WM 2006 - FIFA und Schweizer Justiz geraten wegen Verjährung des Verfahrens unter Druck / Berichte über Treffen von Gianni Infantino mit Bundesanwalt Stillem Prozessende droht lautes Nachspiel

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dpa
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FIFA-Präsident Gianni Infantino arbeitete von August 2000 an bei der UEFA. In diese Zeit fällt auch die Unterzeichnung eines umstrittenen TV-Vertrags. © ImagO

Berlin. Das stille Ende des Sommermärchen-Prozesses wurde zur Randnotiz. Nach Berichten über enge Verstrickung von FIFA-Präsident Gianni Infantino in die Schweizer Justiz steht der Weltverband an seinem Amtssitz unter Druck. „Wir, die Bananenrepublik“, schrieben am Dienstag mehrere Schweizer Zeitungen. Die FIFA reagierte erbost – und mit viel Pathos.

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„Nicht für die FIFA, für die Schweiz“, sei die Affäre schwer belastend, sollte sich herausstellen dass man ungestraft „zig Millionen stehlen“ könne. „Konzentrieren wir uns auf die Bestrafung der Kriminellen, ohne uns auf lokale politische Streitigkeiten zwischen einigen Abgeordneten, Medien und/oder Staatsanwälten einzulassen“, appellierte der Weltverband.

Unter anderem „Der Spiegel“ hatte berichtet, Infantino habe versucht, unerlaubt Einfluss auf Ermittlungen zu nehmen. Konkret ging es bei den Untersuchungen um einen TV-Vertrag der UEFA mit südamerikanischen Rechtehändlern, den Infantino noch in seiner Zeit bei der UEFA unterzeichnet hatte. Laut FIFA war der Vertrag einwandfrei.

Wenige Ermittlungsergebnisse

In einer Mail an einen Freund aus hohen Justizkreisen soll Infantino von einem Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber im Jahr 2016 geschrieben haben: „Ich werde versuchen, es der Bundesanwaltschaft zu erklären, da es ja auch in meinem Interesse ist, dass alles so schnell wie möglich geklärt wird, dass klar gesagt wird, dass ich damit nichts zu tun habe.“ Der „Tagesanzeiger“ schreibt, es sei erwiesen, dass sich Infantino „reinwaschen wollte“.

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Die Treffen sind inzwischen verbürgt. Lauber habe seine Pflichten „verschiedentlich und teilweise erheblich verletzt“. Schweizer Medien zufolge wird in der Politik die Möglichkeit eines Amtsenthebungsverfahrens geprüft.

Das spät gestartete Verfahren war wegen der Corona-Pandemie mehrfach unterbrochen worden – bis am Montag die Verjährung eintrat. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft hatten allerdings ohnehin wenig Erhellendes zutage gefördert. Angeklagt waren die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und der Schweizer Urs Linsi, einst FIFA-Generalsekretär.

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Ob die ominösen Zahlungen in Höhe von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2002 und 2005, an denen WM-Organisationschef Franz Beckenbauer maßgeblich beteiligt war, auch vom Landgericht Frankfurt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung aufgegriffen werden, ist noch offen. dpa