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Gefährliches Spiel

Von 
Thorsten Hof
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Keine Frage: Tour-Sieger Tadej Pogacar steht mit seinen nur 22 Jahren für einen neuen Typus in der Sieger-Galerie des wichtigsten Radrennens der Welt. Er ist weder ein Asket der Marke Froome oder Bradley Wiggins, noch ein eiskalter Rad-Roboter wie es etwa Lance Armstrong in seinen schlimmsten Zeiten war. Pogacar steht stattdessen für das Spielerische im Sattel, es vergeht keine Gelegenheit, bei dem der junge Slowene nicht betont, dass die Show an den Alpen- oder Pyrenäen-Hängen für ihn ein großer Spaß ist – so wie er sich früher mit seinem Bruder und seinen Kumpels gemessen hat.

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Und doch kann dieses Lausbuben-Naturell nicht darüber hinwegtäuschen, dass die absolute Dominanz mit den Trikots in gelb, weiß und gepunktet die üblichen Fragen aufwirft. Vom Spiel mit der Konkurrenz einmal ganz abgesehen. Was Pogacar in zusätzliche Erklärungsnot bringt, sind die zweifelhaften Hintermänner, mit denen er sich umgibt. So galt Teammanager Mauro Gianetti bei der Tour lange Zeit als unerwünscht – was schon etwas heißen will – und sein Arzt und Trainingsplaner ist für unkonventionelle Methoden bekannt. Zuletzt wurde sogar über Motor-Doping geraunt. Letzteres mag dem Neid der Unterlegenen entspringen, doch dass dem neuen Dominator sogar der Spitzname „Pogacarmstrong“ verpasst wurde, steht dem jüngsten Tour-Doppelsieger aller Zeiten ebenfalls nicht gut zu Gesicht. Offenheit und Transparenz wären ein gutes Gegenmittel, doch vielleicht auch ein letztlich zu gefährliches Spiel. Ob Pogacar tatsächlich ein neuer Typus Tour-Sieger ist, kann nur die Zeit zeigen.

Redaktion Sportredakteur, Schwerpunkte SV Waldhof, Rhein-Neckar Löwen.

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