Fußball - Dennis Jastrzembski kommt mit Bundesliga-Erfahrung nach Mannheim und will sich neu beweisen – am liebsten schon im Derby am Samstag gegen Lautern Waldhof als Kick für die Karriere

Von 
Alexander Müller
Lesedauer: 

Mannheim. Als er noch ein kleiner Junge war, schleiften seine Eltern Dennis Jastrzembski öfter mal mit zu den Spielen des großen Bruders. U 15, Holstein Kiel. Beim heutigen Zweitligisten kickte damals Chris Jastrzembski an der Seite eines Talents aus Flensburg, das sein jüngerer Bruder Dennis zehn Jahre später im fernen Mannheim wiedertreffen sollte: Max Christiansen, mittlerweile prägende Figur im Mittelfeld des Drittligisten SV Waldhof.

Blitz-Debüt für den SV Waldhof in München: Neuzugang Dennis Jastrzembski. © PIX
AdUnit urban-intext1

Kurz vor dem Ende der Winter-Transferperiode lieh der SVW den schnellen Außenstürmer Jastrzembski für den Rest der Rückrunde aus. Zweitligist SC Paderborn beendete das Leihgeschäft mit dem 20-Jährigen, sein Jugendverein Hertha BSC, bei dem der schnelle Mann für die linke offensive Außenbahn noch bis 2022 unter Vertrag steht, reichte den polnischen U-21-Nationalstürmer gleich nach Mannheim weiter. Die Integration im unbekannten Südwesten erleichterte Jastrzembski neben der norddeutschen Christiansen-Connection auch Angreifer Anthony Roczen – beide kennen sich von den Hertha-Junioren.

Buwe-Newsletter

Ziehvater Pal Dardai

„Ich wurde hier sehr gut aufgenommen und fühle mich fast schon heimisch, obwohl es nicht Kiel ist“, berichtet Jastrzembski vom reibungslosen Eingewöhnungsprozess. Das Hotelzimmer will der Flügelstürmer so schnell es geht gegen eine eigene Wohnung eintauschen. Auch sportlich verlief der Start besser als erwartet. Nach nur ein paar Trainingseinheiten berief Trainer Patrick Glöckner seinen Neuzugang im Spiel bei Türkgücü München sofort in die Mannschaft und verschaffte ihm mit einer Einwechslung in der zweiten Halbzeit ein Waldhof-Blitz-Debüt.

„Ich war schon überrascht, gleich im Kader zu stehen, weil ich noch nicht viele Taktikeinheiten mitgemacht hatte. Als ich dann sogar eingewechselt wurde, hat mich das sehr gefreut“, sagt Jastrzembski. In München stand es 2:0 für den SVW, und der Deutsch-Pole bekam bei einigen Kontern die Gelegenheit, seine Fähigkeiten anzudeuten. „Wir haben ihn geholt, damit er Druck auf die erste Elf ausübt. Gegen Türkgücü hat er schon gezeigt, was er kann. Man hat gesehen, welche Stärken Dennis hat. Das ist die Geschwindigkeit und die Zielstrebigkeit nach vorne“, lobte Glöckner – eine gelungene Premiere.

AdUnit urban-intext2

Wenn der 20-Jährige antritt, können nur die wenigsten Verteidiger folgen. „Zum Glück habe ich gleich ein paar gute Aktionen gezeigt“, meint er. Bei seinem vollen Leistungsvermögen sieht sich Jastrzembski aber noch nicht. „Ich habe schon gemerkt, dass ich lange nicht mehr gespielt habe. Wenn ich wieder in den Rhythmus komme, wird es noch besser werden.“

