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Viertelfinale - Eriksen ist in Gedanken immer präsent

Dänemarks emotionale EM-Reise geht im Halbfinale gegen England weiter

Von 
Florian Lütticke
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1000 dänische Fans unterstützten ihr Team im fernen Baku – die Anhänger gelten als das Fundament der Erfolge bei dieser EM. © dpa

Baku. Auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer emotionalen Reise dachten die neuen dänischen EM-Helden sofort an ihren sehnsüchtig vermissten Freund und Teamkollegen. Nach dem Jubel-Taumel von Baku über den ersten Halbfinaleinzug seit dem Überraschungstriumph 1992 soll Christian Eriksen auch als Inspiration für das große Duell mit Gastgeber England in London dienen. „Ich denke jeden Tag an Christian, vor dem Spiel und nach dem Spiel“, sagte Coach Kasper Hjulmand nach dem 2:1-Erfolg gegen Tschechien ergriffen. „Ich bin froh, dass er überlebt hat. Wir haben ihn hierhin mitgenommen und werden ihn auch mit nach Wembley nehmen.“

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Seit dem bangen Zittern um Eriksen nach dessen Zusammenbruch im ersten EM-Gruppenspiel wird das dänische Team emotional durch dieses Turnier getragen. In der Heimat feierten die Fans nicht nur in Kopenhagen stolz und ausgelassen die Nachfolger von Danish Dynamite. Auch ans Kaspische Meer waren mehr als 1000 Anhänger mitgereist. Hjulmand jubelte ihnen mit einem rot-weißen Schlapphut zu, der überragende Thomas Delaney hüpfte mit nacktem Oberkörper eingehüllt in eine dänische Fahne auf und ab. Das gesamte Team versammelte sich vor dem eigenen Fan-Block zum ganz großen Fußball-Familienfoto.

Stolz präsentierten Yussuf Poulsen & Co. Bilder davon auf Insta-gram. Dass Eriksens Account bei dem Sozialen Netzwerk jedes dieser Fotos auf den Profilen seiner Mitspieler noch in der Nacht zu Sonntag mit einem Herzchen versah, zeigt, wie eng die Bindung ist. „Christian hat letzte Nacht geschrieben, dass er sehr stolz auf uns ist“, sagte Borussia Dortmunds Delaney in einem von zahllosen bewegenden Momenten. „Er war der beste Spieler über viele Jahre, wir tragen ihn in unserem Herzen, er sollte hier bei uns sein. Wir kämpfen immer noch damit. Aber ihn stolz zu machen, macht mich glücklich.“

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Die nächste Chance dafür bietet sich am Mittwochabend (21 Uhr), wenn bei Final-Gastgeber England der nächste Coup gelingen soll. „JA, JA, JA“, schrieb die Zeitung „B.T.“. „Wilde Party in Baku! Wembley, HERE WE COME“. Nach zwei Niederlagen zum Auftakt hatte es zuvor noch nie ein EM-Teilnehmer bis ins Halbfinale geschafft – es gibt nur wenige Fans in Europa, die Dänemark diesen Erfolg nicht gönnen.

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Strand-Foto mit jungem Fan

Nach aktuellem Stand dürfen wegen der Corona-Beschränkungen aber nur in Großbritannien lebende Dänen ins Stadion. Hjulmand appellierte deshalb bereits an Premierminister Boris Johnson, diese Regelung zu lockern. Am Sonntagmittag startete der Verkauf von 5000 Karten – und der Andrang war sofort enorm. Er fühle diese übergreifende Unterstützung der Fans definitiv, sagte Hjulmand und setzte zu einem Monolog der großen Worte über das Schicksal Eriksens an: „Es gibt so viele Agendas im Fußball, aber in diesen Momenten haben wir uns alle daran erinnert, warum wir begonnen haben, Fußball zu spielen und auf welchen Werten der Fußball basiert.“

Das bislang letzte Mal hatte Eriksen sich über Instagram vor knapp drei Wochen mit erhobenem Daumen aus dem Krankenhaus gezeigt. Inzwischen ist der 29-Jährige entlassen, am Wochenende tauchte ein erstes Foto auf, dass ihn laut dänischen Medien am Strand in Tisvilde mit einem jungen Fan zeigen soll. „Er sah gesund und gut aus, das war sehr schön zu sehen“, sagte der elfjährige Björn Bindzus der Zeitung „B.T.“, die das Foto veröffentlichte.

