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Deutschland - Beim Umbau der DFB-Elf setzt Manager Bierhoff große Erwartungen in den neuen Bundestrainer / Debüt als Chef im September gegen Liechtenstein

Erneuerer Flick spürt sofort Zeitdruck

Von 
Klaus Bergmann, Jens Mende
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DFB-Direktor Oliver Bierhoff (l.) und der neue Bundestrainer Hansi Flick sollen die DFB-Elf zurück in die Weltspitze bringen. © dpa

München. Hansi Flick hat ganz genau hingeschaut bei den vier EM-Spielen seiner neuen Mannschaft. Ob live im Stadion oder als Fan und Experte vor dem Fernseher, dem Nachfolger von Joachim Löw ist einiges aufgefallen. Die große Frage beim Stabwechsel von Jogi zu Hansi lautet: Wie viel Löw bleibt erhalten? Wie viel Flick kommt rein? Beim krisengeschüttelten DFB träumen sie schon von einem Ideal.

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„Man hat bei Bayern München gesehen, welche Art von Fußball Hansi spielt“, sagte Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff, als er nach dem Achtelfinal-K.o. gegen England das Turnier bilanzierte und Flick im Grunde virtuell schon mit im Raum war. Das Triple mit Bayern, historische Fußballabende wie beim 8:2 gegen den FC Barcelona – das ist die Flick’sche Benchmark.

Der 56-Jährige aus Bammental wirkt nach seinem Urlaub noch im Verborgenen. Löws einstiger Weltmeister-Assistent will erst zum Vertragsbeginn Anfang August seine Pläne mit der Nationalmannschaft, die nach dem WM-Desaster 2018 ein missglücktes EM-Comeback verkraften muss, skizzieren. Wer fliegt raus? Wer kommt neu rein?

Jeder Trainer hat „eine eigene Handschrift“, betonte Bierhoff. Der Manager wird in dem von Führungsquerelen gelähmten Verband auch beim nächsten Neubeginn der Nationalelf an den Schalthebeln sitzen. Bierhoff und Flick – die langjährigen Weggefährten setzen aufeinander. „Wir werden uns zusammensetzen die nächsten Tage, um ein bisschen den Plan durchzugehen, wie sich Hansi das mit der Mannschaft und auch dem Betreuerstab vorstellt“, kündige Bierhoff (53) an.

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Klar scheint: Beim Mitarbeiterstab rund ums Team soll es keinen Radikalumbruch geben. Bierhoff sieht da „keine großen Arbeitsfelder“. Auch Löws erster Assistent Marcus Sorg und Torwartcoach Andy Köpke dürfen wohl bleiben. Flick wird, das ist klar, in Danny Röhl (32) einen Mann seines Vertrauens mitbringen, der schon beim Gewinn von sieben Titeln mit dem FC Bayern sein Helfer war.

Umfassende Impulse werden von Flick in erster Linie auf dem Platz erwartet, beim Personal, bei Taktik, Spielweise und im Coaching. Den ersten Auftrag an den elften Coach der Nationalelf formulierte Bierhoff deutlich und fordernd. Flick muss sofort liefern – nicht erst am Ende seines Dreijahresvertrages bei der Heim-EM 2024. Trotz des Mittelmaßfußballs in der Spätphase der Löw-Ara formulierte Bierhoff „den Anspruch, eine souveräne WM-Qualifikation zu spielen“. Und „schon in Katar“, bei Flicks erstem Turnier als Chef, „wollen wir wieder eine schlagkräftige Mannschaft haben“, postulierte der DFB-Direktor. 448 Tage bleiben Flick, um die Vorgabe zwischen dem 30. August, wenn er das Nationalteam erstmals nach der EM zusammenziehen will, und dem WM-Eröffnungsspiel am 21. November 2022 zu erfüllen.

Knapp 15 Monate sind das. Das klingt nach viel und ist doch wenig. Flick spürt als Erneuerer sofort Zeitdruck. „Wir treffen uns schon im September mit drei Spielen, mit wenig Trainingseinheiten muss er das machen“, sagte Bierhoff mit Blick auf den Terminplan. Löw hat ihm durch das blamable 1:2 gegen Nordmazedonien kein Abschiedsgeschenk übergeben. Deutschland belegt in seiner Quali-Gruppe nur Platz drei. Nach dem Aufgalopp am 2. September in St. Gallen gegen Liechtenstein steht für Flick drei Tage später in Stuttgart gegen Tabellenführer Armenien schon einiges auf dem Spiel. Danach geht es noch weiter nach Island. Insgesamt sieben Länderspiele sind es bis zum Jahresende. Flick wird aber schon vor seinem Bundestrainer-Debüt handeln müssen. Baut er das neue Team im Bayern-Stil auf? Mit Manuel Neuer (35) und Thomas Müller (31) als erfahrenen Leitfiguren sowie Joshua Kimmich (26) und Leon Goretzka (26) als Herzstück im Zentrum? Eine Fähigkeit, die Flick in München auszeichnete und ein zentrales Puzzlestück beim Titelsammeln darstellte, hob Bierhoff auch hervor: „Hansi hat neben seiner sportlichen Kompetenz starke menschliche Qualitäten.“ Bierhoff beschrieb Flicks Job so: Er müsse „den Mix schaffen zwischen einem mittelfristigen Aufbau einer Mannschaft und dem Erfolg, den du haben musst in der Qualifikation“. dpa

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