Fußball

Angeschlagen in die Pause

Die TSG Hoffenheim setzt ihre Negativserie fort, doch Manager Alexander Rosen versucht, die Lage zu relativieren

Von 
Ulrike John
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Sinsheim. Gegen den Vorwurf der Arroganz oder Naivität wollte sich Alexander Rosen nach dem verpatzten Jahresabschluss der TSG Hoffenheim nicht auch noch wehren. „Dann schreiben Sie es doch einfach“, antwortete der Sportchef des kriselnden Bundesligisten einem Journalisten, der in diese Richtung gefragt hatte. Nur für einen kurzen Moment rutschte dem 43-Jährigen dabei sein Lächeln aus dem Gesicht, mit dem er sich am Samstag eine halbe Stunde lang stellte und die schwierige Lage analysierte.

Zum Verzweifeln: Hoffenheims französischer Angreifer Georginio Rutter (links) ärgert sich nach einer weiteren vergebenen Torchance. © Uwe Anspach/dpa

Unter Chefcoach André Breitenreiter gelang der TSG in den vergangenen neun Liga-Partien nur ein Sieg, beim Tabellenletzten FC Schalke 04. Zudem war das 1:2 gegen den VfL Wolfsburg das fünfte Heimspiel nacheinander ohne einen Dreier. Die Hoffenheimer rutschten damit in der Tabelle weiter ab, zum VfB Stuttgart auf dem Relegationsplatz sind es nur noch vier Punkte.

Gut nur zwischen den Sechzehnern

Damit stehen die Hoffenheimer nun schlechter da als am Ende der vergangenen Saison mit einer ähnlichen Negativ-Serie wie jetzt – die Chefcoach Sebastian Hoeneß damals den Job kostete. Mehrheitseigner Dietmar Hopp hatte danach bei der Mitgliederversammlung die Mannschaft kritisiert und wiederholt, dass Tabellenplatz sechs der Anspruch sei. Dass der nächste Rückschlag gegen Wolfsburg ziemlich unglücklich war, spielte Rosen und Breitenreiter bei ihrer Verteidigungsstrategie in die Karten. Ebenso wie die Tatsache, dass die Stürmer Ihlas Bebou und Munas Dabbur und Mittelfeldakteur Grischa Prömel schwer verletzt sind und Andrej Kramaric als einziger WM-Teilnehmer der TSG nicht gerade in Topform mit Kroatien nach Katar reist.

Die Führungsspieler im Team sehen es jedoch ziemlich pragmatisch. „Wir haben zwischen den 16-Meter-Räumen ein richtig gutes Spiel gemacht. Aber die Spiele werden in der Box entschieden“, sagte Christoph Baumgartner. Der Österreicher ist seit Wochen einer der Besten und stellte sich auch nach jeder Niederlage tapfer den Fragen. Torhüter und Kapitän Oliver Baumann fordert: „Wir müssen uns zügig weiterentwickeln. Wir tun uns zu schwer, Tore zu erzielen und bekommen zu einfach Gegentreffer.“

Hinten heraus, sagte Rosen mit Blick auf die Punkteausbeute aus den ersten 15 Spieltagen, „war’s noch nicht mal ausreichend“. Bei den Spielleistungen habe man jedoch „viele gute Dinge gesehen.“ Die drei Niederlagen gegen den FC Bayern, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt seien gegen Topteams gewesen, „die alles weghauen“. Unterm Strich stehen aber zum Beispiel auch null Punkte gegen Werder Bremen und Wolfsburg und die Tatsache, dass ausgerechnet Konkurrenten wie Frankfurt und der SC Freiburg, die international spielen und eine Doppelbelastung haben, an den Hoffenheimern zügig vorbeigezogen sind.

Ambitionen haben weiter Bestand

Breitenreiter will seine Ambitionen „nicht nach unten schrauben. Wir werden die Phase nutzen, um fleißig zu trainieren“, versprach der 49-Jährige. „Man darf doch ambitioniert sein. Warum soll er nach der heutigen Leistung davon abrücken? Nehmen Sie die Tore weg, schauen Sie sich das Spiel an und suchen Sie sich die bessere Mannschaft aus!“, forderte Rosen in der Medienrunde. Rosen will in seiner Zwischenbilanz in seinem zehnten Jahr als Direktor Profifußball aber auch berücksichtigt sehen, dass die TSG zum Beispiel nach seinen Angaben die meisten Nachwuchs-Nationalspieler aller Bundesligisten habe – und auf vielen Felder innovativ unterwegs sei.

Nun werde aber erstmal analysiert und gearbeitet – „und zwar hart und lang. Da ist doch keiner zufrieden heute.“ Dass sich so mancher wunderte, wie locker und leicht der eloquente Manager die Lage bewertete, nahm Rosen mit einer sarkastischen Bemerkung hin: „Dann sind sie einfach verwundert. Das möchte ich Ihnen nicht nehmen.“ dpa

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