Fußball - SPD-Gesundheitsexperte nimmt Gesprächsangebot des Bayern-Trainers zur Corona-Situation an Lauterbach freut sich auf Flick

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dpa
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Berlin/München. Hier könnten Gegensätze aufeinanderprallen: Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Bayern-Trainer Hansi Flick wollen ein Gespräch über Corona führen. „Sehr gerne spreche ich mit Hansi Flick“, teilte Lauterbach am Dienstag auf Twitter mit. Vorangegangen war ein Streit, der über Interviews und im Internet ausgetragen wurde. Es geht um Corona, wie man darüber redet – und ein bisschen über Fußball.

Karl Lauterbach ist Duelle gewohnt. Der 57-Jährige nimmt den kommenden Schlagabtausch mit Hansi Flick sportlich. © dpa
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Zuerst kritisierte Lauterbach die Katar-Reise des Rekordmeisters zur Club-WM. „Die Bürger wollen nicht, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, nur weil es um Millioneneinnahmen durch Fernsehübertragungen geht“, hatte der Bundestagsabgeordnete dem Sender Sport1 gesagt. Eine Reise wie die von Thomas Müller, der positiv auf Corona getestet wurde und mit einem Privatjet zurückflog, sei „normalerweise natürlich undenkbar“. Ebenso kritisierte Lauterbach den Vorstoß von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge für vorzeitige Impfungen von Profis.

Wellen schlagen hoch

Flick konterte am Sonntag: „So langsam kann man die sogenannten Experten gar nicht mehr hören, auch Herrn Lauterbach.“ Die Politik solle eine Strategie entwickeln, „dass man auch mal irgendwann wieder Licht im Tunnel sieht“. Das sei aktuell zu wenig – „gerade für die Bevölkerung, für die Bürger, die nicht in der Situation sind wie wir Fußballer“, so der Bayern-Trainer. „Und wirklich auch mal gucken, dass man auch mal was Positives verkünden kann.“

Daraufhin brach im Internet eine Debatte los. Tags darauf bot Flick Lauterbach ein Gespräch an. Es sei vielleicht gut, wenn man mal „unter vier Augen“ rede, „nicht in einer Talkshow“, sagte Flick nach dem 3:3 des FC Bayern gegen Arminia Bielefeld. Flick warb um Verständnis für seine Äußerungen und nahm sie ein kleines bisschen zurück. „Ich habe geantwortet als Familienvater, ich habe zwei Enkelkinder, ich war 23 Jahre Unternehmer, habe ein Sportgeschäft gehabt.“ Er kenne die Zukunftsängste der Selbstständigen, hätte seine Kritik aber „ein bisschen anders“ formulieren können.

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Lauterbach ließ sich nicht lange bitten. „Ich freue mich darüber. Da Hansi Flick mir das Angebot über die Öffentlichkeit gemacht hat, antworte ich auch öffentlich“, sagte er dem „Spiegel“. Lauterbach versicherte: „Seine Kritik nehme ich sportlich. Verständlicherweise liegen bei vielen derzeit Nerven blank. Aber nur zusammen können wir vor uns liegende Wochen meistern.“ Mit dem Chef von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, habe er bereits ein gutes, konstruktives Gespräch geführt.

Positives gab es für Lauterbach in jüngster Zeit wirklich kaum zu verkünden. Vielmehr wurde der studierte Gesundheitsökonom und Epidemiologe gescholten, Panikmacher und Besserwisser zu sein. Er ist zwar nicht in der Regierung, aber doch nah dran an deren Beschlüssen – und, so viel kann man annehmen, steht derzeit eher auf der Bremse, wenn es um Lockerungen geht.

Zielscheibe für Hass und Hetze

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Problem: Lauterbach ist auch Zielscheibe von Corona-Leugnern und sogenannten Verschwörungstheoretikern. „Drohungen kriege ich auf allen denkbaren Kanälen, Post, Mail, soziale Medien“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Fast jeden Tag.“ Er beschreibt sich zwar als „einigermaßen resilient“. Doch Sorgen mache er sich schon.

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Längst sind Corona-Leugner als Verbreiter von Hass und Hetze unterwegs. Der baden-württembergische Verfassungsschutz beobachtet Anführer der „Querdenken“-Bewegung wegen Nähe zu sogenannten Reichsbürgern und Extremisten. Wohl auch vor diesem Hintergrund kritisierte SPD-Vize Kevin Kühnert Flick dem Sport-Informationsdienst: „Wenn man unreflektiert draufhaut und sie als ‘sogenannten Experten’ bezeichnet, dann trägt man eine Mitverantwortung dafür, dass ein Klima des Hasses gesät wird.“ Lauterbach übrigens hat schon wieder zahlreiche andere Tweets abgesetzt – etwa über die wahrscheinliche Ausbreitung gefährlicher Virusvarianten in Deutschland. Und auch Flick hat andere Baustellen - bestätigte doch David Alaba seinen Abschied vom FC Bayern zum Saisonende. dpa

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Veröffentlicht
Von
Jan Kotulla
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