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109. Tour de France

Fast-Bergkönig Geschke mit einem Lachen in Paris

Zum Bergkönig fehlen sieben Punkte, zum Gelben Trikot elf Sekunden und zum Etappensieg 100 Meter: Für die deutschen Radprofis ist die 109. Frankreich-Rundfahrt auch eine Tour der verpassten Chancen.

Von 
Stefan Tabeling und Tom Bachmann
Lesedauer: 
Verpasste nur um acht Punkte den Gewinn des Bergtrikots: Simon Geschke. © David Stockman

Paris. Simon Geschke erfüllte jeden Wunsch nach Autogrammen oder Selfies. Der Beinahe-Bergkönig hat nach den Tränen in den Pyrenäen sein Lachen wiedergefunden, und Landsmann Nils Politt kürte ihn kurzerhand zum «Sieger der Herzen».

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Den Kampf um das Bergtrikot hat der Mann mit dem Vollbart bei der Tour de France zwar verloren, aber große Sympathien gewonnen. «Ich denke, dass ich eine schöne Show abgeliefert habe. Es scheint, dass ich eine Menge Fans dazu gewonnen habe. Ich habe offenbar die letzten Wochen nicht alles falsch gemacht», sagte Geschke in seiner typischen Berliner Art.

Er hat sogar ganz viel richtig gemacht. Neun Tage in Serie hatte sich Geschke das Bergtrikot auf dem großen Podium abgeholt und damit für das Highlight aus deutscher Sicht bei der Frankreich-Rundfahrt gesorgt. Dass am Ende eine einzige Bergwertung zugunsten von Patron Jonas Vingegaard den Ausschlag gab, passte irgendwie zum Abschneiden der mit neun Fahrern kleinsten deutschen Tour-Fraktion seit 20 Jahren.

«Tour der verpassten Möglichkeiten»

Es war die Tour der verpassten Möglichkeiten. Zum Gelben Trikot fehlten Lennard Kämna in Megeve nur winzige elf Sekunden, und den Etappensieg verpasste der Norddeutsche in La Planche des Belles Filles um weniger als 100 Meter. Trotzdem gehörte Kämna, der wegen einer Erkältung nach dem zweiten Ruhetag ausgestiegen war, zu den Gewinnern unter den deutschen Fahrern.

Dem 25-Jährigen wird in Zukunft sogar die Kapitänsrolle beim Bora-hansgrohe-Team zugetraut. «Wir werden es mit ihm besprechen, ob wir es mal wagen, bei einer Grand Tour auf Gesamtwertung zu fahren. Vom Team gibt es aber keinen Druck. Für uns ist Lennie immer eine Bereicherung, egal in welcher Rolle», sagte Teamchef Ralph Denk der Deutschen Presse-Agentur.

Letztmals waren die Deutschen 2019 ohne Tagessieg geblieben. Vorbei sind die Zeiten, als Sprintstars wie André Greipel oder Marcel Kittel die deutschen Radsport-Fans mit Siegen verwöhnten. Entsprechend macht sich Geschke ein wenig Sorgen um die Zukunft. «Es ist keine schöne Entwicklung. Nach den großen Skandalen sind die Nachwuchsrennen in Deutschland alle weggefallen. Als deutscher Nachwuchsfahrer ist es superschwer, den Sprung ins Profigeschäft zu schaffen. Das wird die nächsten Jahre nicht besser werden», sagte der 36-Jährige der dpa.

Geschke weiter mit Tour-Lust

Gut, dass Geschke auch nach zehn Tour-Teilnahmen noch Lust verspürt. «Ich denke, wenn ich alles verarbeitet habe, werde ich mich im Winter melden und fragen, ob ich die Tour fahren kann», sagte der Tour-Etappensieger von 2015 und scherzte: «Ich bin ja noch ein junger Fahrer, vielleicht kommt die nächsten Jahre noch mehr.»

Darauf hofft auch der zweimalige deutsche Meister Maximilian Schachmann, der bei der Tour noch nicht sein Glück gefunden hat. 2019 ein Mittelhandbruch, 2020 ging er mit einem Schlüsselbeinbruch lädiert ins Rennen und in diesem Jahr war es eine Corona-Infektion kurz vor und ein Sturz kurz nach dem Start. Teamkollege Politt konnte sein Glücksgefühl aus dem Vorjahr nicht wiederholen, auch weil er auf seinem Terrain über das Kopfsteinpflaster Helferdienste für den Gesamtfünften Alexander Wlassow leisten musste. Ähnliche Aufgaben hatte auch Klassikerspezialist John Degenkolb beim DSM-Team. So blieb es beim Sieger der Herzen. «Dafür gibt es in Paris keinen Pokal», meinte zwar Geschke, aber seine Autogramme haben inzwischen eine ganz andere Wertigkeit.

Website Tour de France

© dpa-infocom, dpa:220724-99-136674/5

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