AdUnit Billboard
Olympia - Weitspringerin Malaika Mihambo will lieber andere Wege gehen, um für das Thema zu sensibilisieren

Kniefall-Geste „fühlt sich gerade nicht nach mir an“

Von 
dpa
Lesedauer: 

Wendlingen. Malaika Mihambo gibt an diesem Tag mehr als ein Dutzend Interviews. Die ersten und letzten am Telefon im Auto, zwischendurch den ganzen Tag bei einem Sponsor im schwäbischen Wendlingen. Die Gelassenheit geht der 27 Jahre alten Weitsprung-Weltmeisterin und Meditations-Anhängerin dabei nicht verloren. „Ich versuche jedes Mal aufs Neue, mich auf so ein Gespräch einzulassen – als ob ich kein anderes vorher geführt hätte und so manche Frage noch nicht gestellt worden wäre“, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. Keine Frage: Mihambo ist eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Olympia-Teams.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Vor knapp zwei Jahren und vor Corona war die Leichtathletin von der LG Kurpfalz als Topfavoritin zur WM nach Doha geflogen und landete dort bei 7,30 Metern und auf dem Gold-Rang. Dieses Mal ist alles ein bisschen anders, nicht nur der Pandemie wegen. Als Zeichen der Veränderung stehen optisch schon mal ihre gefärbten, ursprünglich schwarzen Haare. „Jetzt sind sie blond – ob goldblond, das wird sich dann in Tokio zeigen“, sagt Mihambo und lächelt. Die zweimalige Sportlerin des Jahres gilt als Medaillenkandidatin, doch bereits sechs Springerinnen haben in diesem Jahr die Sieben-Meter-Marke geknackt. Mihambos Bestweite steht bei 6,92 Metern. „Mein persönliches Ziel ist es, mein Bestes zu geben, das zu zeigen, was in mir steckt. Dieses Jahr ist mir das leider noch nicht gelungen. Was gut ist: Ich weiß, dass ich es kann, dass ich gut drauf bin, dass ich es jetzt auch zeigen kann und will und werde“, sagt sie. „Es stehen viele gute Springerinnen vor mit in der Weltbestenliste, gleichzeitig schreibe ich mich selbst nicht ab.“

Malaika Mihambo kämpft noch mit der Umstellung ihres Anlaufs. © Imago

Die Weitspringerin kämpft immer noch mit der Umstellung ihres Anlaufs, den sie – auch verletzungsbedingt – zwischenzeitlich von 20 auf 16 Schritte verkürzt hatte. Fast ein halbes Jahr habe sie das gekostet. „Ich hätte mir nicht vorgestellt, dass es so hart ist. Da kommen viele Selbstzweifel hoch: Kann ich das überhaupt noch? Bin ich gut genug? Kann ich mithalten?“, erklärt sie offen. Sie sei dadurch in eine Position gekommen, in der sie sich als Gejagte fühlt – statt als Jägerin. Sieben Meter? „Ich zweifle nicht daran, dass ich das erreichen kann.“

Letzter Schliff in Miyazaki

Den allerletzten Schliff vor den Sommerspielen holt sich der Schützling von Bundestrainer Uli Knapp von dieser Woche an im Trainingslager des Deutschen Leichtathletik-Verbandes im japanischen Miyazaki. Die Weitsprung-Qualifikation in Tokio steht am 1. August an, die Medaillenvergabe am 3. August. „Es wäre einfach toll, diese harte Zeit mit etwas Schönem beenden zu können“, sagt Mihambo. Die gebürtige Heidelbergerin sieht den Wert einer Olympia-Medaille in Tokio „eher erhöht, weil die Bedingungen viel schwieriger sind als in einem normalen Jahr“. Mihambo gilt durchaus als politischer Mensch. Ihr Vater stammt aus Sansibar, ihre Mutter aus Deutschland. Dass sie die Olympia-Bühne – wie viele Fußballer bei der EM – zu einer öffentlichkeitswirksamen Aktion gegen Rassismus nutzt, ist eher unwahrscheinlich. Obwohl sie zur Schulzeit auch schon Diskriminierungen wegen ihrer Hautfarbe erlebt hat.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Ob sie sich vorstellen kann, vor oder nach einem Wettkampf niederzuknien? „Ich finde es sehr schön, wenn Sportler das tun, wenn sie für größere Werte einstehen, die stellenweise einfach vergessen werden“ sagt Mihambo. „Ich selbst kann mich nicht mit diesen großen Gesten anfreunden. Das fühlt sich gerade nicht nach mir an. Von daher würde ich das Stand heute nicht tun. Das kann sich natürlich ändern.“ Die Weltklasse-Weitspringerin will lieber andere Wege gehen, um für das Thema zu sensibilisieren. 

