Bundesliga

Pavard und Sorgenkinder jubeln - Gnabry kontert Kritik

Der FC Bayern jubelt über eine perfekte Woche. Nach dem großen Sieg gegen Messi und Mbappé ziehen die Münchner in der Liga davon. Pavard feiert den ersten Doppelpack, die Bankdrücker werben für sich.

Von 
Christian Kunz und Christian Johner
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Bayerns Benjamin Pavard könnte seinem Verein länger als geplant erhalten bleiben. © Sven Hoppe

München. Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic klatschten sich bei der Tor-Gala von Benjamin Pavard freudestrahlend auf der Ehrentribüne ab. Zum Abschluss einer perfekten Bayern-Woche mit der Champions-League-Gala gegen Lionel Messi und Kylian Mbappé als zelebriertem Höhepunkt glückte den frustrierten Bankdrückern aus dem PSG-Spiel beim 5:3 gegen den FC Augsburg Imagepflege par excellence.

«Die Jungs, die heute von Anfang und in den letzten Wochen nicht immer von Anfang an gespielt haben, haben durch die Bank ein herausragendes Spiel gemacht», sagte Mittelfeldleader Joshua Kimmich, der sich vor seinem «Tatort»-Auftritt in der ARD noch über einen Dortmunder Patzer im Meisterschaftsrennen freuen durfte.

«Eine sehr gute Woche», goutierte Sportvorstand Salihamidzic genussvoll lächelnd die möglicherweise richtungsweisenden Rekordmeistertage. Der gegen Paris gesperrt auf der Tribüne hockende Pavard feierte in einem unterhaltsamen und zeitweise wilden Spiel gegen den FCA den ersten Doppelpack seiner Profikarriere. Leroy Sané und João Cancelo glänzten ebenfalls als Torschützen, Sadio Mané überzeugte bei der Startelf-Rückkehr nach vier Monaten als Vorbereiter.

Gnabry mit klaren Worten

Serge Gnabry glückte das nicht, aber entschlossen kämpfte er am TV-Mikrofon um seine Reputation. «Keiner von uns kommt hier her und sagt, mir ist das alles scheißegal», sagte Gnabry in der ARD. «Das Tor gegen Paris hat gutgetan, wie auch heute wieder von Anfang an zu spielen, das Vertrauen zu spüren. Ich habe mich voll reingehauen.» Manchmal sei die Kritik «ein bisschen zu krass», befand der 27-Jährige bei Sky.

Nach dem Kurztrip zur Modemesse nach Paris vor wenigen Wochen hatte es viel Kritik für Gnabry gehagelt - auch weil die leistungsmäßige Reaktion auf dem Platz ausgeblieben war. Bei Sané, der nicht nur einmal zu spät zum Treffpunkt kam, lief es ebenfalls nicht rund. Auch ManCity-Leihgabe Cancelo war der Frust über die Rolle als Ersatzspieler anzumerken. «Er hat es sehr gut gemacht. Auch Leroy und Serge sind wieder gut drin, kriegen wieder Rhythmus», sagte Nagelsmann über seine Riege der Hochbegabten. Das gilt auch für den lange verletzten Mané, der nach der wegen seiner Verletzung verpassten WM bei Bayern wieder auf Touren kommt.

Vor zwei freien Tagen gaben die Stars des mit zwei Punkten vor dem BVB führenden Tabellenführers beim öffentlichen Training am Sonntag im nasskalten München reichlich Autogramme. Der Kurswert der Unterschrift von Pavard war dabei besonders steil nach oben geschnellt. «Ich freue mich wirklich, dass Benji das so gut macht. In den letzten vier bis sechs Wochen ist er einer der herausragenden Spieler hier bei uns», sagte Salihamidzic über den Weltmeister von 2018. Wie bei der Frage, ob man die dem Vernehmen nach 70 Millionen Euro teure Kaufoption für Cancelo ziehen wird, will sich der 46-Jährige auch bei der nach der Vertragsverlängerung mit Pavard Zeit lassen.

Pavards Wandel

Pavard, der im 150. Bayern-Pflichtspiel keinen einzigen Zweikampf verlor, klopfte sich beim Gourmet-Auftritt demonstrativ auf das Vereinsemblem seines Trikots. Nachdem er wiederholt mit einem Wechsel kokettiert und die Bosse auch nicht dauerhaft überzeugt hatte, ist die Verlängerung seines bis zum 30. Juni 2024 laufenden Vertrags wieder wahrscheinlicher geworden. «Zwei Tore sind für mich top», sagte Pavard, der in München einen Wandel durchlebt hat. Auch die veränderte Position in der Dreierkette half ihm dabei.

Im Herbst war er für einen «Fehler» abseits des Platzes mit einer Geldstrafe belegt worden. Verein und Spieler hätten richtig reagiert, hatte Nagelsmann seinerzeit auf eine Frage zu Berichten über eine Autofahrt Pavards unter Alkoholeinfluss gesagt. Der 26-Jährige, der sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert hat, durchlebte im Anschluss auch eine Frust-WM. Nationaltrainer Didier Deschamps kritisierte ihn öffentlich ungewohnt harsch, seine schwache Leistung beim 4:1 gegen Australien zum Auftakt habe ihm «mental wie körperlich nicht gutgetan». Danach saß Pavard dauerhaft draußen.

Wenige Tage vor der Viertelfinal-Auslosung der Champions League am Freitag sind Pavard und die Münchner wieder im Flow. «Wir waren nicht der einzige Club, der nach der WM Probleme hatte. Mit so vielen Nationalspielern ist es nicht ganz so leicht, wieder in den Rhythmus zu kommen», sagte Nagelsmann, der sich über das Comeback eines anderen WM-Akteurs freuen durfte. Nach seiner Herzbeutelentzündung wurde Noussair Mazraoui in der Schlussphase für den Torschützen Alphonso Davies eingewechselt.

© dpa-infocom, dpa:230312-99-920327/4

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