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Fußball

DFB-Team löst Wembley-Ticket

Im Halbfinale der Europameisterschaft setzen sich die deutschen Frauen mit 2:1 gegen Frankreich durch und stehen im Endspiel

Von 
Frank Hellmann
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Torjubel der deutschen Fußballerinnen. © Sebastian Gollnow

Milton Keynes. Ein bedrohlicher dunkler Himmel über einem Stadion muss nicht zwingend ein schlechtes Omen sein. Im Gegenteil: Die deutschen Fußballerinnen schweben auch nach ihrem zweiten Abstecher nach Milton Keynes weiter auf einer rosaroten Wolke durch die EM in England, weil das DFB-Team mit einem schwer erkämpften 2:1 (1:1) die hohe Hürde im Halbfinale gegen Frankreich genommen hat.

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Vor 27 445 Augenzeugen im Stadium MK ging der achtfache Europameister dabei wieder einmal an seine Leistungsgrenze, um das nächste Erfolgserlebnis zu verbuchen. Zur umjubelten Matchwinnerin kürte sich einmal mehr Alexandra Popp, die mit ihrem fünften und sechsten EM-Treffer (40. und 76. Minute) den Endspieleinzug perfekt machte. Die Kapitänin erzählt im Mutterland des Fußballs eine fast märchenhafte Erfolgsgeschichte. Das unglückliche Eigentor von Torhüterin Merle Frohms (45.) blieb folgenlos.

Brand mit viel Selbstvertrauen

Zur Belohnung gibt es nun das Finale gegen Gastgeber England (Sonntag, 18 Uhr/live in der ARD). Ein ohnehin schon gelungenes Turnier bekommt die dramaturgisch beste Konstellation. Was dem Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Mut machen kann: 2019 gab es ein 2:1 im Freundschaftsspiel auf dem heiligen Rasen gegen England vor fast 79 000 Menschen.

Vor den Augen des DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf gingen die beiden Kontrahenten mit einigem Respekt in das K.o.-Duell. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kontrollierten die Deutschen aber bald die Begegnung und hatten durch einen Freistoß von Popp, den Torhüterin Pauline Peyraud-Magin gut parierte, die erste Chance (22.). Diese Situation hatte Youngster Jule Brand herausgeholt, die erwartungsgemäß für die am Vortag positiv auf das Coronavirus getestete Klara Bühl stürmte, in einigen Situationen zwar unbedarft wirkte, aber sich viel zutraute.

Ansonsten aber agierte das deutsche Team vor allem dank der erneut resoluten Lena Oberdorf und einer anfangs verbesserten Sara Däbritz abgeklärt und kam nach einer feinen Kombination prompt zum Führungstreffer. Über Brand eingeleitet landete der Ball bei Svenja Huth und dessen Flanke verwertete mal wieder Popp, die voller Entschlossenheit das Spielgerät mit links unters Tordach bugsierte. Damit hatte die 31-Jährige tatsächlich ihr fünftes EM-Tor hintereinander erzielt. Klar, dass die zur Spielerin des Spiels gewählte Anführerin wieder einen E.T.-Jubel in die Heimat schickte. Vieles schien jetzt für ein selbstbewusstes Ensemble angerichtet, dass sich wieder größter Defensivlust hingab und die schnellen Französinnen oft doppelte, um Ballgewinne zu erzielten.

Doch die Freude im deutschen Fanblock sollte nicht lange halten: Fast mit dem Pausenpfiff fasste sich Kadidiatou Diani aus der Distanz ein Herz: Die Kugel klatschte an den Pfosten, sprang der deutschen Torhüterin Frohms an den Rücken und prallte über die Linie – einen solchen Gegentreffer hätte es als ersten Einschlag für die 27-Jährige nicht gebraucht.

Wechsel zahlen sich aus

Nach dem Wechsel setzte zunächst Huth den Ball ans Außennetz (47.), ehe sich das Spiel wieder beruhigte. Erkennbar war, dass das Ensemble der französischen Nationaltrainerin Corinne Diacre mit fortschreitender Spieldauer immer mehr wagte. Bald hatten die Deutschen zwei Schrecksekunden zu überstehen: Erst klärte Kathrin Hendrich eine Großchance der eingewechselten Selma Bacha mit dem Kopf kurz vor der Linie (63.), dann rettete Frohms gegen den Kopfball der in der Luft schier übermächtigen Kapitänin Wendie Renard (64.). Als dann auch noch Marina Hegering einen schlampigen Rückpass spielte, musste Frohms auch noch gegen Diani aus spitzem Winkel klären (67.).

Weil der deutschen Elf die Kontrolle entglitt, kamen die Mittelfeldspielerinnen Linda Dallmann und Sydney Lohmann. Ein Schachzug, der aufgehen sollte. Kaum wieder besser in der Begegnung war es erneut die unermüdliche Huth, die nach einer turbulenten Strafraumaktion flankte und Popp fand, die sich in ihrer unnachahmlichen Art per Kopf durchsetzte. Ihr 58. Erfolgserlebnis im 119. Länderspiel dürfte für immer unvergessen bleiben – und könnte nur gekrönt werden, wenn die Stehauffrau auch noch am Sonntag in Wembley trifft. Nichts scheint mehr unmöglich.

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