Fußball - Beim 0:1 gegen Wehen Wiesbaden zeigt sich, dass Waldhof-Trainer Glöckner die Offensive wieder flott bekommen muss SV Waldhof Mannheim: Die Torfabrik macht Betriebsferien

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Alexander Müller
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Mannheim. Die eiskalten Temperaturen sprachen nicht für eine gemütliche Plauderrunde im Freien, aber Marco Schuster und Dominik Martinovic hatten noch ein wenig Redebedarf. Die beiden Waldhof-Profis standen nach dem Abpfiff am Mittelkreis zusammen und diskutierten über die vermeidbare 0:1 (0:0)-Niederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden. Nach einer anständigen und konzentrierten Kampfleistung hatten die Mannheimer in der 89. Minute einmal in der Abwehr nicht aufgepasst – und verließen zum zweiten Mal in Folge als Verlierer das Carl-Benz-Stadion.

0:1 gegen Wiesbaden: SVW-Trainer Patrick Glöckner (l.) mit Marcel Seegert. © PIX
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Ein langer Einwurf des Wiesbadeners Marvin Ajani sprang über SVW-Kapitän Marcel Seegert in die Mitte, Gerrit Gohlke ließ sich von Lucas Brumme abkochen, und in der Mitte griffen weder Marcel Gottschling noch Marcel Costly gegen Torschütze Gustav Nilsson entschieden genug ein. Beim „Lucky Punch“ der Hessen stand die Mannheimer Defensive nur Spalier. „Das sind die Fehler, die es abzustellen gilt und die extrem wehtun. Mit einem 0:0 hätten wir gut leben können. In der Situation stellen wir uns ein bisschen zu naiv an“, tadelte Waldhof-Trainer Patrick Glöckner in seiner Analyse die Entstehung des Gegentores, auf das seine Mannschaft keine Antwort mehr fand.

Waldhof – Wiesbaden

  • SV Waldhof: Königsmann – Gottschling, Gohlke, Seegert, Hofrath (90.+1 Verlaat)– Schuster, Christiansen – Jastzrembski, Saghiri (80. Gouaida), Costly – Martinovic (85. Jurcher).
  • SV Wehen Wiesbaden: Boss – Ajani, Mockenhaupt, Gürleyen, Kempe (88. Korte) – Medic, Chato – Lankford (67. Hollerbach), Nilsson – Tietz, Malone (46. Brumme).
  • Tor: 0:1 Nilsson (89.).
  • Beste Spieler: Königsmann, Schuster/Boss, Ajani.
  • Gelbe Karten: Seegert, Gottschling, Schuster, Hofrath (5., nächstes Spiel gesperrt)/Medic, Tietz.
  • Zuschauer: nicht zugelassen.
  • Schiedsrichter: Tobias Schultes (Betzigau).
  • Nächstes Spiel: Hansa Rostock – SV Waldhof, Samstag, 14 Uhr

Sieben Tore in acht Partien

Ein bisschen Wiedergutmachung für die Derbyschmach – unter diesem Motto hatte das Spiel gegen die zuvor sieben Partien in Folge ungeschlagene Mannschaft des früheren Waldhof-Profis Rüdiger Rehm gestanden. Das 0:2 gegen Kaiserslautern in der Vorwoche hatte die gute Stimmung im blau-schwarzen Lager nach dem erfolgreichen Januar mit vier Siegen und drei Unentschieden hinweggefegt wie ein zerstörerischer Winter-Orkan. Vor allem die Art und Weise des Auftretens gegen den Erzrivalen – gehemmt, mutlos und irgendwie blutleer – sollte sich auf keinen Fall wiederholen.

Gemessen daran konnte Glöckner zufrieden sein. Die Körpersprache stimmte gegen ein Top-Team der 3. Liga wieder, die Mannheimer verteidigten fleißig und bestritten die direkten Duelle mit Verve. Was man von Profifußballern allerdings auch erwarten darf. „Wir haben ein sehr gutes Zweikampfverhalten an den Tag gelegt, haben die zweiten Bälle geholt, eine Super-Laufleistung gezeigt und waren gut im Gegenpressing drin“, bilanzierte der Waldhof-Coach. „Bis auf das Ergebnis bin ich absolut zufrieden mit der Leistung.“

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Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Mannheimer Offensivspiel nach einigen guten Aktionen zu Beginn des Spiels immer mehr ins Stocken geriet. Neuzugang Dennis Jastrzembski zeigte bei seinem ersten Startelf-Einsatz auf der linken offensiven Außenbahn zwar gute Ansätze, der als Zehner aufgestellte Hamza Saghiri blieb blass, Mittelstürmer Martinovic hing ab der zweiten Halbzeit ziemlich in der Luft. „Ein paar Mal waren wir im Sechzehner nicht so präsent, als wir die Bälle reingespielt haben. Da fehlt vielleicht die Durchschlagskraft. Das ist seit Wochen ein bisschen ein Thema bei uns“, beschrieb Torhüter Timo Königsmann einen unerfreulichen Trend beim SVW. Denn die Drittliga-Torfabrik der Vorrunde macht zurzeit Betriebsferien. In den vergangenen acht Partien gelangen dem Waldhof nur sieben Treffer. „Wir hatten in der Box zwei, drei Situationen, in denen wir früher zum Abschluss finden müssen“, meinte Glöckner zur Sturmflaute, die bis zur Partie bei Hansa Rostock am Samstag in den Trainingseinheiten aufgearbeitet werden dürfte. Nachdem der Trainer erfolgreich die schwächelnde Defensive stabilisiert hat, muss er nun die Offensive wieder richtig in Schwung bringen.

Die Mannheimer Saison gliedert sich bisher in vier Phasen: Zuerst bot der SVW spektakulären Hurra-Fußball, für den es viele Komplimente, aber zu wenig Punkte gab. Dann folgte der Einbruch vor Weihnachten, als der Waldhof mit 1:11 Toren und drei Niederlagen in Folge dicht an die Abstiegsplätze rutschte. In Phase drei nach der Winterpause stellte Glöckner auf nüchternen Effizienzfußball um, mit dem sich die Kurpfälzer im Klassement wieder nach oben arbeiteten. Mit dem Derby gegen den FCK hat Phase vier begonnen: Wenn Arianit Ferati, Jan-Hendrik Marx und Joseph Boyamba bald ins Team zurückkehren, stehen Glöckner zum ersten Mal in seiner Amtszeit alle Leistungsträger zur Verfügung. Jetzt sollte der oft zitierte Entwicklungsprozess auch an den Leistungen ablesbar sein. Und dazu gehört natürlich, gut zu verteidigen – aber auch im Angriff die nötigen Tore beizusteuern.

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Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB