Eishockey-Spitzenfunktionär als Heuchler entlarvt

"MM"-Redakteur Christian Rotter zum Zögern des Eishockey-Weltverbands, Belarus als Co-Gastgeber der Weltmeisterschaft abzusetzen.

Von 
Christian Rotter
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Ein Problem weniger? Der Eishockey-Weltverband IIHF hat eine Entscheidung getroffen, die er schon viel früher hätte treffen müssen: Belarus ist nicht länger Co-Gastgeber der WM. So weit, so gut. Alexander Lukaschenko, den die EU seit der als gefälscht eingestuften Wahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten anerkennt, kann den von ihm so geliebten Sport im Frühjahr nicht mehr für seine Propaganda missbrauchen.

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Lukaschenko ist aber nicht der einzige Verlierer in diesem hässlichen Spiel. Lässt man in der Betrachtung der Vorgänge Milde walten, ist der IIHF und Weltverbandspräsident René Fasel eine große Naivität zu unterstellen. Bei einer realistischeren Einschätzung lässt sich schnell zum Ergebnis kommen, dass der Schweizer als Heuchler entlarvt worden ist.

Das Geld, das liebe Geld

Wie man es auch drehen und wenden mag: Die IIHF hat erst reagiert, als einige Sponsoren offen damit drohten, den Geldhahn zuzudrehen. In den vielen Monaten, als internationale Beobachter auf Lukaschenkos Machtmissbrauch und sein rigoroses Vorgehen gegen die Opposition hinwiesen, entschuldigte sich Fasel für sein Nichtstun immer wieder mit der Floskel, der Sport sei unpolitisch.

Umso unverständlicher und unerträglicher war vor diesem Hintergrund das Bild, das der langjährige Spitzenfunktionär in der vergangenen Woche abgab. Er besuchte Lukaschenko nicht nur in Minsk, sondern fiel ihm um den Hals, ließ sich in inniger Umarmung mit dem Diktator ablichten. Klar, dass diese Bilder im belarussischen Fernsehen rauf- und runterliefen.

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Fasel ist kein Anfänger. Er ist lange genug im Geschäft, um genau zu wissen, dass er in diesem Moment instrumentalisiert wurde. Und wie war das nochmal? Sport ist unpolitisch? Die Reaktionen – gerade auch in seiner Heimat – fielen entsprechend harsch aus. Und das völlig zurecht. Dennoch brachte es Fasel nicht fertig, den WM-Entzug mit der Person Lukaschenko und dessen Gewaltherrschaft zu begründen. Stattdessen führte der Weltverband in seiner Rechtfertigung „Sicherheitsbedenken“ an. Damit ließ er die allerletzte Chance liegen, doch noch sein Gesicht zu wahren.

Redaktion Koordinator der Sportredaktion