Thema : Die Olympischen Sommerspiele in Tokio

  • Sport Kusterer belohnt sich mit Obst

    Nach dem Ende ihrer Abnehm-Qual bei den Olympischen Spielen war Gewichtheberin Sabine Kusterer unglaublich erleichtert. Die 30-Jährige aus Karlsruhe hatte für ihren Start in Tokio innerhalb von nur 45 Tagen satte acht Kilo abnehmen müssen, um das Gewichtslimit bis 59 Kilo zu schaffen. „Ich habe meinen Körper sehr gefordert in letzter Zeit. Jetzt ist es an der Zeit, meinem Körper mit gutem Essen danke zu sagen“, erzählte Kusterer der Deutschen Presse-Agentur nach ihrem Auftritt am Dienstag. Weniger als 1000 Kalorien pro Tag habe sie in den vergangenen rund vier Wochen zu sich nehmen dürfen. Kusterer musste daher ihr Trainingspensum reduzieren. Manchmal habe sie nach dem Heben sogar Schwindelanfälle bekommen, berichtete sie. „Das war echt nicht immer einfach.“ Im Wettkampf gönnte sie sich zwischendurch schon mal eine Banane mit Schokocreme, so wie schon 2016 bei Olympia in Rio de Janeiro. „Ich bin froh, meinen Körper wieder gut versorgen zu können“, sagte sie und freute sich auf Obst und Gemüse. {element} Kusterer schaffte eine Zweikampfleistung von 198 Kilogramm (Reißen: 91, Stoßen: 107) und wurde Zehnte. Mit olympischem Rekord landete Kuo Hsing-Chun (236) aus Taiwan auf Rang eins. Die Gewichtheberin vom KSV Durlach war dennoch glücklich, war sie doch wie auch Lisa Marie Schweizer erst nach Dopingsperren anderer Nationen nachgerückt. {furtherread} „Das ist für mich so krass gewesen auf der Bühne zu stehen, ich musste auch die ganze Zeit grinsen“, sagte Kusterer, die eigentlich im Urlaub war, als sie für Olympia überraschend Grünes Licht bekam. „Ich will auch jetzt noch nicht aufhören, es geht weiter“, versicherte Kusterer, die an der Universität Heidelberg Economics studiert. dpa

    Mehr erfahren
  • Sport Gelungene Premiere für Weigand

    Bundestrainer Kais al Saadi war nach dem bestandenen Charaktertest seiner Mannschaft stolz, für Dreifach-Torschütze Florian Fuchs sind Deutschlands Hockey-Herren aber noch lange nicht am Limit. Mit dem zweiten Sieg im dritten Spiel hat die Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Tokio klar Kurs auf das Viertelfinale genommen – und kann durch das wichtige 5:1 (1:1) gegen Großbritannien zudem auf einen leichteren Gegner hoffen. „Ich glaube, wir wissen noch gar nicht, wie gut wir spielen können, wenn es am Ende drauf ankommt“, sagte Anführer Fuchs nach dem hochverdienten Sieg im Oi Hockey Stadium. „Da habe ich absolutes Vertrauen in die Truppe.“ Stürmer Justus Weigand vom Mannheimer HC, dem der dritte Treffer gelang, ergänzte: „Bei solch einer Teamleistung seinen ersten olympischen Einsatz zu haben, fühlt sich unvorstellbar gut an.“ Mit dem starken Auftritt gab das Team am Dienstag im teils strömenden Regen von Tokio die richtige Antwort auf das 1:3 gegen Weltmeister Belgien am Tag zuvor. Auch vom frühen Rückstand (9.) nach dominantem Start ließ sich das Team nicht verunsichern. „Das war dann eine wichtige Charakterprobe für uns“, urteilte al Saadi. Seine Mannschaft kämpfte sich eindrucksvoll zurück und drehte die Partie durch Dreifachtorschütze Fuchs (15./51./60.) und die Treffer von Christopher Rühr (35.) und Weigand (42.). „Selbst, wenn ich nicht ein Tor erzielt hätte, wäre das heute ein ganz besonderes Ereignis für mich gewesen“, sagte Weigand. „Ich freue mich natürlich trotzdem riesig über den Treffer – und dass ich so gut reingekommen bin ins Turnier.“ Neben ihm bekam auch Paul-Phillip Kaufmann vom TSV Mannheim Hockey erstmals das Vertrauen von Bundestrainer al Saadi. „Wir waren völlig dominant und von Beginn an voll da. Das 0:1 hat uns überhaupt nicht aus der Fassung gebracht. Am Ende hätte es sogar noch höher für uns ausfallen können“, berichtete Kaufmann. Torhüter Alexander Stadler (TSVMH) und Abwehrspieler Linus Müller (MHC) standen ebenfalls auf dem Platz. Am Mittwoch spielfrei {element} Vor den Partien gegen Südafrika am Donnerstag und die Niederlande am Freitag ist die DHB-Auswahl nun klar auf Kurs Richtung K.o.-Runde. Die besten vier Teams aus der Sechsergruppe kommen weiter. Je besser die Platzierung in der Vorrunde, desto vermeintlich leichter ist der Gegner in der Runde der besten Acht. „Wir werden ins Viertelfinale kommen, so selbstbewusst sind wir“, sagte der Bundestrainer, der sich aber noch nicht mit möglichen Gegnern beschäftigen wollte: „Wir müssen auf uns schauen, unsere Form aufbauen und dann in der Verfassung sein, zu dem Zeitpunkt eine Top-Performance zu bringen.“ Am Mittwoch hat das Team erst einmal spielfrei. dpa/red {furtherread}

    Mehr erfahren
  • Steckbriefe und Wettkampf-Termine Das sind unsere Olympia-Starterinnen und -Starter aus der Metropolregion Rhein-Neckar

    34 Sportlerinnen und Sportler aus der Metropolregion Rhein-Neckar starten für die Deutsche Olympiamannschaft in Tokio. Die Sommerspiele beginnen am heutigen Freitag. Eine Übersicht unserer Athletinnen und Athleten.

    Mehr erfahren
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1