Fußball - Diskussionsrunde mit Fredi Bobic und Peter Peters in der Mannheimer Uni Warum Aalen statt Waldhof?

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Rüdiger Ofenloch
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Mannheim. "Besser als 15.", sagt Fredi Bobic, als er gefragt wird, welches Ziel er sich mit dem VfB Stuttgart für die nächste Saison setzen werde. Monatelang hat sich der Sportdirektor des schwäbischen Traditionsvereins im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga aufgerieben. Auch im Hörsaal 108 der Universität Mannheim ist seine Stirn den ganzen Abend über in Schweiß gebadet. Trotz Rettung am vergangenen Spieltag. Dass es bei der lockeren Diskussionsrunde um das Thema "Fußball und Wirtschaft" und die Schere zwischen Profi- und Amateurklubs gehen soll, macht es für Bobic auch nicht leichter.

"Leipzig wird den Durchmarsch schaffen", sagt Fredi Bobic.

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Dabei äußert er viele bemerkenswerte Gedanken, genau wie der Schalker Finanzvorstand Peter Peters. Auf die Frage, was man denn tun könne, damit die Kluft zwischen Profi- und Amateurklubs nicht immer breiter und tiefer werde, sagt Peters trocken: "Nichts." Jedenfalls aus Sicht des DFB, bei dem er auch im Vorstand sitzt. "Wir können nicht einfach ein paar Millionen zum Beispiel von den Einnahmen der Nationalmannschaft nehmen und an die Amateurvereine ausschütten. Das geht schon alleine aus steuerrechtlichen Gründen nicht."

Ein anderer Aspekt ist mindestens genauso interessant: Warum gelingt es "Nobodys" wie den Südwest-Klubs SV Sandhausen, VfR Aalen und 1. FC Heidenheim, im Profi-Fußball aufzusteigen, während Fußballmarken wie Alemannia Aachen, der SV Waldhof oder Wormatia Worms ums finanzielle Überleben in der unrentablen Regionalliga kämpfen? Bobic: "In Heidenheim machen sie das Optimale aus ihren Möglichkeiten. Sie haben langfristige Sponsoren, eine Jugendakademie und ein neues Stadion gebaut." Andererseits müsse man auch bedenken, dass solche Projekte möglicherweise zeitlich arg begrenzt sind.

Warum also in Heidenheim und nicht in Worms? Tim Brauer, Präsident des Regionalligisten VfR Wormatia, findet erfreulich deutliche Worte: Er unterstreicht die Theorie Bobics, indem er das Sponsoring eines Amateurvereins als "regionales Unterstützertum" charakterisiert. "Das", so Brauer, "ist in der Regel auf fünf Jahre ausgelegt." In Worms habe man nach harter Arbeit immerhin eine solide und breite Basis an Sponsoren - alles Unternehmen, die eng mit der Stadt verbunden sind.

Leipzig nicht aufzuhalten

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Ein anderes Problem sei aber noch gravierender: "Als Amateurverein bist du auf das Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen, die das alles in ihrer Freizeit machen. Da kannst du mit professionellen Managern nicht mithalten, da fehlt dir einfach das Know-how." Mit finanziell bestens ausgestatteten Klubs wie der Red-Bull-Filiale Leipzig könne man sich deshalb niemals messen.

Bei Peter Peters trifft er da auf offene Ohren. Über das laufende Verfahren um mögliche Satzungsauflagen beim Zweitliga-Aufsteiger will sich der DFB-Vorstand nicht äußern. Allerdings macht er seine Position klar: "Die Anerkennung von Bayer Leverkusen und des VfL Wolfsburg waren die beiden Sündenfälle in der Geschichte der Liga." Damit habe man den Investorenprojekten beziehungsweise "Werkklubs" Tür und Tor geöffnet. Was nicht bedeute, dass man nicht durch Auflagen eine gewisse Kontrolle behalten könne.

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Bobic hatte auch hierzu eine interessante und vor allem äußerst klare Meinung: "Leipzig wird den Durchmarsch schaffen und direkt in die Bundesliga aufsteigen. Die werden jetzt noch einmal richtig Geld in die Hand nehmen. Und in der zweiten Liga braucht es davon nicht einmal so viel, um sich einen deutlichen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen."