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Abseits

Von Dänen, der Liebe und dem Fußball

Von 
Alexander Müller
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Stefan und Claudia Effenberg fehlte nur ein Buchstabe zur romantischen Perfektion. Den Schriftzug „True Love Never Die“ ließ sich das Promi-Pärchen einst gemeinsam tätowieren, übersetzt: wahre Liebe stirbt niemals. Hach, wie schön. Englischen Grammatikexperten fiel allerdings sofort auf, dass dem Stecher – es war nicht Effenberg ! – ein grober Fehler unterlaufen war. Es müsste korrekterweise „Dies“ statt „Die“ heißen, da fehlte ein „s“. Eine ziemlich peinliche Panne, die Claudia ihrem Stefan aber Jahre später heimzahlte, als sie das Aus der Beziehung mit einem ikonischen Satz öffentlich verkündete: „Unsere Trennung ist momentan endgültig.“ Haha.

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Die Liebe und der Fußball, das ist ein Begriffspaar, das fast symbiotisch miteinander verwoben scheint. „Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden“, schrieb der Engländer Nick Hornby in seinem gut gealterten literarischen Fußball-Standardwerk „Fever Pitch“. Ohne die fast bedingungslose Liebe der Fans würde das Spiel niemals die Massen derart in ihren Bann ziehen können – das hat die schleichende Entfremdung in der tristen Ära der Geisterspiele bewiesen.

Bei dieser EM sind ja zum Glück wieder Zuschauer erlaubt (auch wenn es die UEFA teilweise leider übertreibt), und deshalb dürfen wir alle Augenzeugen der Geschichte der Dänen werden, die vor Emotionen geradezu explodiert. Ihr bester Spieler Christian Eriksen war nach einem Herzinfarkt im ersten Spiel gegen Finnland wiederbelebt worden, es waren schockierende Szenen. Nachdem es Eriksen wieder besser ging, kämpften sich seine Kumpel leidenschaftlich zurück in dieses Turnier, das so furchtbar begonnen hatte.

Am Samstag ist Dänemark ins Halbfinale eingezogen, getragen von einer einzigartigen Woge der Zuneigung der eigenen Anhänger. Aber auch viele Fußball-Fans in anderen Ländern fiebern nun mit den Sympathieträgern aus dem Norden mit. „Wir bekommen so viel Liebe“, sagte Nationaltrainer Kasper Hjulmand. Vor dem inneren Auge sahen wir bei dieser Aussage den deutschen Nationalspieler Leon Goretzka, wie er den Hetzern unter den ungarischen Fans nach seinem Tor zum 2:2 symbolisch ein Herz zeigt. Liebe schlägt Hass, Liebe kann Berge versetzen. Diese wundervolle Botschaft kann selbst die UEFA nicht zerstören.

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Ob der Europameister der Herzen am Ende auch den Titel mit nach Hause nehmen wird, entscheidet sich im Londoner Wembley-Stadion. Die englischen Fans, die ihr Team mit in Dezibeln messbarer Liebe zum ersten Turnier-Sieg gegen Angstgegner Deutschland seit 55 Jahren trieben, werden im Halbfinale „Football’s Coming Home“ singen – eine Reminiszenz an das Ursprungsland des Fußballs.

Für die Dänen kommt als musikalischer Gegenentwurf eigentlich nur ein Song infrage: „All You Need Is Love“ von den Beatles. Wäre übrigens auch ein passabler Schriftzug für ein Pärchen-Tattoo. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB

