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Olympia - Gastgeber Japan muss mit dem Zuschauer-Ausschluss einen historischen Tiefschlag verkraften

Stimmung auf dem Nullpunkt

Von 
Lars Nicolaysen
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Von der sonst üblichen Vorfreude auf die Olympischen Spiele ist in Tokio wenig bis nichts zu spüren. © dpa

Tokio. Düstere Regenwolken hängen über Tokio, passend zur getrübten Stimmung in Japans Olympia-Stadt. Als die olympische Fackel an diesem Morgen die corona-geplagte Hauptstadt erreicht, ist von der bei Olympia sonst üblichen Vorfreude und Festtagsstimmung nichts zu spüren. Am Vortag hatten Japans Verantwortliche entschieden, wegen der Pandemie die Spiele in der Hauptstadt ohne Zuschauer abzuhalten. Ein historischer Tiefschlag, der für breite Enttäuschung sorgt.

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Und doch lässt sich Japan nicht unterkriegen: Auch wenn die Flamme auf ihrem Weg durchs Land oftmals von Straßen verbannt werden musste, so habe sie die „schwierige Lage“ doch bis zur letzten Etappe in Tokio geschafft, sagt Gouverneurin Yuriko Koike im fast leeren Komazawa Olympia-Park und beschreibt dies als den „Weg der Hoffnung“.

Wie hatte sich Japan auf diese Party gefreut! Bis zu 40 Millionen Touristen aus aller Welt erhofften sich die Regierung und die krisengeplagte Wirtschaft des Landes im Olympia-Jahr. Neben zusätzlichen Einnahmen für die Tourismusbranche versprach sich die von vielen bereits abgeschriebene Japan AG einen beträchtlichen Prestigegewinn.

Milliarden für Sponsorenrechte

Japans größter Werbekonzern Dentsu appellierte an die „patriotische Pflicht“, wie die japanische Finanzzeitung „Nikkei“ schrieb, und trommelte rund 60 japanische Unternehmen zusammen, die für die Spiele eine gigantische Rekordsumme von mehr als drei Milliarden Dollar für Sponsorenrechte hinblätterten.

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Doch dann machte Japan seine Grenzen dicht, ausländische Olympia-Fans wurden ausgeschlossen. Nun sind nicht einmal einheimische Zuschauer dabei. „Das haben wir nicht erwartet“, lamentierte der Chef eines Reiseanbieters in Tokio gegenüber Reportern und sprach das aus, was viele Firmen empfinden.

Frustriert über die ständige Verlängerung des Corona-Notstands und das Zögern der Organisatoren, eine Entscheidung zur wichtigen Zuschauerfrage zu fällen, hielten sich die Sponsoren mit Werbung für die Spiele bislang zurück. Kaum etwas deutet in Tokio auf das große Spektakel hin, das mit dem Fanausschluss nun vollends zu einem sterilen Fernsehschauspiel wird.

Trotz der Verbannung der Zuschauer findet Athletensprecher Max Hartung das Festhalten an Olympia aus Sportler-Sicht richtig. „Ich habe fünf Jahre trainiert, ich bin froh, wenn ich antreten kann“, sagte der Säbelfechter in den ARD-„Tagesthemen“. Diese Rückmeldung habe er auch aus dem deutschen Team erhalten: „Die freuen sich, antreten zu können, die wollen Sport machen.“

Mihambo: „Sportsgeist bleibt“

Zwei deutsche Medaillenkandidaten freuen sich schon auf Tokio. „Diese Unterstützung wird uns Athleten fehlen, aber wir werden das Beste daraus machen und uns gegenseitig anfeuern. Der Sportsgeist bleibt ungebrochen“, sagte die Oftersheimer Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo. Speerwerfer Johannes Vetter – Top-Favorit auf Gold – betonte allerdings bei Sport1: „Olympia ohne wenigstens ein paar Zuschauer ist verdammt schade. Beim Allvater Fußball zeigt sich wieder, dass andere Gesetze gelten.“

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Enttäuschung kommt bei den Zehntausenden freiwilligen Helfern auf, die einen enormen Aufwand betreiben mussten, um sich zu bewerben und sich dann monatelang auf ihre Rolle vorbereitet haben. Der Staat hatte gehofft, dass die Spiele zu einem stärkeren Zusammenhalt in Japans traditionell gruppenorientierter, aber rasant alternder Gesellschaft beiträgt, in der immer mehr Menschen allein leben. Zudem freuten sich die Freiwilligen, Leute zu treffen, die man in Japans festgefahrenen Strukturen sonst nicht kennenlernt.

Was bleibt da also noch für Japan? Die Hoffnung, dass die Spiele trotz aller Befürchtungen und Warnungen doch nicht zu einem Superspreader-Event werden. dpa

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