Jubiläum - An diesem Montag vor 50 Jahren eröffneten zwei US-Amerikaner in London das erste Hard Rock Cafe

Das Café, das die Welt eroberte

Von 
Philip Dethlefs, Hannes Breustedt
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Die Gitarren von Eric Clapton (oben rechts) und Pete Townshend (Mitte) waren die ersten im Hard Rock Cafe London. Sie hängen dort noch immer. © dpa

London. Vom Flair des ersten Hard Rock Cafes ist in den meisten Filialen nicht mehr viel zu spüren. Aus den Lautsprechern dröhnt kaum noch Rock von The Doors oder Led Zeppelin, stattdessen Popmusik von Ariana Grande oder Calvin Harris. Auf dem Menü stehen längst nicht mehr nur Burger, Steak und Chili con Carne, sondern auch vegane Alternativen. Und der Merchandising-Shop ist heute mindestens genauso wichtig wie das Restaurant. In 50 Jahren ist aus einem rebellischen Kultlokal ein internationaler Konzern geworden, eine wirtschaftliche Goldgrube. Davon profitiert vor allem ein Stamm amerikanischer Ureinwohner.

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Als das Lokal am 14. Juni 1971 in der Londoner Old Park Lane eröffnet wurde, gab es noch nicht die unzähligen Erinnerungsstücke an Wänden und in Vitrinen, für die das Unternehmen berühmt ist. Darunter stehen neben unzähligen Gitarren das Schlagzeug von Led-Zeppelin-Drummer John Bonham, ein purpurner Samtanzug von Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards und eine Lederjacke von Madonna. Was klein begann, hat sich zu einem Großkonzern entwickelt, der inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 180 Restaurants, 25 Hotels und elf Kasinos in 75 Ländern betreibt.

Die US-Amerikaner Isaac Tigrett und Peter Morton, die mit Anfang 20 in London lebten, gründeten das Lokal: Sie hatten vergeblich nach guten Hamburgern im amerikanischen Stil gesucht. „Es war nicht mehr als die verrückte Idee von zwei klugen amerikanischen Hippies“, schreibt Rita Gilligan, Kellnerin seit der ersten Stunde, in ihrem Buch „The Rock ‘N’ Roll Waitress at the Hard Rock Cafe“.

In den ehemaligen Räumen eines Rolls-Royce-Händlers entstand das erste Hard Rock Cafe. Den Namen hatte das Duo auf der Doors-LP „Morrison Hotel“ gelesen. Auf der Rückseite des Albums ist ein Restaurant mit dem Titel abgebildet. Ihr Vermieter gab Tigrett und Morton anfangs einen Vertrag über sechs Monate. „Niemand dachte, dass die beiden Erfolg haben würden“, sagt Gilligan, die mit Ende 70 als Botschafterin des Hard Rock Cafe weltweit Filialen eröffnet. „London war damals ganz anders als heute. Fast Food und laute Musik? Das klang bekloppt für mich. Das hat man in einem Restaurant damals einfach nicht gemacht.“

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Begehrte Souvenirs

Dass jedes Hard Rock Cafe heute nicht nur Restaurant, sondern auch eine Art Musikmuseum ist, verdankt die Kette der Eitelkeit zweier Legenden. Eric Clapton war einer der ersten prominenten Stammgäste des Lokals – und bat 1978 darum, seine Gitarre über seinem Platz aufzuhängen. Als The-Who-Gitarrist Pete Townshend das sah, fuhr er angeblich nach Hause und schickte dem Restaurant seine eigene Gitarre. Der Rest ist Geschichte. In den 1980er Jahren begannen die Gründer zu expandieren – rund um den Globus entstanden Franchise-Filialen, Hard Rock wurde zur Weltmarke.

Nach mehreren Eigentümerwechseln übernahm 2007 ein Investor die Kette – für fast eine Milliarde Dollar. Allerdings handelte es sich nicht um eine Gesellschaft oder einen Hedgefonds, sondern um einen Stamm amerikanischer Ureinwohner. Während viele Ureinwohner ein tristes Dasein in Reservaten fristen, hat der Seminole Tribe of Florida mit Kasinos ein Vermögen gemacht. Die Seminolen nennen sich selbst „die Unbesiegten“ und „den einzigen Stamm Amerikas, der noch nie einen Friedensvertrag unterzeichnete“. Fest steht: In der hart umkämpften Glücksspielbranche ist der Stamm aus Florida ein Schwergewicht.

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Und auch mit dem Kauf der Hard-Rock-Kette bewiesen die Seminolen ein Händchen, wie der damalige Häuptling James Billie 2015 bei einem Besuch der Filiale in Berlin erklärte. Der Umsatz sei innerhalb von zehn Jahren von 700 Millionen auf 3,9 Milliarden Dollar gestiegen, hieß es. Zuletzt lagen die jährlichen Erlöse nach Angaben des Restaurant-, Hotel- und Kasino-Imperiums schon bei mehr als sechs Milliarden Dollar. Trotz Corona bleibt Hard Rock also im Geschäft – nicht zuletzt aufgrund des Merchandisings.

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Denn auch wenn der Rock’n’Roll-Vibe der Anfangszeit etwas verflogen sein mag, hat die Marke weiter Strahlkraft. Das schlachtet das Unternehmen unter anderem mit einem riesigen Online-Shop aus. Das Logo des 2017 gestorbenen Designers Alan Aldridge wurde zum Erkennungszeichen der Globetrotter.

Zurück zu den Ursprüngen

Mit dem Shirt konnte man zeigen, wo man war. Von „Hard Rock Cafe Los Angeles“ oder „Hard Rock Cafe Buenos Aires“ bis zu Exoten wie „Hard Rock Cafe Chiang Mai“ oder „Hard Rock Cafe Port El-Kantaoui“, das Shirt war ein Souvenir auch bei vielen Touristen, die gar nicht erst zum Essen Platz nahmen. Zum Jubiläum erscheint eine Kollektion.

Der Shop in London, der auf der anderen Straßenseite des Cafes errichtet wurde, beherbergt übrigens im Keller ein Museum. Dort kann man auf Anfrage ganz besondere Souvenirs bestaunen – etwa das Cembalo, das die Beatles in den Abbey Road Studios für die Aufnahmen zu „Sgt Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ benutzten, eine Kirchenbank aus dem Nachlass von Jimi Hendrix und einen Mantel von Elvis Presley.

Neben dem ersten Hard Rock Cafe gibt es in London noch ein zweites am Piccadilly Circus und ein Hotel. In der Old Park Lane läuft auch heute fast nur Rockmusik. Und zum Jubiläum am 14. Juni soll wieder alles wie früher sein. Für einen Tag gilt die Speisekarte von 1971 mit den Preisen von damals. Den Hamburger gibt es da für 50 Pence. dpa