Fußball - Auch dank Marco Schusters Rückkehr schafft der SV Waldhof in der 3. Liga die Trendwende Waldhofs Anker Marco Schuster

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Alexander Müller
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Köln. Marco Schuster ist ein Mann, der die Schmerzen kennt. Nach Mannheim kam der Mittelfeld-Abräumer aus der Akademie des FC Augsburg im Sommer 2017 mit einem Kreuzbandriss. Er kämpfte sich zurück, stieg mit dem SV Waldhof 2019 in die 3. Liga auf, wurde ein quasi unersetzlicher Leistungsträger. In der Vorbereitung auf diese Saison schlug sich der 25-Jährige dann mit Adduktorenbeschwerden herum, deren Ursache mehrere zu Rate gezogene Spezialisten in der ganzen Republik nicht finden konnten - bis Schuster die bittere Diagnose Leistenbruch bekam. OP, monatelange Fußball-Pause, Reha. Erst im Januar stand der Schwabe wieder auf dem Trainingsplatz.

Der Mann für die Stabilität: Waldhofs Mittelfeld-Abräumer Marco Schuster. © Imago
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Nach einer derart schweren Verletzung mit so langer Ausfallzeit achten die Trainer gewöhnlich darauf, den Rückkehrer behutsam an die Mannschaft heranzuführen. Doch Waldhof-Coach Patrick Glöckner brauchte Schuster sofort. Als Ankerspieler, als Stabilisator der schwächelnden Defensive, als Leitfigur, an dem sich die jüngeren Kollegen orientieren können.

V. Köln – SV Waldhof

Viktoria Köln: Mielitz – Koronkiewicz, Hajrovic (73. Risse), Rossmann, Stellwagen – Klefisch (46. Klingenburg), Lorch (46. Fritz) – Handle (66. Holzweiler), Wunderlich, Cueto – Bunjaku (66. Thiele).

SV Waldhof: Königsmann – Gottschling, Gohlke, Seegert, Donkor – Schuster, Saghiri – Costly (90.+2 Hofrath), Gouiada (67. Boyamba), Kwadwo (46. Garcia) – Martinovic (84. Just).

Tore: 1:0 Handle (45.+1) 1:1 Garcia (48.) 1:2 Donkor (71.). – Beste Spieler: Koronkiewicz/Costly, Saghiri, Donkor. – Gelbe Karten: Lorch, Klefisch, Fritz/Seegert, Kwadwo, Garcia. – Schiedsrichter: Robin Braun (Wuppertal). – Zuschauer: keine zugelassen.

Nächstes Spiel: SV Waldhof - Dynamo Dresden, Dienstag, 19 Uhr, Carl-Benz-Stadion.

Deshalb spulte der Co-Kapitän in den vergangenen zehn Tagen ein Pensum ab, das ihn an seine körperlichen Grenzen und darüber hinaus führte. Beim 2:1 (0:1)-Sieg bei Viktoria Köln absolvierte Schuster sein viertes Spiel innerhalb von nur anderthalb Wochen, alle über die volle Distanz. Seitdem der Augsburger zurück auf dem Platz ist, stimmt die Balance im Mannheimer Spiel wieder. Der SVW blieb in vier Auswärtsspielen nacheinander ungeschlagen und kassierte nur zwei Gegentreffer. Die Trendwende nach der Krise vor Weihnachten ist geschafft: vor allem dank Schuster.

Eine Pause gegen Dresden?

„Generell sieht man, was für ein wichtiger Faktor er in unserem Spiel ist. Marco ist ein strategisch sehr gut ausgebildeter Profi, der ein Spiel lesen kann. Und auch wenn er ein Stück weit kaputt ist, weil er eben von 0 auf 100 gehen musste und jetzt alle Spiele über 90 Minuten gemacht hat, ist er immer noch extrem wichtig vom Coaching und seiner Präsenz auf dem Platz“, sagte sein Trainer Glöckner in Köln, wo Tore von Rafael Garcia (48.) und Anton Donkor (71.) die Viktoria-Führung durch Simon Handle (45.+1) noch in einen wichtigen wie verdienten Waldhof-Sieg verwandelten.

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Als Schuster am Samstagabend in den Bus zur Heimfahrt nach Mannheim stieg, spürte er die Strapazen des Parforceritts über die tiefen Plätze der Republik. „Die Beine sind natürlich schwer, keine Frage“, sagte der 25-Jährige. „Aber diese Spiele sind sehr wichtig für mich, um so schnell wie möglich wieder zu meiner Form zu finden.“ Schon am Dienstag (19 Uhr) kommt Tabellenführer Dynamo Dresden ins Carl-Benz-Stadion. Glöckner ist sich bewusst, dass er Schuster trotz seiner immensen Bedeutung als Eckpfeiler für die Statik des Mannheimer Spiels nicht verheizen darf. „Wir müssen darüber nachdenken, ob wir ihm eine Pause geben. Ich handhabe das immer so, dass ich mit den Spielern spreche. Aber nicht am Tag nach dem Spiel, da ist man am meisten kaputt“, sagte der Waldhof-Coach.

Glöckners Umstellung vom Hurra-Stil aus der Hinserie auf einen defensiveren, auf Effizienz ausgerichteten Ergebnisfußball im neuen Jahr hat funktioniert. Der zuletzt stabil punktende SVW hat sich wieder ein Polster von sechs Zählern auf den ersten Abstiegsplatz geschaffen. „Natürlich freut es einen, wenn man in eine Spur reinkommt, in die man auch gehört“, sagte Glöckner: „Wir haben eine schwere Zeit hinter uns. Nicht nur wegen der englischen Wochen, sondern auch durch die vielen Verletzungen in unserem Kader. Es ist einfach schön zu sehen, dass sich die Mannschaft trotzdem belohnt hat. Wir freuen uns darüber, dass wir auch in der Defensive eine gewisse Stabilität gefunden haben.“

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Die neu gewonnene Robustheit wird auch gegen Spitzenreiter Dresden - am Samstag mit einem 4:3-Sieg gegen den FCK - unabdingbar sein. Schuster darf wohl letztlich selbst entscheiden, ob die Kraft für den nächsten Startelf-Einsatz reicht. „Ich bin glücklicherweise schmerzfrei nach der langen Verletzung. Und solange das auch in und nach den Spielen so bleibt, werden wir in enger Abstimmung mit dem Trainerteam und der medizinischen Abteilung entscheiden, ob ich mal eine Pause bekomme“, sagte er.

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Chancenlos sieht Schuster den Waldhof gegen den Zweitliga-Absteiger nicht. „Wir werden uns jetzt so gut wie möglich erholen, um dann gegen Dresden wieder mit hoher Intensität und Aggressivität zu spielen. Wir werden auch in diesem Spiel unsere Chance bekommen, auch wenn es sicher nicht leicht wird“, meinte der 25-Jährige. Das klingt ganz nach einem Match, in dem es auf einen Mann mit der Leidensfähigkeit von Marco Schuster ankommen könnte.

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Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB