WM-Vorbereitung in Oman

Flick sucht den passenden Mix - Müller nur Zuschauer

Nach der Ankunft in Oman müssen sich die Nationalspieler an die WM-Bedingungen anpassen. Ein letzter Test soll Sicherheit bringen. Und Fragen beantworten. Ist Müller fit? Und ist Rüdiger startklar?

Von 
Klaus Bergmann und Arne Richter
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Thomas Müller pausiert beim Abschlusstraining und zeigt sich optimistisch. Hinter ihm DFB-Direktor Oliver Bierhoff. © Christian Charisius

Maskat. Thomas Müller saß auf einer Kühlbox am Spielfeldrand und schaute den WM-Kollegen beim ersten Training im Oman zu. Auch Abwehrchef Antonio Rüdiger fehlte auf dem Platz. Und das wird auch am Mittwochabend (18.00 Uhr/RTL) im Sultan-Kabus-Stadion der Fall sein.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft absolviert in Maskat gegen die Auswahl des Oman den letzten WM-Test - exakt eine Woche vor dem Ernstfall gegen Japan in Katar. Hansi Flick war am Dienstagabend bemüht, hinsichtlich der Fragezeichen hinter der Turnierfitness der beiden Führungskräfte zu beschwichtigen.

«Wir sehen von Tag zu Tag. Wir gehen davon aus, dass sie am Matchday minus vier mit der Mannschaft trainieren», sagte Flick. Also erst am kommenden Samstag, nach dem Transfer nach Katar. Alles, was dem 33 Jahre alten Müller als Zuschauer am Spielfeldrand blieb, war ein Plausch mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Wegen körperlicher Probleme hatten Müller und Rüdiger schon im Ligabetrieb beim FC Bayern und Real Madrid zuletzt ausgesetzt.

«Diese WM hat andere Maßstäbe»

Dass auch der Frankfurter Rückkehrer Mario Götze sowie die Freiburger Matthias Ginter und Christian Günter nicht mit dem Team trainierten, begründete Flick damit, dass das Trio noch am Sonntag in der Bundesliga aktiv war und deshalb regenerieren sollte. Ausschlafen, akklimatisieren - und gleich wieder an die Arbeit: Dieses Programm galt für übrigen 20 Nationalspieler nur 17 Stunden nach der Ankunft am späten Montagabend in Maskat.

Eine WM-Generalprobe wird das 994. DFB-Länderspiel exakt eine Woche vor dem Ernstfall gegen Japan im Ansatz. Denn Flick wird noch nicht seine Wunschelf für den so wichtigen Gruppen-Auftakt gegen Japan aufbieten. «Diese WM hat andere Maßstäbe, was die Vorbereitung angeht», sagte Flick angesichts des Turnierzeitpunktes mitten in der Saison. «Wer braucht noch Spielminuten? Wer braucht eine Pause?» Diese Fragen beschäftigten das Trainerteam. «Der Plan wird sein, dass wir den einen oder anderen schonen», verriet Flick.

«Es ist gut, vorher vor Ort zu sein»

Im Luxushotel am Persischen Golf mit allen Annehmlichkeiten wie Pool, Spa und einem Privatstrand sollen die bis auf den erkrankten Torwart Marc-André ter Stegen angereisten 25 WM-Akteure bis zum Weiterflug nach Katar auch ein wenig ausspannen nach prallen Ligawochen. Es gilt, möglichst schnell den Klimawechsel vom deutschen Herbst auf das tagsüber herausfordernde Wüstenwetter sowie die Zeitumstellung von plus drei Stunden zu bewältigen. «Es ist gut, vorher vor Ort zu sein. Das war uns wichtig», sagte Flick.

Der Bundestrainer geht natürlich auch im Sultanat voran. In zwei vom Gastgeber mit der Aufschrift «Germany Football Team» beschrifteten Bussen war der DFB-Tross kurz nach Mitternacht im Quartier eingetroffen. Flick schritt als Erster an ein paar Schaulustigen vorbei und trug seinen Rollkoffer nach einem kurzen «Servus» eine steile Treppe hinauf. Dann verschwand der 57-Jährige ebenso wie der dauerlächelnde Nationalteam-Rückkehrer Götze Richtung Lobby.