Thema : Fussball-EM 2021

  • Sport Auf Rüge folgt Bitte um Verzeihung

    Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger bleibt nach einer Entschuldigung TV-Experte der ARD. Das bestätigte der öffentlich-rechtliche Sender am Freitag. „In den vergangenen Tagen haben umfangreiche Gespräche zwischen der ARD und Bastian Schweinsteiger stattgefunden“, hieß es dazu in einer Mitteilung. Dabei habe Schweinsteiger „erklärt, es tue ihm leid, dass durch seine Social-Media-Aktivitäten während der Halbzeit-Pause der Übertragung vom Viertelfinal-Spiel England – Ukraine im Ersten der Eindruck entstanden ist, er vermische seine Tätigkeit als ARD-Experte mit Werbung für Sponsoren. Dies sei so von ihm nicht beabsichtigt gewesen.“ Zuvor hatte das Erste den Auftritt Schweinsteigers bei der TV-Übertragung von der Europameisterschaft und das Absetzen eines Tweets mit Werbebotschaft zwei Wochen lang geprüft. Mehrfach hatte der bei der EM federführende WDR erklärt, dass er Schweinsteiger und sein Management „um eine Stellungnahme zu dem Vorfall“ gebeten habe. Post mit Schleichwerbung {element} Zudem hatte der Sender nach eigenen Angaben dem ehemaligen Profi „sehr deutlich gemacht, dass die ARD gemäß ihrer Richtlinien keine Form von Schleichwerbung und nicht kenntlich gemachter Produktplatzierung ihrer Protagonisten duldet“. Er hatte „in der Halbzeitpause ohne unsere Kenntnis bei Social Media einen Post im Rahmen einer bezahlten Werbepartnerschaft“ veröffentlicht, wie der WDR schrieb. {furtherread} Auf Schweinsteigers Account war ein Beitrag mit zwei Bildern zu sehen, eines davon ein Ausschnitt, auf dem die Uhr an seinem Handgelenk im Mittelpunkt stand. Diese war bei der TV-Übertragung auch deutlich zu sehen war. Zudem gab es einen Link zum Hersteller, für die er seit 2019 als Markenbotschafter tätig ist. Beide Seiten sind sich „einig, dass Bastian Schweinsteiger alles dafür tun wird, damit sich ein solcher Vorfall nicht mehr wiederholt“, hieß es seitens der ARD. „Über den genauen Inhalt der Gespräche wurde Vertraulichkeit vereinbart.“ Der Fußball-Weltmeister von 2014 arbeitet seit 2020 für das Erste. dpa

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  • Sport Emotionale Botschaft

    Nach der Niederlage der englischen Nationalmannschaft im EM-Finale gegen Italien wird in Großbritannien heftig über Rassismus debattiert. Im Zentrum stehen mehrere prominente Fußball-Profis, die der Regierung teils schwere Vorwürfe machen. Hintergrund sind rassistische Anfeindungen im Internet gegen die Nationalspieler Marcus Rashford, Bukayo Saka und Jadon Sancho, die bei der 2:3-Niederlage im Elfmeterschießen am Sonntagabend nicht getroffen hatten. In Manchester wurde auch ein Wandgemälde mit dem Porträt Rashfords mit rassistischen Parolen beschmiert. Verteidiger Tyrone Mings machte die britische Innenministerin Priti Patel indirekt für die aufgeheizte Stimmung gegen die Spieler verantwortlich. „Man kann nicht zu Beginn des Turniers das Feuer schüren, in dem man unsere Anti-Rassismus-Botschaft als „Symbolpolitik“ bezeichnet & dann vorgeben, angeekelt zu sein, wenn genau das passiert, gegen das wir uns einsetzen“, schrieb der 28 Jahre alte Mings auf Twitter. {element} Patel hatte wie auch Premierminister Boris Johnson den Rassismus deutlich verurteilt und sich „angeekelt“ gezeigt. Doch das nahmen ihr Mings und andere Kritiker nicht ab. Hintergrund ist, dass die konservative Politikerin in der Vergangenheit immer wieder Verständnis für Fans erkennen ließ, die ihre Mannschaft für das Niederknien vor Spielen ausbuhten. {furtherread} Mit der Geste wollten die Fußballer ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Sie stammt aus der „Black Lives Matter“-Bewegung. Die haben Johnson und sein Kabinett aber als ideologischen Feind ausgemacht. Das Stichwort heißt „war on woke“ – es geht darum, die Empörung in Teilen der Bevölkerung über die angeblich übertriebene Rücksichtnahme auf ethnische und andere Minderheiten politisch auszuschlachten. Patel im Fokus Nach Ansicht von Politik-Experten will die Regierung damit ihre wackelige Wählerkoalition aus Brexit-Befürwortern vom rechten und linken politischen Spektrum zusammenhalten, wenn der EU-Austritt an Zugkraft verliert. Auch der Premier hatte es sorgsam vermieden, die Geste gutzuheißen. Er glaube nicht an Symbolpolitik, sagte er dem konservativen Radiosender LBC Anfang des Monats. Patel äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Überhaupt war die Zurückhaltung in der Downing Street am Dienstag auffällig. Von politischer Seite stellte sich lediglich Finanzstaatssekretär Steve Barclay hinter die Innenministerin. „Sie hat rassistische Beleidigungen im Internet durchgehend verurteilt“, sagte Barclay dem Nachrichtensender Sky News. Außerdem sei sie selbst bereits Opfer rassistischer Anfeindungen geworden. Patel hat indisch-ugandische Wurzeln, gründete ihre politische Karriere aber auf dem Ruf, eine harte Linie gegen illegale Einwanderung zu verfolgen. Womöglich ahnt die Regierung, dass sie in der Auseinandersetzung mit den populären Fußballstars den Kürzeren ziehen könnte. Rashford hatte die Johnson-Regierung bereits im vergangenen Jahr mit seiner Kampagne für kostenlose Schulmahlzeiten für finanziell schwache Familien während des Schul-Lockdowns und der Ferien vor sich hergetrieben. In einer emotionalen Botschaft meldete er sich zu der Beschmutzung seines Porträts zu Wort. „Ich kann mir Kritik an meiner Leistung den ganzen Tag lang anhören, mein Elfmeter war nicht gut genug, er hätte reingehen sollen, aber ich werde mich niemals dafür entschuldigen, wer ich bin und wo ich herkomme“, schrieb der 23-Jährige. Er bedankte sich aber auch für große Unterstützung. Die Schmierereien waren am Dienstag rasch mit Hunderten positiven Botschaften überklebt worden. „Die Botschaften, die ich heute erhalten habe, waren geradezu überwältigend, die Antwort in Withington hat mich den Tränen nahe gebracht“, schrieb Rashford weiter. Wegen seines Fehlschusses fühle er sich, als habe er seine Teamkollegen im Stich gelassen und frage sich seitdem immer wieder, warum er nicht getroffen habe. Sein Statement schloss er mit den Worten: „Ich bin Marcus Rashford, 23 Jahre alt, schwarzer Mann aus Withington und Wythenshawe, South Manchester. Wenn ich nichts anderes habe, habe ich dies. Für alle freundlichen Nachrichten, danke. Ich werde stärker zurückkommen. Wir werden stärker zurückkommen. MR10.“ Gefahr für Johnson Für Johnson sind die jungen Fußballer womöglich gefährlicher als die Opposition im Parlament. Der Premier inszenierte sich während des Turniers als Fußball-Fan, ließ sich bei Luftsprüngen vor dem Fernseher filmen und posierte auf einer gigantischen England-Fahne in der Downing Street. Die Begeisterung nahm ihm zwar nicht einmal die erzkonservative Zeitschrift „The Spectator“ so richtig ab, doch zeitweise sah es so aus, als könne er von dem Fußball-Märchen der englischen Mannschaft profitieren. Doch damit ist es nun vorbei. Wann der Premier die Mannschaft zu einer Ehrung für ihre Leistung bei der EM im Regierungssitz empfangen werde, konnte ein Sprecher am Dienstag nicht beantworten. dpa

