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Halbfinale - Die Squadra Azzurra muss gegen Spanien leiden wie nie zuvor während dieser EM – und triumphiert im Elfmeterschießen

Wie eine italienische Großfamilie

Von 
Hendrik Buchheister
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Beflügelnder Teamgeist: Gegen Spanien mussten die Italiener ihre bisher härteste Prüfung bei dieser EM bestehen. Jetzt gehen die Azzurri mit riesigem Selbstvertrauen ins Finale. © dpa

London. Bevor das Drama seinen schicksalhaften Höhepunkt erreichte, gab es eine Szene von erstaunlicher Leichtigkeit zu sehen im Mittelkreis des heiligen Rasens von Wembley. Normalerweise sind Mannschaftskapitäne angespannt, konzentriert, im Wettkampf-Modus, wenn sie vor einem Elfmeterschießen bei einem großen Turnier zum Münzwurf antreten, der darüber entscheidet, vor welcher Fan-Kurve der entscheidende Akt der Partie stattfindet, und welches Team das Privileg des ersten Schusses hat. Aber Italiens Spielführer Giorgio Chiellini ist nicht normal. Er ist verrückt, im positiven Sinne.

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Der 36-Jährige scherzte mit seinem spanischen Gegenüber Jordi Alba, lachte, schlug ihm gegen die Schulter, hob ihn hoch wie seinen eigenen Sohn. Das alles geschah unter den Augen und sehr zur Erheiterung des deutschen Schiedsrichters Felix Brych und seiner Assistenten.

Die Italiener hatten es schwer im EM-Halbfinale gegen Spanien im Wembley-Stadion in London. Sie konnten nicht wie sonst bei dem Turnier ihr ansehnliches Offensivspiel zur Aufführung bringen, sondern waren dem spanischen Ballbesitz-Fußball über weite Strecken unterlegen und hatten Glück, dass es nach 90 und 120 Minuten 1:1 stand durch Tore von Federico Chiesa für Italien und Álvaro Morata für Spanien. Rechtzeitig zum Elfmeterschießen aber, zur psychologisch zermürbendsten Disziplin im Fußball – da waren der Witz, die Freude und das Vertrauen in die eigene Stärke zurück, durch die sich Italien bei der EM auszeichnet.

Jorginhos kleiner Geniestreich

Neben Chiellinis Frohsinn beim Münzwurf wurde das am besten bei dem letzten, dem entscheidenden Elfmeter von Jorginho deutlich. Er lief an, machte einen Hüpfer – und schob den Ball sanft ins Tor zum 4:2-Endstand. Beim FC Chelsea schießt Jorginho seine Strafstöße immer so. Aber die Nationalmannschaft auf diese Weise ins EM-Finale am Sonntag zu bringen – das zeugt von besonderer Coolness.

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Trotz des leichtfüßigen Schlussakts der bis dahin wohl besten Partie der EM verwendete Italiens Trainer Roberto Mancini hinterher schwere Worte. „Es gibt Spiele, bei denen man leiden muss“, sagte er. Oder: „Wir wussten, dass es hart wird.“ Und beides stimmte ja: Die Italiener litten, sie hatten ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen, aber am Ende versahen sie die Revolution Mancinis – er kam nach der verpassten Qualifikation zur WM 2018 ins Amt – mit ihrem vorläufigen Höhepunkt durch den Einzug ins Endspiel. Für die italienische Delegation ist klar, dass es dabei nicht bleiben soll. Der zweite EM-Titel nach 1968 ist das Ziel: „Wir haben noch nichts erreicht“, sagte Mancini. „Noch einen Zentimeter“ müsse die Mannschaft gehen, appellierte Chiellinis Abwehr-Partner Leonardo Bonucci.

Die Italiener werden mit Tonnen an Selbstvertrauen in den Turnier-Showdown ziehen, mit dem Gefühl, dass sie den Titel verdient haben. Durch den Sieg gegen Spanien verlängerten sie ihre Serie ohne Niederlage auf 33 Spiele. 14 Partien nacheinander haben sie gewonnen. Sie sind bei der EM das wohl kompletteste, überzeugendste Team. In der Vorrunde und beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien haben sie geglänzt, im Achtelfinale gegen Österreich (2:1 nach Verlängerung) und im Halbfinale haben sie sich durchgebissen. Die Partie gegen Spanien zeigte außerdem, dass die Mannschaft mit Rückschlägen umgehen kann. Das Verletzungs-Aus des bisher überragenden Linksverteidigers Leonardo Spinazzola nach seinem Achillessehnenriss gegen Belgien kompensierte sie gut durch Emerson vom FC Chelsea.

Der Teamgeist der Italiener wirkt beflügelnd: „Wir leiden zusammen, spielen zusammen, lachen zusammen, streiten zusammen – genau so, wie es Familien machen“, sagte Jorginho. Nach seinem entscheidenden Elfmeter tat die Mannschaft das, was sie im Finale auch wieder tun will. Sie feierte – natürlich zusammen.

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