidern verfügen, die Clubhouse auf ihre Smartphones heruntergeladen haben. Grethel verweist auf ein weiteres Problem, wenn sich User zusätzlich zur Handynummer noch mit einem Twitter- oder Instagram-Account bei Clubhouse anmelden: „Auch hier behält sich laut Privacy Policy der hinter dem Dienst stehende Anbieter einen Zugriff auf Follower-Listen vor“. Sie rät Nutzern dringend, die Kontaktdaten anderer Personen für Clubhouse zu sperren.

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Schon in der ersten Woche machte eine Sonntagszeitung flapsige Äußerungen von Thüringens Ministerpräsident Ramelow in angeblich geschützter Atmosphäre zum Aufreger. Bei Twitter macht derzeit eine Clubhouse-Gesangseinlage von CDU-Nachwuchshoffnung Philipp Amthor unter hämischen Kommentaren die Runde. Sein „Pommernlied“ war von einem Nutzer heimlich mitgeschnitten worden.