Handball - Am Dienstag entscheiden die Bundesligisten über einen Saisonabbruch – und haben eigentlich keine Alternative Vor dem Schlussstrich

Von 
Thorsten Hof
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Das Rückspiel zwischen den Löwen (hier mit Steffen Fäth am Ball) und den Füchsen wird es wohl nicht mehr geben. Dennoch dürften die Badener die Berliner überholen. © Pix

Mannheim. Wenn am Dienstag um 11 Uhr die Manager der 36 Handball-Erst- und Zweitligisten darüber entscheiden, ob die Saison wegen der Corona-Krise vorzeitig abgebrochen werden soll, dürften keine großen Diskussionen mehr aufkommen. Zu eindeutig war bei den Profi-Clubs zuletzt das Meinungsbild für eine vorzeitige Beendigung der Spielzeit, die nach den Partien am 8. März ausgesetzt wurde.

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Fast täglich äußerten sich vor allem aus dem Kreis der Erstligisten Funktionäre in diese Richtung und machten aus ihrem Abstimmungsverhalten im laufenden Online-Voting keinen Hehl. Um den Saisonabbruch durchzusetzen, wird eine Dreiviertel-Mehrheit benötigt. „Man kann sich das doch an fünf Fingern abzählen: Unter den derzeitigen Umständen ist eine Fortsetzung der Saison nicht möglich“, machte zuletzt Dierk Schmäschke vom amtierenden Meister SG Flensburg-Handewitt deutlich, wohin die Reise geht.

Selbst die Spitze des Liga-Verbands HBL geht mittlerweile von einem vorzeitigen Ende aus. „Irgendwie die Saison noch zu Ende spielen zu wollen – das macht doch keinen Sinn“, sagte etwa HBL-Präsident Uwe Schwenker und auch HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann gab sich in einem Interview mit dem „Sportbuzzer“ keinen Illusionen hin: „Unter den derzeit vorgegebenen Timelines ist eine Fortsetzung der Saison schwer vorstellbar.“

Rücken die Löwen auf Platz fünf?

Auch die Rhein-Neckar Löwen tanzen da nicht aus der Reihe, sondern bereiten sich auf ein vorzeitiges Ende der Spielzeit vor. Über ihr Abstimmungsverhalten wollte sich Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann vorab zwar nicht äußern, machte zuletzt aber ebenfalls deutlich, dass ihr die Fantasie für einen baldigen Spielbetrieb mit der Harzkugel fehlt. „Je länger die Zwangspause dauert, je unrealistischer wird aber sicher eine erneute Aufnahme des Spielbetriebes. Wir können auch nicht von einem auf den anderen Tag wieder starten“, sagte Kettemann dieser Redaktion. Auf der anderen Rheinseite wurde die Spielstätte der Eulen Ludwigshafen Ende März sogar für die Versorgung von bis zu 130 Corona-Patienten umgestaltet.

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Dementsprechend geht es schon lange nicht mehr darum, ob die Saison abgebrochen wird, sondern wie die aktuelle Spielzeit gewertet wird – und wann es mit der neuen Saison losgehen könnte. Was die Wertung betrifft, gibt es neben der Abmachung, dass es keine Absteiger, sondern nur Aufsteiger geben wird, mittlerweile ebenfalls eine klare Tendenz zur Quotientenregelung, die der Deutsche Handball-Bund (DHB) seinen Amateur- und Profi-Clubs einheitlich empfohlen hatte. Da einige Vereine schon mehr Spiele als andere absolviert haben, betrachtet der DHB diese Möglichkeit als fairstes Szenario, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Nach diesem Modell werden die bislang erreichten Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt und dann mit 100 multipliziert. Auswirkungen hätte das mit Blick auf die aktuelle Tabelle auf den Bergischen HC, den HC Erlangen, die HSG Wetzlar sowie den TBV Lemgo Lippe, die im Mittelfeld jeweils die Plätze tauschen würden – und die Füchse Berlin sowie die Rhein-Neckar Löwen. Diese würden als bislang Sechster mit der Quotientenregelung (130,8) die Füchse Berlin auf Platz fünf (129,6) überholen und damit auch im nächsten Jahr im EHF-Cup antreten können.

Ein kleiner Lichtblick für den Mannheimer Bundesligisten, den aber wie alle anderen Vereine die Sorgen um die Zukunft drückt. So sind Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagt, Profi-Handball mit tausenden Zuschauern also erst einmal außen vor. Doch Geisterspiele sind und bleiben das Horror-Szenario für die Handball-Bundesligisten. „Wir sind auf Zuschauer und Einnahmen angewiesen“, betont HBL-Präsident Schwenker. Ticketing-Einnahmen machen im Liga-Durchschnitt schließlich rund 30 Prozent der Gesamterlöse der Clubs aus. 60 bis 65 Prozent steuern Sponsoren bei. (mit dpa)

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