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Olympia - Wie Russland in Tokio um Medaillen ringt

Spiele ohne Flagge und Hymne

Von 
dpa
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Die russischen Olympioniken starten mit neutralem Status. © dpa

Moskau/Tokio. 335 Athletinnen und Athleten gehen für die wegen Doping-Strafen in Verruf geratene Sport-Großmacht Russland bei den Olympischen Spielen in Tokio an den Start. Das sind rund 60 mehr als 2016 in Rio. Und Stanislaw Posdnjakow, Olympiasieger im Säbel-Fechten und heute Präsident des russischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), ist heilfroh, dass die Sportlerinnen und Sportler mit neutralem Status antreten dürfen. Sowohl die russische Flagge als auch die Hymne hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bei den Spielen, die am 23. Juli beginnen und bis 8. August dauern, verboten.

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„Ich möchte sagen, dass sich die Anti-Doping-Situation in Russland in eine gute Richtung entwickelt“, sagt Posdnjakow. In jedem Sportverband sei in diesem Jahr ein Experte für den Kampf gegen Doping eingestellt worden. Dabei mussten die Russen erst Anfang des Monats die beiden Ruderer Nikita Morgatschjow und Pawel Sorin wegen eines positiven Ergebnisses bei einem Doping-Test aus der Aufstellung für die Olympischen Spiele in Tokio nehmen. Bei beiden war die verbotene Hormonsubstanz Meldonium nachgewiesen worden, die eine höhere Belastbarkeit und schnellere Regeneration bewirkt.

„Eklatanter Vorfall“

Posdnjakow sprach von einem „eklatanten Vorfall“. „Das ist mir völlig unverständlich“, meint der 47-Jährige, weil Sportler trotz Schulungen offenbar weiter bewusst zu dem Präparat griffen. „Die Verwendung von Meldonium ist der dümmste Verstoß überhaupt“, schimpft er mit Blick auf die rund 40 wegen der Strafen nach illegalem Meldonium-Gebrauch gesperrten russischen Sportler. Unter den 185 Russinnen und 150 Russen, die in Tokio um Medaillen kämpfen, sind nur 10 in den Leichtathletik-Disziplinen vertreten. Antreten werden die Hochspringer Ilja Iwanjuk, Michail Akimenko und Maria Lassizkene sowie die Stabhochspringerin Anschelika Sidorowa. Im Olympia-Kader sind auch Darja Klischina (Weitsprung) und der gerade vom Dopingverdacht freigesprochene Sergej Schubenkow (110 Meter Hürden), der Zehnkämpfer Ilja Schkurenjow, Wassili Misinow und Elwira Chassanowa (beide Gehen) sowie der Hammerwerfer Waleri Pronkin.

Individuelle Starterlaubnis

Der russische Leichtathletik-Verband bleibt zwar suspendiert, wie es der Weltverband 2015 vor dem Hintergrund staatlich geförderten Dopings beschlossen hatte. Seit Mitte März dürfen aber einzelne Sportlerinnen und Sportler wieder eine individuelle Starterlaubnis beantragen. Damit sollen saubere Athletinnen und Athleten wieder die Chance auf Wettkämpfe haben. Mehrere Anträge waren abgelehnt worden. NOK-Chef Posdnjakow erwartet trotz allem eine schillernde Eröffnungsfeier in Tokio, bei der erstmals eine Frau und ein Mann als Fahnenträger auftreten: die Fechterin Sofia Welikaja und der Volleyballer Maxim Michailow. Offizielle Vorgaben gebe es nicht, sagt der NOK-Chef. Dennoch will er Russland im inoffiziellen Medaillenspiegel auf dem dritten Platz sehen - nach Rang vier 2016. Als Leiter der russischen Delegation erwartet er 50 Medaillen. 

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