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Olympia - Die Eröffnung des Olympischen Dorfes zeigt, was die Athleten in Tokio erwarten wird

Abgeschottete Isolierstation

Von 
Lars Nicolaysen, Andreas Schirmer
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Tokio. Die Eröffnung des Olympischen Dorfes in Tokio ist eine geheime Kommandosache gewesen. Statt einer feierlichen Begrüßung der ersten Athleten mit Musik und Fahne hissen, mussten sie durch die Hintertür und abgeschirmt von der Öffentlichkeit das stark gesicherte Areal betreten. Die Organisatoren wollten weder die Zahl der Sportler noch Details zum Einzug nennen und keine Film- und Foto aufnahmen zulassen. „Der Ablauf der Spiele wurde vereinfacht und alle Zeremonien im Olympischen Dorf gestrichen“, hieß es in einer Mitteilung. „Wir hoffen auf Verständnis für die Notwendigkeit dieser Vorsichtsmaßnahmen, um die Verbreitung von Covid-19 zu verhindern.“

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Dies dürfte nur der Vorgeschmack dafür sein, was die rund 18 000 Athleten und Offizielle, die in den 21 Gebäuden innerhalb des 44 Hektar großen Dorfes in der Bucht von Tokio wohnen werden, zu erwarten haben. Eine von der Außenwelt abgeschottete Isolierstation statt wie sonst eine Heimstatt mit Partyzone als Ort der Begegnung.

434 Sportler aus Deutschland

Das Athletendorf im Hafenviertel Harumi wird kein Ort der Begegnung sein. © dpa

Bis Ende dieser Woche werden voraussichtlich mehr als 2200 Teilnehmer in Tokio sein. Die Vorhut des Deutschen Olympischen Sportbundes mit Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig an der Spitze ist bereits eingezogen. Die ersten deutschen Athleten – die Basketballer, Hockeyspieler und Taekwondo-Starter – werden am Samstag erwartet. Insgesamt nominierte der DOSB 434 Sportler für das Team D. „Natürlich sind schon einige Teams zur Vorbereitung in Japan, aber der Einzug ins Dorf ist für deutsche Athleten frühestens sieben Tage vor dem jeweiligen Wettkampfbeginn möglich“, erklärte Schimmelpfennig. „Erst dann dürfen auch die offiziellen Trainings- und Wettkampfstätten genutzt werden.“ 48 Stunden nach dem jeweiligen Medaillenkampf muss jeder Dorfbewohner wieder ausziehen.

Allerdings kann schon die Flugreise nach Japan heikel sein, das erlebten zwei deutsche Kanu-Trainer: Chefcoach Klaus Pohlen und Kajak-Bundestrainer Thomas Apel mussten zeitweise nach der Landung in Quarantäne, weil es an Bord ihrer Maschine einen Corona-Fall gab. Nach Prüfung der gebuchten Sitzreihen mussten aber nur Passagiere, die in unmittelbarer Nähe der positiv getesteten Person saßen, in Quarantäne bleiben. Das traf für das Trainer-Duo nicht zu. Das Glück hatten die Teams von Kroatien, der Ukraine und die slowenischen Trainer nicht. Sie müssen nun bis zum 20. Juli in Quarantäne bleiben.

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Außerdem wurden bereits zwei Mannschaftsmitglieder aus Uganda, ein serbischer Athlet und ein Mitglied der israelischen Delegation positiv auf das Virus getestet. Dies schürte noch die weit verbreitete Sorge in Japan vor einer Ausbreitung des Virus. Im Athletendorf erwarten die Olympioniken strenge Regeln. So müssen sie zwei Meter Abstand halten, und das auch beim Essen in der Mensa, wo sie so kurz wie möglich bleiben sollen. Umarmen und das Hände schütteln sollen unterbleiben, das Masken tragen ist außerhalb ihrer Zimmer ebenso Pflicht wie die täglichen Schnelltests. Kontakte zur einheimischen Bevölkerung sind genauso untersagt wie touristische Ausflüge. „Die Gesundheit der Mitglieder von Team D wird in Tokio so gut wie irgend möglich geschützt“, sagte Schimmelpfennig. Mehr als 90 Prozent der deutschen Starter seien geimpft.

Nach dreitägiger Quarantäne nach seiner Einreise meldete sich erstmals der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, zu Wort. Am Tag der Eröffnung des Athletendorfes lobte er bei einem Treffen mit Japans Organisationschefin Seiko Hashimoto die Gastgeber für ihren „fantastischen Job“. Dies sei umso bemerkenswerter angesichts der „schwierigen Umstände“. In den verbleibenden zehn Tagen bis zur Eröffnung gebe es noch „viel Arbeit zu tun“, sagte Bach. „Unsere Aufgabe ist erst abgeschlossen, wenn die Athleten Tokio verlassen haben.“ Japan könne „stolz“ auf das bereits Erreichte sein, lobte Bach die Gastgeber. Alle Beteiligten fühlten sich „wie Athleten“, so Bach. Die Bühne sei bereitet, jetzt gelte es, nach langen Vorbereitungen das „Beste zu zeigen“. dpa

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