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  • Sport Die beste Elf der EM

    Fünf Spieler des neuen Titelträgers Italien und drei Profis von Finalverlierer England sind Teil des „Teams des Turniers“ bei der seit Sonntag beendeten Fußball-Europameisterschaft. Torhüter und Finalheld Gianluigi Donnarumma als Spieler des Turniers wurde von der Europäischen Fußball-Union am Dienstag genauso in die Elf berufen wie die beiden Verteidiger Leonardo Bonucci und Leonardo Spinazzola sowie Mittelfeldmann Jorginho und Angreifer Federico Chiesa. Für England sind die beiden Abwehrspieler Kyle Walker und Harry Maguire in der von der UEFA als „Team des Turniers“ bezeichneten Mannschaft vertreten, zudem Stürmer Raheem Sterling. Keine DFB-Spieler dabei {element} Von den beiden im Halbfinale ausgeschiedenen Teams Spanien und Dänemark schaffte es jeweils ein Profi in die Elf des Turniers: der 18 Jahre junge Pedri aus dem Team der Iberer, Ex-Bayern-Profi Pierre Emile Höjbjerg für die Dänen. Belgiens Angreifer Romelu Lukaku schaffte es als einziger Spieler, der nicht im Halbfinale stand, in die Auswahl. Spieler des DFB-Teams sind nicht vertreten, auch Torschützenkönig Cristiano Ronaldo aus Portugal ist nicht dabei. {furtherread} Die Elf des Turniers in der Übersicht: Donnarumma (Italien) - Walker (England), Bonucci (Italien), Maguire (England), Spinazzola (Italien) - Höjbjerg (Dänemark), Jorginho (Italien), Pedri (Spanien) - Chiesa (Italien), Lukaku (Belgien), Sterling (England). dpa

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