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Olympia - Japan schließt wegen erneut steigender Corona-Neuinfektionen Zuschauer aus den Stadien aus

Ein steriles Fernseh-Schauspiel

Von 
Lars Nicolaysen, Christian Hollmann
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Tristesse in Tokio: Bei den Olympischen Spielen sind bis auf wenige Ausnahmen keine Zuschauer in den Sportstätten zugelassen. © dpa

Tokio. Kaum hatte Thomas Bach die Olympia-Stadt Tokio betreten, musste der IOC-Chef den nächsten Tiefschlag für seine Corona-Spiele verkraften. Die japanischen Gastgeber verhängten für die Olympia-Zeit wegen steigender Infektionszahlen erneut den Notstand über Tokio und schlossen kurz darauf auch inländische Zuschauer von den Wettbewerben in der Hauptstadt aus. „Wir hatten keine andere Wahl“, räumte Organisationschefin Seiko Hashimoto nach kurzfristig einberufenen Beratungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee am Donnerstag ein. Ausländischen Olympia-Fans war die Einreise schon im März untersagt worden.

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Erstmals bei Olympia keine Zuschauer in den Stadien, keine Fanmeile, kein Alkohol – nicht mal in den Bars oder Restaurants: Die olympische Party wird man in Tokio vergeblich suchen. Bis zuletzt hatten die Olympia-Macher an ihren Plänen festgehalten, bis zu 10 000 Fans aus dem Inland pro Wettkampf in den Arenen zuzulassen. Diese Hoffnung ist nun zerplatzt. Die Entscheidung sei „wohl alternativlos“, sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. „Besser Olympische Spiele ohne Zuschauer als die aktuellen Szenarien mit voll besetzten Stadien und hohem Infektionsrisiko.“

Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga sah sich zur Verhängung des Notstands von Montag bis vorläufig zum 22. August gezwungen, weil die Zahl der Corona-Fälle zwei Wochen vor der Olympia-Eröffnung deutlich anzieht. Davor hatten Gesundheitsexperten auch seiner Regierung immer wieder gewarnt.

Absage keine Option

Den Willen zur Austragung der Spiele aber bekräftigte IOC-Präsident Bach auch nach seiner Ankunft. „Ich fühle mich wie ein Athlet im Warteraum, bereit für die Action“, beteuerte der 67-Jährige. Man werde alle Maßnahmen der Japaner unterstützen – zur Not eben auch den Ausschluss aller Zuschauer.

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„Wir müssen stärkere Schritte unternehmen, um einen weiteren landesweiten Ausbruch zu verhindern, auch unter Berücksichtigung der Auswirkungen von Coronavirus-Varianten“, begründete Suga seine Entscheidung, zum vierten Mal über Tokio den Notstand zu verhängen. Es handele sich um eine reine „Vorsichtsmaßnahme“

Mit dem Notstand soll vor allem verhindert werden, dass Restaurants und Bars Alkohol ausschenken. Auf diese Weise versucht man, eine Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen. Die Bürger sollen möglichst daheim bleiben. Eigentlich hatte der wegen des äußerst langsam angelaufenen Impfprozesses und seines Festhaltens an den Spielen kritisierte Suga nur eine Verlängerung des bis Sonntag angesetzten Quasi-Notstands mit weniger strengen Maßnahmen geplant. Nur für die Präfekturen Hokkaido, Aichi, Kyoto, Hyogo und Fukuoka endet der Quasi-Notstand wie geplant.

So könnten zumindest in einigen Austragungsorten abseits von Tokio noch Zuschauer zugelassen werden. Möglich ist dies auch für das Miyagi-Fußballstadion in Rifu, wo die deutsche Olympia-Auswahl ihr letztes Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste und möglicherweise auch ein Viertelfinale austrägt. Die letzte Entscheidung liegt bei den lokalen Behörden. Die Zuschauerfrage für die am 24. August startenden Paralympics soll nun erst nach der Olympia-Schlussfeier beantwortet werden.

Durch den Ausschluss der Olympia-Fans in Tokio und drei Nachbar-Präfekturen können sich die meisten Bürger des Landes die Spiele nur zu Hause am Fernseher anschauen. Und auch Public Viewings wird es in Tokio nicht geben. Damit drohen die Spiele, die vom 23. Juli bis 8. August stattfinden sollen, zu einem sterilen Fernseh-Schauspiel zu werden. Viele Menschen in Japan befürchten, dass Olympia zu einem Superspreader-Event werden könnte.

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In Umfragen hatte sich immer wieder eine Mehrheit für eine erneute Verschiebung oder Absage ausgesprochen. Man werde Verantwortung beweisen und „alle Maßnahmen unterstützen, die für sichere Spiele für Japans Bevölkerung und die Teilnehmer nötig sind“, beteuerte Bach.

Nach seiner Landung war er vom Flughafen Haneda zum Olympia-Hauptsitz des IOC, einem Fünf-Sterne-Hotel in der Innenstadt gefahren. Drei Tage soll er dort in Quarantäne bleiben. Vor Bach waren schon hunderte Athletinnen und Athleten in Japan angekommen. „Sie sind alle froh, dass die Spiele auf sichere Art und Weise stattfinden können“, sagte der deutsche IOC-Chef.

Am Tag von Bachs Ankunft meldete die Stadtverwaltung von Tokio 896 neue Infektionsfälle. Damit lag die Zahl der Neuinfektionen seit nun 19 Tagen jeweils über dem Wert des gleichen Tages der Vorwoche. dpa

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