Fußball - Nach dem 1:4 gegen Bremen spielt Hertha BSC nun endgültig gegen den Abstieg und trennt sich vom Duo Preetz/Labbadia Berliner Beben statt „Big City“

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Arne Richter
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Das desaströse 1:4 gegen Werder Bremen brachte das Fass zum Überlaufen. Geschäftsführer Michael Preetz (links) und Trainer Bruno Labbadia mussten bei Hertha BSC Berlin am Sonntag gehen. © dpa

Berlin. Bruno Labbadia rauschte in seinem schwarzen Sportwagen eilig davon. Michael Preetz übergab nach dem abrupten Ende seiner Ära noch rasch die wichtigsten Amtsgeschäfte an Nachfolger Arne Friedrich. Trainer Labbadia und Dauer-Manager Preetz sind an den Big-City-Ansprüchen bei Hertha BSC krachend gescheitert. Statt Königsklassen-Glamour herrscht in Berlin schon wieder Abstiegskampf. Geschäftsführer Carsten Schmidt hat als neuer starker Mann vorerst Sportdirektor Arne Friedrich als Preetz-Nachfolger bis zum Sommer zum Kaderplaner befördert. Den nächsten Trainer wollen die Berliner möglichst schon am Montag präsentieren.

Elf Hertha-Trainer unter Preetz

In den gut elf Jahren von Michael Preetz als Manager von Hertha BSC (2009-2021) arbeiteten elf verschiedene Trainer für den Berliner Fußball-Bundesligisten. Am Sonntag wurde der frühere Stürmer beurlaubt.

Juni 2007 - September 2009: Lucien Favre. – Oktober 2009 - Mai 2010: Friedhelm Funkel. – Juli 2010 - Dezember 2011: Markus Babbel. – Dezember 2011 - Februar 2012: Michael Skibbe. – Februar 2012 - Juni 2012: Otto Rehhagel. – Juli 2012 - Februar 2015: Jos Luhukay. – Februar 2015 - Juni 2019: Pal Dardai. – Juli 2019 - November 2019: Ante Covic. – November 2019 - Februar 2020: Jürgen Klinsmann. –Februar 2020 - April 2020: Alexander Nouri. – April 2020 - Januar 2021 : Bruno Labbadia.

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„Morgen ist ein guter Tag“, sagte Schmidt am Sonntag in einem Mediengespräch des Fußball-Bundesligisten und bestätigte, dass der Ex-Coach und aktuelle Jugendtrainer Pal Dardai zu den Kandidaten gehört. Um den in der Hauptstadt heiß gehandelten Namen Ralf Rangnick wand sich Top-Manager Schmidt in seinen Aussagen herum. Der einstige Stratege im Red-Bull-Imperium und Ex-Coach von RB Leipzig würde zwar die Fan-Basis nicht glücklich machen, aber zu den visionären Champions-League-Zielen von Geldgeber Lars Windhorst passen.

„Wir wollen am Dienstag jemanden auf dem Platz haben, der uns zusammenschweißt und in die Lage versetzt, bei Eintracht Frankfurt was zu holen“, sagte Schmidt. Das Hertha-Problem bei Rangnick: Er möchte möglicherweise gar nicht nach Berlin. Am Sonntag wollte sich der 62-Jährige auf Anfrage nicht zu den Spekulationen äußern.

In einer Krisensitzung wurde am Sonntag bei der Hertha zunächst die nach dem nächsten sportlichen Tiefschlag durch das 1:4 gegen Werder Bremen allseits erwartete Entscheidung mit der Trennung von Labbadia und Preetz fixiert. Labbadia konnte Schmidt qua Amt beurlauben. Doch auch bei der vom Präsidium vollzogenen Preetz-Trennung wurde seine Einschätzung befolgt, machte Schmidt seinen großen Einfluss deutlich. Labbadia und Preetz haben noch Verträge bis zum Sommer 2022 und bekamen von Präsident Werner Gegenbauer und Schmidt nach der Talfahrt nur noch ein paar freundliche Worte mit auf den Weg.

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Das erwartete Duo Dardai/Friedrich dürfte nur Übergangscharakter haben. Schmidt betonte zwar, dass das Windhorst-Lager keine Entscheidungen beeinflusse, aber die Denke bleibt groß in Berlin. Bis zum Sommer darf sich Ex-Nationalspieler Friedrich über den internen Aufstieg freuen. In einer Ansprache an die Mannschaft habe der 41-Jährige überzeugt. Preetz’ Titel als Geschäftsführer bekommt Friedrich nicht. Er bleibt Sportdirektor nachdem ihn Ex-Coach Jürgen Klinsmann vor gut einem Jahr mit dem dubiosen Titel „Performance Manager“ aus den USA nach Berlin zurückgeholt hatte.

Hertha-Ikone Preetz wurde nach einem Vierteljahrhundert im Verein auch das Festhalten an Labbadia zum Verhängnis. Fast wortgleich hatten Labbadia und Preetz das nächste desaströse Resultat gegen Bremen kommentiert. „Es fehlen die Argumente weil wir einfach zu wenig Ergebnisse liefern, da stehe ich in der Verantwortung“, sagte der total frustrierte Labbadia. Er sei „nicht ratlos, aber geschockt“, sagte der 54-Jährige, der nach nur neun Monate schon wieder gehen muss. „Du hast keine Argumente nach so zwei Spielen“, sprach Preetz von dem Heimniederlagen-Doppelpack gegen Bremen und gegen Hoffenheim (0:3).

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Tatsächlich dauert die Berliner Misere viel länger an. In acht Spielen gab es nur einen Sieg gegen Schlusslicht Schalke (3:0). Sechs Kontrahenten kamen dabei aus der unteren Tabellenhälfte. Schmidt musste handeln, wollte er seine Tatkraft demonstrieren und seinen eigenen Worten gerecht werden. Bessere Resultate im Januar hatte der frühere Sky-Boss gefordert. Die blieben auf dramatische Weise aus. dpa

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Von
Alexander Müller
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