Der SV Waldhof soll der zuletzt stagnierenden Karriere des Kielers wieder den richtigen Kick verpassen. Nach seinem Bundesliga-Debüt für Hertha BSC unter Ziehvater Pal Dardai galt Jastrzembski mit 18 Jahren als Hoffnungsträger der Berliner. Richtig durchsetzen konnte sich der Angreifer, Spitzname „DJ“ wie seine Initialen, im Profiteam des Hauptstadt-Clubs aber nicht. U-23-Trainer Andreas „Zecke“ Neuendorf empfahl Jastrzembski seinem Paderborner Kollegen Steffen Baumgart, der SCP – damals noch Bundesligist – schlug im Januar 2020 zu. „Nach Paderborn zu gehen, war sicher ein schwieriger Schritt. Aber so etwas muss man machen, wenn man als junger Spieler Erfolg haben und dazulernen will“, sagt er im Rückblick. Ganz allein in einer fremden Umgebung, das muss man als junger Mann erst einmal hinbekommen.

AdUnit urban-intext3

Doch auch abseits des gewohnten Umfelds baute Jastrzembski seine Bundesliga-Bilanz auf elf Einsätze aus, bereitete bei der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern in der mit 75 000 Zuschauen ausverkauften Allianz Arena sogar ein Tor gegen den großen Manuel Neuer vor. Aber nach dem Abstieg sanken seine Aktien in Paderborn, Anfang Oktober spielte er zum letzten Mal in der 2. Liga. Ein Ausweg aus der Sackgasse musste her. „Ich hatte bei Waldhof stark das Gefühl, gebraucht zu werden und eine wichtige Rolle spielen zu können“, sagt Jastrzembski.

Bartels hilft mit Videos aus

AdUnit urban-intext4

Auch wenn es möglich ist, dass der 20-Jährige der einzige Waldhof-Profi werden könnte, der nie ein Spiel vor Zuschauern im Carl-Benz-Stadion bestritten hat, kann sich Jastrzembski am Samstag (14 Uhr) gegen den 1. FC Kaiserslautern bei den SVW-Fans ein bisschen unsterblich machen. Mit dem Siegtreffer im Derby zum Beispiel. Einen Kaderplatz hat ihm Glöckner bereits zugesichert.

Die Brisanz des Südwest-Klassikers war dem Norddeutschen nicht bewusst – bis ihm ein paar Videos von den emotionalen Duellen der Vorsaison vorgespielt wurden. „Dieses Derby kannte ich vorher noch nicht so richtig“, gesteht Jastrzembski. „Aber ich war in München mit Jan Bartels auf dem Hotelzimmer und er hat mir ein paar Videos gezeigt. Da war ich erstaunt: Was für eine Stimmung und Kulisse!“

Und was wird die Zukunft bringen? Jastrzembski will nicht mehr zu weit in die Ferne planen. „Mein Ziel ist es, wieder die alte Form zu erreichen, die ich damals bei Hertha hatte und der Mannschaft so weit zu helfen, dass wir am Ende der Saison so weit oben wie möglich stehen“, sagt er. Dass seine alte Vertrauensperson Dardai mittlerweile wieder die Berliner Bundesliga-Mannschaft übernommen hat, ist auch dem Hertha-Eigengewächs nicht entgangen. „Darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagt er. Und vielleicht öffnet sich im Sommer ja in der Hauptstadt noch einmal eine Tür, die zuletzt verschlossen schien.

Mehr zum Thema

Fußball „Können dort drei Punkte holen“

Veröffentlicht
Von
dpa/red
Mehr erfahren

Porträt Gespräche auf Kurpfälzisch fürs Heimatgefühl

Veröffentlicht
Von
Andi Nowey und Andi Nowey
Mehr erfahren

Waldhof gegen FCK Lautern vor dem Derby: FCK hofft auf Initialzündung

Veröffentlicht
Von
Florian Reis
Mehr erfahren

Trainerwechsel beim FCK sorgt für Kopfzerbrechen Waldhof fiebert dem Derby gegen Kaiserslautern entgegen

Veröffentlicht
Von
Thorsten Hof
Mehr erfahren

Fußball Feuertaufe im Derby in Mannheim

Veröffentlicht
Von
dpa/th
Mehr erfahren

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB