Adler Mannheim - Die Mannschaft von Trainer Pavel Gross setzt gegen München auf die Erfahrung der Stanley-Cup-Sieger Andrew Desjardins und Ben Smith Mit Gewinner-Mentalität zum großen Ziel

Von 
Christian Rotter
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Andrew Desjardins (Mitte) holt sich nach einem Torerfolg die Glückwünsche seiner Teamkollegen ab (v.l.): Nico Krämmer, Marcel Goc, Brent Raedeke und Thomas Larkin. © dpa

Mannheim. 32 Jahre? Das ist doch kein Alter! Selbst ein Eishockey-Spieler, der sich in Schüsse wirft und nicht selten Raubbau am eigenen Körper betreibt, kann bis jenseits der 40 auf Profi-Ebene dem Puck nachjagen. Die Regel mag das vielleicht nicht sein. Der tschechische Superstar Jaromir Jagr ist derzeit aber beispielsweise drauf und dran, seinen Heimatclub HC Kladno ins Oberhaus zu schießen – mit 47!

Kastner fällt bei München aus

  • München muss im Play-off-Finale gegen die Adler Mannheim nicht nur auf Verteidiger Konrad Abeltshauser und Jason Jaffray verzichten, für die die Saison verletzungsbedingt bereits beendet ist.
  • Auch Maximilian Kastner steht der Mannschaft von Trainer Don Jackson nicht zur Verfügung. Der Angreifer verletzte sich in der Serie gegen Augsburg an der Hand und musste operiert werden.
  • Hinter dem Einsatz von Kastners Ersatz steht ebenfalls ein Fragezeichen. Maximilian Daubner zog sich im entscheidenden siebten Halbfinale eine nicht näher konkretisierte Unterkörperverletzung zu.
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Im Vergleich dazu ist Andrew Desjardins mit seinen 32 Jahren ein Jungspund. Der Stürmer der Mannheimer Adler, die heute (19.30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den Titelverteidiger aus München ins Play-off-Finale der Deutschen Eishockey Liga starten, muss sich wegen seines Alters trotzdem den einen oder anderen Spruch anhören. „Er ist der Opa in unserer Reihe“, sagt Außenstürmer Matthias Plachta über seinen Center und lacht.

Wie ein Rennpferd

Keine Frage: Die Stimmung bei den Adlern, die nach 1980, 1997, 1998, 1999, 2001, 2007 und 2015 die achte Deutsche Meisterschaft nach Mannheim holen wollen, könnte besser kaum sein – jetzt, da seit Dienstagabend endlich der Finalgegner bekannt ist. Wie ein Rennpferd, das ungeduldig in der Startbox steht und nur darauf wartet, endlich sein Können auf die Bahn zu bringen, fiebern die Adler nach der neuntägigen Pause ebenfalls dem ersten Duell der Endspielserie entgegen, in der vier Siege zum Titelgewinn nötig sind.

Mit Plachta, Desjardins und David Wolf haben sich bei den Mannheimern drei gesucht und gefunden. Das Trio harmoniert nicht nur auf dem Eis, sondern versteht sich auch dann prächtig, wenn die Eishockey-Ausrüstung im Spint verschwunden ist. „Wenn es mal nicht so gut läuft, kann es auch passieren, dass wir uns anschreien“, erklärt Plachta. „Sauer ist danach niemand, weil wir wissen, wie der andere zu nehmen ist.“

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Mit diesen Aussagen konfrontiert kann sich Desjardins ein Grinsen nicht verkneifen. Was soll er auch sagen, schließlich ist der Kanadier seit seinem Wechsel nach Mannheim Ende 2017 ein fester Bestandteil des körperlich stärksten Adler-Angriffs. „Wir kommen gut miteinander aus und haben auf dem Eis eine perfekte Chemie entwickelt“, betont Desjardins. „Wir akzeptieren die Macken des anderen. Wenn es nicht so läuft, scheuen wir auch nicht davor zurück, uns die Köpfe zu waschen.“

Desjardins hat sich mit seiner Familie gut in der Kurpfalz eingelebt. Insofern war es auch keine Frage, dass er seinen Vertrag über diese Saison hinaus verlängert hat. Die Adler wissen, was sie am bulligen Mittelstürmer haben: einen harten Arbeiter, der wichtige Bullys gewinnt und einen guten Torriecher hat. Mit sieben Play-off-Treffern teilt er sich gemeinsam mit seinem Sturmkollegen Markus Eisenschmid in dieser Statistik den ersten Platz in der DEL.

Karriere in Chicago gekrönt

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Mannheim profitiert aber auch von der Erfahrung von Desjardins. Er hat 461 Partien in der nordamerikanischen Profiliga NHL auf dem Buckel. Vor vier Jahren – als sich die Adler zum bisher letzten Mal die DEL-Krone aufgesetzt haben – gewann er mit den Chicago Blackhawks den Stanley Cup. Obwohl er sich den „Heiligen Gral“ im Welt-Eishockey schon gesichert hat, ist sein Erfolgshunger ungestillt. „Es geht in unserem Job darum, Titel zu gewinnen – es spielt keine Rolle in welcher Liga“, betont Desjardins. „Das, was für die Ewigkeit bleibt, sind die Bande, die du mit deinen Teamkollegen knüpfst.“

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Holen die Adler den Pokal zurück nach Mannheim, würde auch Desjardins’ Verbindung zu Ben Smith um eine Facette reicher. 2013 hatte Smith mit den Blackhawks den Stanley Cup gewonnen, im März 2015 wurde er zu den San José Sharks geschickt. Und wer kam im Tausch nach Chicago? Richtig, Desjardins!

Beide haben mit dem gleichen Club das gleiche Ziel erreicht – aber nicht mit demselben Team. Desjardins und Smith sind Spieler, die nicht nur oft in einem Finale standen, sondern wissen, wie eine Endspielserie gewonnen wird – zuletzt führte Smith vor einem Jahr die Toronto Marlies zum Titel in der AHL.

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Redaktion Koordinator der Sportredaktion