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Fußball

Das Hoffen auf den großen Ruck

Anders als bei anderen Turnieren soll der Rückenwind für den Frauenfußball nicht mit dem Ende der Europameisterschaft abflauen

Von 
Frank Hellmann
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Auch Topclubs wie der VfL Wolfsburg (hier beim DFB-Pokalsieg) erhoffen sich in Zukunft mehr Zuschauer. © Fabian Strauch/dpa

London. Siegfried Dietrich hat inzwischen mehr als sein halbes Leben lang daran gewerkelt, dem Frauenfußball zu mehr Sichtbarkeit und Anerkennung zu verhelfen, und in den 90er Jahren hat es bei seinem Pionierverein 1. FFC Frankfurt auch wahre Quantensprünge von einem bescheidenen Ausgangsniveau gegeben. Doch auch der 65-Jährige muss sich im Rückblick eingestehen, dass es im vergangenen Jahrzehnt entweder nur noch in Tippelschritten vorwärtsging – oder sogar Rückschritte zu verzeichnen waren. Vom Hype um die Heim-WM 2011 ist beispielsweise kein Effekt geblieben. Manche Vision zerplatzte wie ein zu kräftig aufgeblasener Luftballon.

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Doch diesmal ist Dietrich als Vorsitzender des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen und Sportdirektor der Frauen von Eintracht Frankfurt überzeugt davon, dass es mit dieser EM einen „Ruck nach vorne“ gibt. „Wir wollen nach der erfolgreichen EM mit allen Verantwortlichen der Liga und dem DFB ein neues Wahrnehmungszeitalter der Frauen-Bundesliga einläuten“, betont Dietrich.

Bundesligastart als Meilenstein

Es wäre genau das, was sich die meisten Nationalspielerinnen wünschen. Dass sie nicht nur EM-Partien in England vor 15 000 oder 20 000 Zuschauern bestreiten, sondern wenigstens ab und zu im Vereinsalltag mehr als die bislang 1000 Besucher im Schnitt kommen. Für Svenja Huth vom VfL Wolfsburg wäre es „ein toller Erfolg, wenn wir es schaffen, die Menschen hier zu begeistern, zu gewinnen, aber auch nachhaltig zu binden“.

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Der erste Meilenstein soll am 23. September mit dem Eröffnungsspiel der Frauen-Bundesliga zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München gesetzt werden. In der großen Arena im Stadtwald. An einem Freitagabend. In derselben Konstellation, mit der am 5. August die Männer-Bundesliga eröffnet wird.

In Frankfurt hoffen die Verantwortlichen auf bis zu 30 000 Fans. Gerade weil die Eintracht so en vogue ist. Deshalb kamen zum letzten Saisonspiel gegen Werder Bremen plötzlich 4500 Zuschauer ins Stadion am Brentanobad in Frankfurt-Rödelheim. Dietrich schwärmt von einem „Highlightspiel im Herzen von Europa“, bei dem der Besucherrekord fallen soll. Bestmarke sind 12 464 Augenzeugen, die 2014 im Stadion am Elsterweg erlebten, wie sich der VfL Wolfsburg gegen den 1. FFC Frankfurt in der vorletzten Minute zum Meister krönte.

Auch DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich ist zuversichtlich, „dass unsere Erfolge bei der EM keine Eintagsfliege bleiben“. Bei besseren Bedingungen, Infrastruktur und Vermarktung für die Frauen-Bundesliga seien alle gefragt. Und es geht nicht ohne die Tat- und Strahlkraft der großen Männermarken – so ehrlich müssen alle sein. Durchschnittlich erwirtschaftet ein Frauen-Bundesligist 1,3 Millionen Euro, hat aber Ausgaben von 2,5 Millionen Euro. Daher müssen in Deutschland mehr als nur zwei, drei Vereine das Rad mit Schwung drehen.

Das Ausland macht es vor, dass sich das Investment auch fürs eigene Nationalteam lohnt. Hätte der FC Barcelona sich nicht zu seiner Frauenabteilung bekannt, stünde Spanien nicht so gut da. Ohne das Engagement vom Chelsea FC oder Arsenal FC wäre England nicht so stark und ohne Olympique Lyon und Paris Saint-Germain Frankreich nicht so versiert. Deshalb war die vom DFB veranstaltete erste Leadership-Reise für die Frauen-Bundesliga wichtig, als DFB-Akademieleiter Tobias Haupt zuletzt 17 Vereinsvertreter vier Tage durch England führte.

Letzter Schritt fehlt noch

Dietrich sagt, die EM und die internationale Entwicklung gäben für Deutschland Anlass dazu, „manche Negativschlagzeilen der Vergangenheit abzuhaken“. Bis auf die Torhüterinnen Almuth Schult (Angel City FC) und Ann-Katrin Berger (FC Chelsea) sowie Mittelfeldakteurin Sara Däbritz (Olympique Lyon) stehen alle Nationalspielerinnen in Deutschland unter Vertrag. Wenn sie jetzt zum Halbfinale gegen Frankreich erstmals deutlich mehr als zehn Millionen Zuschauer vor die TV-Geräte ziehen, kann sich vieles von selbst ergeben.

Das gestiegene Niveau der Partien und die sympathische Ausstrahlung der Protagonistinnen sind unbestritten. Danach geht es für Förderer wie Dietrich um den letzten Schritt: Menschen zu bewegen, sich mal eine Begegnung der Frauen-Bundesliga anzusehen – am Fernseher oder vor Ort. Er ist überzeugt, dass sich somit neue Publikumsschichten gewinnen lassen, denn: „Man kann den Qualitätsstandard einer neuen Frauenfußball-Generation bewundern.“

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