Handball - Die Rhein-Neckar Löwen haben zwar einige Trainerfavoriten, doch manch eine Wunschlösung wird schwer zu realisieren sein Das Trainerkandidaten-Karussell bei den Rhein-Neckar Löwen

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Marc Stevermüer
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Mannheim. Einen Mangel an Bewerbern wird es gewiss nicht geben. Wenn ein Trainerposten bei den Rhein-Neckar Löwen zu vergeben ist, halten sich immer viele für geeignet. Allein schon deshalb, weil der zweifache deutsche Handball-Meister schlichtweg zu den begehrtesten Adressen gehört. Doch nicht jeder, der im Sommer Nachfolger von Martin Schwalb bei den Badenern werden will oder zu haben ist, ist dieser Aufgabe auch gewachsen. Infrage kommt nur ein überschaubarer Kreis, was das ohnehin nicht kleine Problem noch größer macht. Denn geeignete Kandidaten stehen meistens bei anderen Vereinen oder Nationalverbänden unter Vertrag. Die Olympischen Spiele (23. Juli bis 8. August) sind ein weiteres Hindernis. Denn Trainer, die mit ihren Teams in Tokio dabei sind, würden den Löwen zum Start der Saisonvorbereitung fehlen.

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Nach Informationen dieser Redaktion will der Bundesligist spätestens in sechs bis acht Wochen einen Nachfolger für Schwalb präsentieren, was nur unterstreicht, wie unvorbereitet der Abschied den Club trifft – und zwar auf allen Ebenen. Denn die Personalplanungen für die kommende Saison sind noch lange nicht abgeschlossen. Im Sommer enden beispielsweise die Arbeitsverträge der Spieler Niclas Kirkeløkke, Mait Patrail und Jesper Nielsen. „Der kommende Trainer wird selbstverständlich in die Personalentscheidungen mit eingebunden“, sagt Geschäftsführerin Jennifer Kettemann. Sprich: Was mit dem Trio passiert, ist momentan vollkommen unklar.

Wird einer aus diesem Quartett der neue Löwen-Trainer? Dagur Sigurdsson (großes Bild), Sebastian Hinze (kleines Bild oben), Ljubomir Vranjes (kleines Bild mittig) oder Christian Berge (kleines Bild unten). © dpa

Wie bereits berichtet, beschäftigen sich die Löwen bei der Trainersuche mit Sebastian Hinze, Dagur Sigurdsson und Christian Berge. Sie wurden thematisiert. Nicht mehr. Nicht weniger. Kein Topkandidat ist Ljubomir Vranjes, was keinesfalls heißt, dass er es nicht doch wird. Oder ein ganz anderer. Denn beim badischen Bundesligisten wissen sie selbst noch nicht, was überhaupt realisierbar ist – und was nicht. Wir stellen die momentanen Kandidaten vor.

Dagur Sigurdsson

Der Isländer wäre die größte und prominenteste aller angestrebten Lösungen – und ist zugleich die am schwierigsten umsetzbare Variante. Sigurdsson trainiert momentan die japanische Nationalmannschaft, vertraglich ist er bis 2024 an die Asiaten gebunden. Obwohl solch ein Modell nicht unbedingt favorisiert wird, können sich die Löwen bei ihrem künftigen Coach auch eine Doppelfunktion als Club- und Nationalmannschaftstrainer vorstellen. Auf unterschiedlichen Kontinenten dürften aber beide Aufgaben parallel nur sehr schwer zu bewältigen sein, für Olympia sind die Japaner außerdem schon qualifiziert. Fachlich ist der 47-Jährige über jeden Zweifel erhaben. Er kennt die Bundesliga und etablierte die Füchse Berlin (2009-2015) in der Spitzengruppe, führte die deutsche Nationalmannschaft 2016 zu EM-Gold und Olympia-Bronze und zeigte zuletzt bei der WM in Ägypten, welch große Fortschritte die Japaner seit seiner Amtsübernahme 2017 machen. Außerdem spricht Sigurdsson fließend Deutsch.

Christian Berge

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Der Norweger ist in Deutschland nicht so bekannt wie Sigurdsson, aber eine der ganz großen Nummern im Handball-Geschäft. Dass der 47-Jährige langfristig etwas aufbauen und entwickeln kann, hat er als Nationaltrainer seines Heimatlandes nachgewiesen. Er führte das Team aus dem internationalen Mittelmaß in die absolute Weltspitze: WM-Zweiter 2017 und 2019, EM-Dritter 2020. Berge spielte einst in der Bundesliga für die SG Flensburg-Handewitt (1999-2006), spricht Deutsch, ist aber bis 2025 vertraglich an den norwegischen Verband gebunden. Es wäre nur eine Doppelfunktion möglich, eine Olympia-Teilnahme der Norweger ist außerdem sehr wahrscheinlich.

Sebastian Hinze

Der Wuppertaler trainiert seit 2012 den Bergischen HC, mit dem er zweimal in die Bundesliga auf- und einmal abstieg. Mittlerweile hat der 41-Jährige den Club im Oberhaus etabliert, junge Spieler wie Lukas Stutzke gefördert und sie in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gebracht. Da der BHC keine Angaben zur Dauer seines Arbeitspapiers gemacht hat, ist seine Vertragslage unbekannt. Möglicherweise würde er eine Ablösesumme kosten – und das könnte ein Hindernis sein.

Ljubomir Vranjes

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Der Schwede beherrscht die deutsche Sprache und kennt die Bundesliga bestens, er war als Spieler für die HSG Nordhorn (2001-2006) und die SG Flensburg-Handewitt (2006-2009) aktiv. Von 2010 bis 2017 trainierte der gebürtige Göteborger außerdem die SG, mit der er den Europapokal der Pokalsieger (2012), die Champions League (2014) und den DHB-Pokal (2015) gewann. Vertraglich ist er noch bis 2024 an die slowenische Nationalmannschaft gebunden, die Vranjes 2020 überraschend ins EM-Halbfinale führte und die er noch zu Olympia bringen kann.

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Stutzig machen einen allerdings seine vergangenen zwei Stationen als Club-Trainer. Sowohl bei Telekom Veszprém als auch bei IFK Kristianstad endeten seine beiden Engagements jeweils recht schnell und erfolglos nach nicht einmal zwei Jahren.

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