Comeback von Götze naht

Ob der 30-jährige Götze nach fünf Jahren ohne Einsatz für Deutschland gleich gegen den Oman sein Länderspiel-Comeback feiern darf, diese Frage mochte Flick im proppevollen Pressekonferenzraum des Stadions noch nicht beantworten. «Das glaube ich, dass alle gespannt sind», antwortete der Bundestrainer. «Was mit Mario morgen ist, muss man abwarten.» Der laut Flick «gelöste und gereifte» Götze möchte acht Jahre nach seinem Siegtor im WM-Finale von Rio gegen Argentinien beim Turnier-Comeback in Katar eine für ihn möglichst erfüllende Rolle einnehmen. Die Form des 30-Jährigen stimmt jedenfalls. «Die letzten Spiele waren auf einem ganz hohen Niveau», lobte Flick.

Wichtig ist das zweite Länderspiel gegen Oman - nach einem 2:0-Erfolg im Februar 1998 - aber schon. «Wir haben nur noch ein Testspiel. Da wird es wichtig sein, dass wir uns auch die Sicherheit holen», bemerkte Kapitän Manuel Neuer, der nach seiner Schulterblessur startklar scheint für sein viertes WM-Turnier als Nummer 1 im Tor. Sein langjähriger Weggefährte Müller, der wegen multipler Probleme (Rücken, Hüfte, Adduktoren) wochenlang beim FC Bayern aussetzen musste, ist dagegen aus dem Rhythmus.

Auch Antonio Rüdiger wurde zuletzt bei Real Madrid wegen Hüftproblemen aus dem Wettkampfbetrieb genommen. Es gab aber einen engen Austausch der DFB-Mediziner mit den Real-Doktoren. «Toni ist unser Abwehrchef», sagte Flick zur Bedeutung des 29-Jährigen. Auch deswegen war kein Platz im Kader für Mats Hummels. Der Dortmunder Routinier mit Führungsansprüchen hätte womöglich Rüdigers Gestaltungsraum und dessen Chefrolle beeinträchtigen können, ebenso die Position und den Status von BVB-Kollege Niklas Süle. Im Abwehrzentrum wechseln Trainer während eines Turniers nicht gerne.

Vielleicht lässt der Bundestrainer auch den 17-jährigen Dortmunder Moukoko und Bremens spät berufenen Torjäger Niclas Füllkrug (29) gleich bei der ersten Gelegenheit im A-Team debütieren und macht sie damit noch vor dem WM-Start zu vollwertigen Nationalspielern.

Knapp ein Drittel der Deutschen traut Flick und seinem Team in Katar den Einzug ins WM-Halbfinale zu. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. 20 Prozent der Befragten rechnen allerdings dann im Halbfinale mit dem K.o. im Titelkampf. An den Titelgewinn glauben nur 7 Prozent, 4 Prozent rechnen mit einer Niederlage im Endspiel am 18. Dezember.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Oman: Al-Mukhaini (Al-Buhraimi, Al-Nahda Club/25 Jahre/8 Länderspiele) - Al-Harti (Al-Suwaiq-Club/28/20), Al-Habsi (Al-Seeb Sib/26/22), Al-Khamisi (Al-Suweiq Club/30/19), Al-Kaabi (Al-Buhraimi, Al-Nahda Club/26/14) - Al-Saadi (Al-Suwaiq-Club/32/65) - Al-Yahyaei (Al-Seeb Sib/28/59), Al-Alawi (Al-Kuwait/22/24), Al-Yahmadi (Al-Markhiya Doha/28/47) - Mu. Al-Ghassani (Al-Seeb Sib/25/39), Al-Aghbari (Al-Khalidiya SC/23/19)

Deutschland: Neuer (FC Bayern München/36/113) - Kehrer (West Ham United/26/22), Süle (Borussia Dortmund/27/42), Schlotterbeck (Borussia Dortmund/22/5), Raum /RB Leipzig/24/11) - Kimmich (FC Bayern München/27/70), Gündogan (Manchester City/32/62) - Gnabry (FC Bayern München/27/36), Musiala (FC Bayern München/19/17), Sané (FC Bayern München/26/47) - Havertz (FC Chelsea/23/30)

© dpa-infocom, dpa:221115-99-522324/9

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