Eishockey

Die Adler Mannheim waren in dieser Saison zu früh auf dem Zenit

Von 
Christian Rotter
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Die Enttäuschung kam schneller als gedacht. Die Endspielserie in der Deutschen Eishockey Liga findet ohne den Hauptrunden-Dominator Adler Mannheim statt. Im Halbfinale gegen Wolfsburg setzte sich ein Trend fort, der sich angedeutet hatte: Als es darauf ankam, konnte die Mannschaft von Trainer Pavel Gross nicht mehr ihre Topleistung abrufen. Im Gegensatz zur Meistersaison 2019, als die Adler hinten raus stets zulegen konnten, wirkte das Team in der entscheidenden Phase ausgelaugt.

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Es ehrt den Coach, dass er sich nach dem bitteren Scheitern demonstrativ vor seine Mannschaft stellte. Ja, mit Joonas Lehtivuori, Tommi Huhtala und David Wolf fehlten drei Schlüsselspieler. Und ja, Außenstehende können sich nicht ansatzweise vorstellen, welche Entbehrungen die Profis in Kauf nehmen mussten. Seit Saisonbeginn hing ein positiver Corona-Test wie ein Damoklesschwert über Profis, Trainern, Club. Alle nahmen zahlreiche Einschnitte klaglos hin und versammelten sich seit dem Beginn des Sommertrainings am 1. Mai 2020 hinter dem einen großen Ziel: dem Titel 2021.

Die Spieler meisterten diese Herausforderung. Sie schränkten ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum ein, auch ihre Familien zogen mit. Und klar: Wer von Pavel Gross trainierte Mannschaften kennt, weiß nur zu gut, dass alle täglich ackern mussten. Diese körperliche, vor allem aber auch mentale Belastung, hat viele an ihre Grenzen gebracht – oder darüber hinaus.

Sie wollten, aber konnten nicht

Die Einstellung der Spieler ist entsprechend über jeden Zweifel erhaben. Sie wollten, sie konnten aber nicht (mehr). Wer sich die Leistungskurve anschaut, kommt unweigerlich zum Schluss, dass das Team in dieser Saison seinen Zenit zu früh erreicht hatte. Genau an diesem Punkt endet das Verständnis für die Ausführungen von Gross in der Pressekonferenz nach dem Wolfsburg-Spiel am Freitagabend.

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Andere Clubs mussten ebenfalls ins Blaue planen und die Vorbereitung in der Annahme beginnen, dass es im September losgeht. Die Kommunikationspolitik der DEL bei der zweimaligen Verschiebung des Saisonstarts ist bestimmt zu kritisieren, doch auch die Ligakonkurrenz musste sich auf die neuen Gegebenheiten mit vielen Hauptrundenspielen in kürzester Zeit und Mini-Play-offs einstellen.

Dass Gross nie ein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, Missstände anzuprangern, ist erfrischend. Das Scheitern im Halbfinale nun aber mit den Versäumnissen der Ligazentrale zu erklären, geht zu weit. Stattdessen muss der Coach seine Herangehensweise hinterfragen: Hat er zu selten den Fuß vom Gaspedal genommen, wenn die Belastung doch so groß war? Man mag die Situation nicht gutheißen, muss sich ihr aber anpassen.

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Diese Selbstreflexion gehört genauso zur Saisonaufarbeitung wie das Abtauchen einiger Leistungsträger in den Play-offs. Auch die Bilanz der Nachverpflichtungen zählt zum Gesamtbild: Bei anderen Clubs waren sie ein wesentlich größerer Faktor.

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Um Missverständnissen vorzubeugen: Seit ihrer Amtsübernahme 2018 haben Gross, Co-Trainer Mike Pellegrims und Sportmanager Jan-Axel Alavaara hervorragende Arbeit geleistet und den Club wachgerüttelt. Sie sind die richtigen Personen am richtigen Ort. Ein Blick nach links und rechts schadet aber nie.

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Redaktion Koordinator der Sportredaktion

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