Radsport - Organisatoren diskutierten Frankreich-Rundfahrt ohne Zuschauer / Profis kritisieren Vorschlag Stimmen für Tour-Absage werden lauter

Von 
Christoph Sicars
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Der Waliser Geraint Thomas, Tour-Sieger von 2018, kann sich eine Tour de France ohne Zuschauer am Streckenrand nicht vorstellen. © Imago

Berlin. Auch Geraint Thomas kommt das gespenstisch vor. Eine Tour ohne Zuschauer am Streckenrand? Ein Geister-Rennen beim bedeutendsten Radsportevent der Welt? Nein, das kann der Waliser sich nicht vorstellen. „Ohne die Fans wäre es nicht die Tour“, sagte der Gesamtsieger der Frankreich-Rundfahrt 2018 der britischen Zeitung „The Daily Telegraph“ und ergänzte: „Ich möchte einfach wieder fahren, von daher würde ich es lieben, dabei zu sein. Aber nur, wenn es sicher ist.“

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Während das Internationale Olympische Komitee und die Europäische Fußball-Union doch noch zur Einsicht kamen, die Spiele in Tokio und die EM aufgrund der Corona-Pandemie nicht diesen Sommer stattfinden zu lassen und ins Jahr 2021 zu verschieben, bleiben die Tour-Veranstalter hart. Bisher halten sie an der Austragung vom 27. Juni bis 19. Juli fest. Laut Berichten überlegen Tour-Veranstalter ASO um Rennchef Christian Prudhomme und Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu, die 107. Frankreich-Rundfahrt mit erheblichen Einschränkungen für die Öffentlichkeit durchzuziehen anstatt sie zu verschieben.

„Die Tour durchzuführen hat höchste Bedeutung“, sagte Maracineanu und verwies auf die wirtschaftliche und kulturelle Wichtigkeit des Rennens. So könnte die Tour, die jährlich von zehn bis zwölf Millionen Fans am Straßenrand verfolgt und von rund 29 000 Sicherheitskräften begleitet wird, ohne Werbekarawane oder ohne Tour-Dorf stattfinden. Zudem könnten Zuschauer im Start- und Zielbereich ausgeschlossen werden.

Kittel mahnt zur Vernunft

Die Zahl der Kritiker einer möglichen Geister-Tour wird jedoch größer. „Ich sehe die Chancen sehr gering, dass die Tour stattfindet. Die grundlegenden Voraussetzungen sind nicht da zurzeit“, sagte der Berliner Profi Roger Kluge.

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Auch Marcel Kittel reiht sich in die Reihen der Kritiker ein. „Das wäre völlig unvernünftig. Das hieße ja, wir denken über eine Tour nach, die in einer Zeit durch Frankreich rollen würde, in der sich das Coronavirus noch weiter ausbreiten würde“, sagte der 14-fache Etappensieger der Funke-Mediengruppe. dpa