Das Drama um seinen Anführer hat nicht nur das Team noch enger zusammenrücken lassen. Der Ex-Mainzer Hjulmand sprach nach dem hart erkämpften Erfolg in der schwülen Abendhitze davon, dass auch die Unterstützung der Fans seiner Mannschaft die notwendige Energie für den Sprung unter die besten Vier des Kontinents verschafft habe. Die 2:0-Halbzeitführung durch Delaney (5. Minute) und Kasper Dolberg (42.) verteidigten die Dänen auch nach dem fünften Turniertreffer von Patrik Schick (49.) leidenschaftlich. „Wir haben so viel zusammen durchgemacht. Wir sind eine wunderbare Gruppe, wir vertrauen uns gegenseitig, wir sind füreinander da“, erläuterte Kapitän Simon Kjaer das dänische Erfolgsrezept. „Dazu wissen wir, dass es Christian gut geht. Wir spielen für ihn.“ Auch in Wembley. 

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Thema : Fussball-EM 2021

  • Nationalmannschaft Bierhoff schaut in die Zukunft

    Zum Abschied von Langzeit-Bundestrainer Joachim Löw gab es noch ein letztes Abendessen mit „sehr gedämpfter“ Stimmung. Knapp einen Monat nach dem enttäuschenden EM-Aus der deutschen Nationalmannschaft schaut Oliver Bierhoff aber wieder nach vorne, weit über die rasch anstehende Weltmeisterschaft 2022 in Katar hinaus. „Ich sehe uns gut gerüstet für 2024“, sagte der Direktor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der „Welt am Sonntag“. Die Nationalmannschaft habe die Fans zuletzt „mehrmals enttäuscht“, räumte Bierhoff ein. Die DFB-Auswahl wolle als Aushängeschild des deutschen Fußballs das Vertrauen aber zurückgewinnen. Mit Hoffnungsträger Hansi Flick – und vielleicht auch mit Thomas Müller und Mats Hummels. „Ich habe von beiden zumindest kein negatives Signal bekommen“, sagte der 53 Jahre alte Bierhoff. „Sie haben sich toll integriert und die Mannschaft bei der EM mit geführt. Ich gehe davon aus, dass sie uns weiterhin zur Verfügung stehen.“ Lob für Müller und Hummels {element} Müller und Hummels haben sich bislang nicht konkret zu ihren Zukunftsplänen in der Nationalmannschaft geäußert. Zuletzt verbreiteten sie fröhliche Bilder aus dem Urlaub. Dass der frühere Bayern-Trainer Flick (56) von Löw übernommen hat, spricht besonders bei Müller für weitere Spiele im DFB-Trikot. {furtherread} „Hansi geht mit einer unheimlichen Vorfreude und Begeisterung an seine Aufgabe. Und diese Begeisterung soll sich auf die Mannschaft, die Fans, auf den gesamten DFB übertragen“, sagte Bierhoff, der mit der Unterschrift des Titelsammlers seine eigene Position stärken konnte. Flicks DFB-Auswahl startet Anfang September in der WM-Qualifikation mit drei Partien gegen Liechtenstein, Armenien und Island in die neue Saison. dpa

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  • Sport Auf Rüge folgt Bitte um Verzeihung

    Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger bleibt nach einer Entschuldigung TV-Experte der ARD. Das bestätigte der öffentlich-rechtliche Sender am Freitag. „In den vergangenen Tagen haben umfangreiche Gespräche zwischen der ARD und Bastian Schweinsteiger stattgefunden“, hieß es dazu in einer Mitteilung. Dabei habe Schweinsteiger „erklärt, es tue ihm leid, dass durch seine Social-Media-Aktivitäten während der Halbzeit-Pause der Übertragung vom Viertelfinal-Spiel England – Ukraine im Ersten der Eindruck entstanden ist, er vermische seine Tätigkeit als ARD-Experte mit Werbung für Sponsoren. Dies sei so von ihm nicht beabsichtigt gewesen.“ Zuvor hatte das Erste den Auftritt Schweinsteigers bei der TV-Übertragung von der Europameisterschaft und das Absetzen eines Tweets mit Werbebotschaft zwei Wochen lang geprüft. Mehrfach hatte der bei der EM federführende WDR erklärt, dass er Schweinsteiger und sein Management „um eine Stellungnahme zu dem Vorfall“ gebeten habe. Post mit Schleichwerbung {element} Zudem hatte der Sender nach eigenen Angaben dem ehemaligen Profi „sehr deutlich gemacht, dass die ARD gemäß ihrer Richtlinien keine Form von Schleichwerbung und nicht kenntlich gemachter Produktplatzierung ihrer Protagonisten duldet“. Er hatte „in der Halbzeitpause ohne unsere Kenntnis bei Social Media einen Post im Rahmen einer bezahlten Werbepartnerschaft“ veröffentlicht, wie der WDR schrieb. {furtherread} Auf Schweinsteigers Account war ein Beitrag mit zwei Bildern zu sehen, eines davon ein Ausschnitt, auf dem die Uhr an seinem Handgelenk im Mittelpunkt stand. Diese war bei der TV-Übertragung auch deutlich zu sehen war. Zudem gab es einen Link zum Hersteller, für die er seit 2019 als Markenbotschafter tätig ist. Beide Seiten sind sich „einig, dass Bastian Schweinsteiger alles dafür tun wird, damit sich ein solcher Vorfall nicht mehr wiederholt“, hieß es seitens der ARD. „Über den genauen Inhalt der Gespräche wurde Vertraulichkeit vereinbart.“ Der Fußball-Weltmeister von 2014 arbeitet seit 2020 für das Erste. dpa

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  • Sport Emotionale Botschaft

