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Kriminalität

«Bevor es Tote gibt»: Offensive gegen Geldautomaten-Bomber

Von 
dpa
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Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, sagt Sprengern von Bankautomaten verstärkt den Kampf an. © Oliver Berg

Düsseldorf. Sie hinterlassen immer größere Trümmerfelder und flüchten mit Tempo 250 rücksichtslos über die Autobahnen: Angesichts der sprunghaft gestiegenen Zahl von Geldautomaten-Sprengungen hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) den Kampf gegen die Gangster verschärft.

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Bereits seit Anfang Februar sei die Polizei in Nordrhein-Westfalen nachts landesweit «mit allen verfügbaren Kräften auf der Straße», sagte Reul am Mittwoch in Düsseldorf. Eine neue zusätzliche Sonderkommission im Innenministerium soll den Druck auf die «ausgesprochen kaltblütigen Täter» zusätzlich erhöhen.

Zahl der Sprengattacken verdreifacht

«Künftig sollen sich Experten aus allen Disziplinen über jeden Geldautomaten beugen, der gesprengt worden ist», kündigte der Minister an. Die Tatorte würden nun genauso akribisch wie Mord-Tatorte von Spezialisten untersucht, sagt Soko-Ermittler Guido Winkmann. Die SPD kritisierte, es handele sich um Aktionismus kurz vor der nordrhein-westfälischen Landtagswahl, der viel zu spät komme.

Die Zahl der Sprengattacken hat sich im bisherigen Jahr in Nordrhein-Westfalen mehr als verdreifacht. Stand Mittwoch zählten die Ermittler 73 Sprengattacken im Vergleich zu 20 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

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Nordrhein-Westfalen war in den vergangenen Jahren besonders stark von Geldautomatensprengungen betroffen, aber auch bundesweit schlagen die Kriminellen zu. Der Schwerpunkt lag dabei in den westlichen Bundesländern, wie es im aktuellsten Lagebild des Bundeskriminalamts für das Jahr 2020 hieß. Damals hatten die Täter bundesweit in 268 Fällen erfolgreich eine Explosion herbeigeführt, im Vorjahr 2019 waren es 218 Fälle - eine Zunahme von knapp 23 Prozent.

Gefahrenbewertung von 11.000 Automaten

Die Taten seien noch gefährlicher geworden, weil die Gangster vermehrt zu Sprengstoff statt Gas griffen, um die immer besser gesicherten Automaten zu knacken, hieß es nun aus Nordrhein-Westfalen. Dies habe das Ausmaß der Schäden enorm erhöht. «Ich will handeln, bevor es Tote gibt», sagte Reul. Es sei «pures Glück», dass noch niemand bei einer Sprengung oder halsbrecherischen Verfolgungsfahrt gestorben sei.

Alle 11.000 Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen würden derzeit einer Gefahrenbewertung unterzogen. Nicht nur eine Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen, auch ein Abbau von Automaten an besonders gefährdeten Standorten sei nicht mehr tabu.

Die Polizei zeigte am Mittwoch Luftaufnahmen aus einem Polizeihubschrauber, die die Rücksichtslosigkeit der Gangster bei der Flucht über stark befahrene Autobahnen zeigen. «Die Polizei muss die Täter manchmal davonfahren lassen, um das Leben Unbeteiligter nicht zu gefährden», berichtete Reul.

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In 400-PS-Limousinen könnten die Gangster auf Tempo 270 beschleunigen. Mit Störsendern, sogenannten «Jammern», blockierten sie während der Taten den Mobilfunk in der Umgebung, um eine schnelle Alarmierung der Polizei durch Zeugen zu verhindern.

Falsche Kennzeichen und schwere Äxte

Für die Autos hätten sie diverse falsche Kennzeichen zur Verfügung. Ausgerüstet sind die Tatwagen mit schweren Äxten und Brecheisen. Die Airbags sind ausgebaut oder deaktiviert, um trotz Kollisionen weiterflüchten zu können. Gegen die eigens installierten Vernebelungsanlagen an den Geldautomaten hätten die Gangster sich Gasmasken zugelegt.

Um den Überwachungskameras an Tankstellen zu entgehen, führten sie Kanister mit Reservebenzin mit. Um schneller nachfüllen zu können, hätten sie sich sogar eigene Trichter angefertigt. «Die haben sich sogar einen Geldautomaten gekauft, um daran zu üben», berichtet Ermittler Winkmann. Die Soko vermutet, dass sie auch ihren halsbrecherischen Fahrstil auf Rennstrecken trainieren.

Der Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes, Michael Breuer, hatte vor wenigen Tagen bei der Jahresbilanz von steigenden Sachschäden durch die Panzerknacker berichtet. Die Schäden bei einer Sprengattacke seien heute doppelt so hoch wie noch vor fünf Jahren. «Je mehr wir aufrüsten, desto stärker sind die Schäden», hatte Breuer gesagt.

© dpa-infocom, dpa:220504-99-154538/5

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