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Soziale Medien

Der Sportler als Hassobjekt

Angebliche Fans greifen im Netz Sportler und Funktionäre an. Immer häufiger melden die nun ihre Accounts ab

Von 
Felix Schröder
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Berlin. Morddrohungen, Hass und Hetze: Vermeintliche Fußballfans überziehen Sportler, Funktionäre und Experten mit Beleidigungen und Bedrohungen im Internet. Beispiele gibt es genug: Basketball-Nationalspieler Dennis Schröder erhielt nach dem deutschen Viertelfinalerfolg gegen Griechenland bei der EM Todeswünsche per Nachricht. Nach Hunderten von Schmähungen zogen sich die Schiedsrichterexperten von „Collinas Erben“ von Twitter zurück. Auch dem kommenden RB-Leipzig-Sportgeschäftsführer Max Eberl, der sich mit Verweis auf seinen Gesundheitszustand im Frühjahr bei Borussia Mönchengladbach zurückgezogen hatte, galt in den sozialen Medien zuletzt der Hass vieler Nutzer.

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Der Engländer Marcus Rashford nach seinem verschossenen Elfmeter im EM-Finale 2021. In der Folge wurde er im Netz rassistisch beleidigt. © Mike Egerton/dpa

Fanforscher Jonas Gabler sieht in den Anfeindungen dennoch keine auffallende Zunahme an Hetze. „Ich würde nicht sagen, dass es mehr oder schlimmer geworden ist. Es ist ein Phänomen, das es seit den Anfängen von Social Media gibt. Und mit mehr Mitgliedern nehmen eben auch die negativen Kommentare zu“, sagte Gabler.

„Durch Social Media ist die Schwelle erheblich gesunken, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Oft werden die Sportler nicht als Menschen wahrgenommen, sondern als mediale Kunstfiguren“, fügte der Fanforscher hinzu. Einer Studie der Universität Leipzig unter 1013 Teilnehmern zufolge haben 24 Prozent der Befragten aus der ganzen Gesellschaft Beleidigungen, Drohungen oder Hass erlebt, teilte die Uni mit. Vor zwei Jahren seien es noch 18 Prozent gewesen.

„Es kann mental sehr treffen“

Sportler stehen im Fokus des öffentlichen Interesses. Und das Rampenlicht lädt zum Hassen ein. Mittelfeldspieler Niklas Schmidt von Fußball-Bundesligist Werder Bremen ging daher offline: „Ich habe mich aus den sozialen Medien zurückgezogen. Das ist der einzige Weg. Heutzutage kann doch jeder schreiben, was er möchte, ohne erkannt zu werden“, sagte er dem NDR. Auch sein Teamkollege Mitchell Weiser musste sich nach seinem Wechsel von Bayer Leverkusen zu Bremen viel Mist anhören und zog sich deshalb zeitweise zurück.

Werder-Stürmer Niclas Füllkrug hat für sich eine Lösung gefunden: „Es kann manche Leute mental schon sehr treffen und dementsprechend versuche ich, das in Grenzen zu halten und gar nicht so aktiv dort zu sein.“ Mancher Spieler baut sich mit der Online-Präsenz allerdings schon die Zukunft für später auf – und kann nicht verzichten. „Für viele ist es eine Möglichkeit, mit der man später – wenn man drauf angewiesen ist – Geld verdienen kann“, sagte Füllkrug.

Eines ist klar: Es gibt nicht nur Hass. Aber trotz vieler wohlwollender Kommentare bleiben oft die negativen hängen. Oder die Anzahl der Attacken ist nicht mehr auszuhalten. Bei den Machern des Twitter-Accounts „Collinas Erben“ war das erträgliche Maß erreicht. Nach der Analyse eines Handspiels bei der Bundesligapartie zwischen Hertha BSC und Leverkusen erhielten die Schiedsrichterexperten mehr als 200 Beleidigungen.

Die Macher des Accounts zogen zum Leidwesen vieler Fans Konsequenzen und legen seitdem eine Twitter-Pause ein. Ob sie wiederkommen? Offen. „Wenn man zum 220. Mal liest, dass man inkompetent ist, ein Hurensohn, keine Ahnung hat, gelöscht gehört oder dem DFB in den Arsch kriecht, dann wird es auch mal zu viel“, sagte Mitbegründer Alex Feuerherdt dem Deutschlandfunk.

Verurteilungen nach Online-Hetze

In der Vergangenheit machten bereits Profis wie Toni Kroos und Niklas Süle auf Hass und Mobbing im Internet aufmerksam. In einem Video berichteten sie von diffamierenden Nachrichten. Mit Ex-Profi Thierry Henry zog sich 2021 auch ein Superstar aus dem Internet zurück und beklagte mit seinem Boykott Rassismus und Mobbing.

Im selben Jahr gab es sogar einen Social-Media-Boykott im englischen Fußball. Doch nachhaltig war der nicht. Nach dem verlorenen EM-Finale der Engländer wenige Monate später wurden die Spieler Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka rassistisch verunglimpft, nachdem sie beim Elfmeterschießen nicht getroffen hatten. In der Folge waren einige Nutzer festgenommen und später verurteilt worden.

Werders Füllkrug hofft darauf, irgendwann eine Lösung für die Hetze im Netz zu finden. Einen Vorschlag hat er: „Vielleicht sollte man solche Themen mal in einem Schulfach berücksichtigen, wie man sich in den Medien benimmt und was das mit Leuten macht.“ dpa

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