    Nach der Niederlage der englischen Nationalmannschaft im EM-Finale gegen Italien wird in Großbritannien heftig über Rassismus debattiert. Im Zentrum stehen mehrere prominente Fußball-Profis, die der Regierung teils schwere Vorwürfe machen. Hintergrund sind rassistische Anfeindungen im Internet gegen die Nationalspieler Marcus Rashford, Bukayo Saka und Jadon Sancho, die bei der 2:3-Niederlage im Elfmeterschießen am Sonntagabend nicht getroffen hatten. In Manchester wurde auch ein Wandgemälde mit dem Porträt Rashfords mit rassistischen Parolen beschmiert. Verteidiger Tyrone Mings machte die britische Innenministerin Priti Patel indirekt für die aufgeheizte Stimmung gegen die Spieler verantwortlich. „Man kann nicht zu Beginn des Turniers das Feuer schüren, in dem man unsere Anti-Rassismus-Botschaft als „Symbolpolitik“ bezeichnet & dann vorgeben, angeekelt zu sein, wenn genau das passiert, gegen das wir uns einsetzen“, schrieb der 28 Jahre alte Mings auf Twitter. {element} Patel hatte wie auch Premierminister Boris Johnson den Rassismus deutlich verurteilt und sich „angeekelt“ gezeigt. Doch das nahmen ihr Mings und andere Kritiker nicht ab. Hintergrund ist, dass die konservative Politikerin in der Vergangenheit immer wieder Verständnis für Fans erkennen ließ, die ihre Mannschaft für das Niederknien vor Spielen ausbuhten. {furtherread} Mit der Geste wollten die Fußballer ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Sie stammt aus der „Black Lives Matter“-Bewegung. Die haben Johnson und sein Kabinett aber als ideologischen Feind ausgemacht. Das Stichwort heißt „war on woke“ – es geht darum, die Empörung in Teilen der Bevölkerung über die angeblich übertriebene Rücksichtnahme auf ethnische und andere Minderheiten politisch auszuschlachten. Patel im Fokus Nach Ansicht von Politik-Experten will die Regierung damit ihre wackelige Wählerkoalition aus Brexit-Befürwortern vom rechten und linken politischen Spektrum zusammenhalten, wenn der EU-Austritt an Zugkraft verliert. Auch der Premier hatte es sorgsam vermieden, die Geste gutzuheißen. Er glaube nicht an Symbolpolitik, sagte er dem konservativen Radiosender LBC Anfang des Monats. Patel äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Überhaupt war die Zurückhaltung in der Downing Street am Dienstag auffällig. Von politischer Seite stellte sich lediglich Finanzstaatssekretär Steve Barclay hinter die Innenministerin. „Sie hat rassistische Beleidigungen im Internet durchgehend verurteilt“, sagte Barclay dem Nachrichtensender Sky News. Außerdem sei sie selbst bereits Opfer rassistischer Anfeindungen geworden. Patel hat indisch-ugandische Wurzeln, gründete ihre politische Karriere aber auf dem Ruf, eine harte Linie gegen illegale Einwanderung zu verfolgen. Womöglich ahnt die Regierung, dass sie in der Auseinandersetzung mit den populären Fußballstars den Kürzeren ziehen könnte. Rashford hatte die Johnson-Regierung bereits im vergangenen Jahr mit seiner Kampagne für kostenlose Schulmahlzeiten für finanziell schwache Familien während des Schul-Lockdowns und der Ferien vor sich hergetrieben. In einer emotionalen Botschaft meldete er sich zu der Beschmutzung seines Porträts zu Wort. „Ich kann mir Kritik an meiner Leistung den ganzen Tag lang anhören, mein Elfmeter war nicht gut genug, er hätte reingehen sollen, aber ich werde mich niemals dafür entschuldigen, wer ich bin und wo ich herkomme“, schrieb der 23-Jährige. Er bedankte sich aber auch für große Unterstützung. Die Schmierereien waren am Dienstag rasch mit Hunderten positiven Botschaften überklebt worden. „Die Botschaften, die ich heute erhalten habe, waren geradezu überwältigend, die Antwort in Withington hat mich den Tränen nahe gebracht“, schrieb Rashford weiter. Wegen seines Fehlschusses fühle er sich, als habe er seine Teamkollegen im Stich gelassen und frage sich seitdem immer wieder, warum er nicht getroffen habe. Sein Statement schloss er mit den Worten: „Ich bin Marcus Rashford, 23 Jahre alt, schwarzer Mann aus Withington und Wythenshawe, South Manchester. Wenn ich nichts anderes habe, habe ich dies. Für alle freundlichen Nachrichten, danke. Ich werde stärker zurückkommen. Wir werden stärker zurückkommen. MR10.“ Gefahr für Johnson Für Johnson sind die jungen Fußballer womöglich gefährlicher als die Opposition im Parlament. Der Premier inszenierte sich während des Turniers als Fußball-Fan, ließ sich bei Luftsprüngen vor dem Fernseher filmen und posierte auf einer gigantischen England-Fahne in der Downing Street. Die Begeisterung nahm ihm zwar nicht einmal die erzkonservative Zeitschrift „The Spectator“ so richtig ab, doch zeitweise sah es so aus, als könne er von dem Fußball-Märchen der englischen Mannschaft profitieren. Doch damit ist es nun vorbei. Wann der Premier die Mannschaft zu einer Ehrung für ihre Leistung bei der EM im Regierungssitz empfangen werde, konnte ein Sprecher am Dienstag nicht beantworten. dpa

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