Fußball - Der heute 83-jährige Torwart aus Luxemburg war der erste ausländische Nationalspieler beim SV Waldhof und erinnert sich gerne an Mannheim zurück Stendebach bringt internationales Flair

Von 
Andi Nowey
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Théo Stendebach (rechts) bei der Vorstellung der SVW-Neuzugänge vor der Saison 1961/62. Von links Karl Schöttle, Trainer Adolf Knoll, Hermann Diehl und Torwart Stendebach. © Gayer/MM-Archiv

Luxemburg. Der SV Waldhof Mannheim ist ein Verein, der schon immer ausländische Fußballer mit offenen Armen empfangen hat. Die Vorreiterrolle nahm der Türke Yaman Karakurt ein, der von Juli 1960 bis Juni 1962 als erster ausländischer Fußballer überhaupt im blau-schwarzen Dress auflief. Ein Jahr nach Karakurt kam mit Théo Stendebach der erste ausländische Nationalspieler an den Alsenweg. Der luxemburgische Torhüter wechselte von Stade Dudelange in die Quadratestadt.

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„Der Luxemburger bringt zweifellos genügend Erfahrung mit, um einer Hintermannschaft Rückhalt zu geben“, versah ihn der „Mannheimer Morgen“ zu seiner Vorstellung im Juni 1961 bereits mit Vorschusslorbeeren. Stendebach fügte sich schnell ein und der heute 83-Jährige denkt gerne an die Zeit in Mannheim zurück. „Ich habe nur gute Erinnerungen an Mannheim. Waldhof ist ein Verein, der sich sehr gut um seine Spieler gekümmert hat“, sagt Stendebach. „Der Verein ist mir ans Herz gewachsen.“

Nur einmal im Ausland

  • Théo Stendebach wurde am 20. April 1937 geboren.
  • Für Luxemburg absolvierte der Torwart 26 Länderspiele.
  • 1963/64 wurde er zum ersten luxemburgischen „Fußballer des Jahres“ gewählt.
  • Der SVW war seine einzige Auslandsstation. Weitere Vereine waren Stade Dudelange, Aris Bonnevoie und RFCU Luxembourg. Mit Aris Bonnevoie feierte Stendebach drei Meistertitel und einen Pokalsieg

Mit einem großem Erinnerungsvermögen und einem phänomenalen Namensgedächtnis brilliert der langjährige Kommunalpolitiker, der nach seiner Fußballlaufbahn von 1981 bis 2017 in der Abgeordnetenkammer saß, auch heute noch, als er in seiner Heimatstadt Bonnevoie zum Telefonhörer greift.

Zur Saison 1961/ 62 wurde der damals 24-Jährige beim SV Waldhof als Neuzugang vorgestellt und durfte sich sogleich in den ersten Testspielen beweisen. Nach dem 4:2 gegen Motor Zwickau schrieb der „MM“: „Daß Stendebach bei seinem Debut auch ein bißchen für die Galerie spielte – das wird sich sicher bald legen!“ Dass er Anfang der 1960er Jahre überhaupt beim SV Waldhof gelandet ist, war einem Zufall zu verdanken. Stendebach erinnert sich: „Ein Betreuer vom Waldhof erhielt den Auftrag, einen Torwart zu suchen. Wir waren zu dieser Zeit mit der luxemburgischen Ländermannschaft zu einem Spiel in der Nähe von Mannheim. Danach haben wir uns unterhalten.“

Erste Herausforderung im Pokal

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Für den talentierten Torhüter, der als jüngstes von elf Kindern ohne Vater aufgewachsen war, war der Wechsel in den semi-professionellen Fußball ein Karrieresprung. „Mit dem Geld, das ich bekommen habe, habe ich meine Mutter unterstützt, die damals nur eine kärgliche Hungerrente erhalten hat“, blickt Stendebach zurück. Untergebracht war er privat bei einer Familie, „die alle fanatische Waldhof-Fans waren“, so Stendebach. Auch beim zweiten Vorbereitungsspiel gegen Amicitia Viernheim (2:1) stand der Luxemburger eine Halbzeit im SVW-Tor.

Seine erste ernsthafte Herausforderung war das DFB-Pokal-Spiel der Mannheimer bei Hamborn 07. Zwar unterlagen die Blau-Schwarzen mit 1:3, doch Stendebach kassierte trotzdem durchweg hervorragende Kritiken. Das überregionale „Sport-Magazin“ schrieb dazu: „Waldhof lebte vor allem von seiner Hintermannschaft. Torwart Stendebach parierte mehrere ,Unhaltbare‘ durch blitzschnelle Reaktion.“ Es blieb jedoch der einzige Pflichtspieleinsatz in der Waldhöfer Oberliga-Mannschaft. Während der Spielzeit 1961/62 hütete zumeist Kurt Kobberger, später langjähriger A-Jugend-Betreuer und Waldhof-Legende, den SVW-Kasten.

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Stendebach schuftete dennoch weiterhin für seine Karriere. „Ich war ein Streber und wollte mich immer verbessern. Ich habe manchmal dreimal am Tag trainiert anstatt einmal“, verdeutlicht er seinen Ansporn. Nach einem Länderspiel in Aachen gegen Deutschland war Stendebach mit Sepp Maier zusammengetroffen. „Der Sepp hat zu mir gesagt, dass er froh ist, dass ich kein Deutscher bin“, lacht der Ruheständler. Etwas unsanft und jäh endete dann seine Zeit in Diensten des SV Waldhof. „Ich hatte dem damaligen Verantwortlichen mitgeteilt, dass bei mir noch kleines Geld aussteht, das ich ja meiner Mutter schicken wollte. Wenn ich das Geld nicht bekomme, hatte ich damals gesagt, würde ich am nächsten Tag zurück nach Luxemburg fahren und nicht mehr wiederkommen.“ Nachdem er auch am nächsten Tag sein Spielergehalt nicht gesehen hatte, machte er seine Drohung wahr und kehrte dem SVW den Rücken.

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Vom DFB wurde er anschließend für neun Monate gesperrt, ein Wechsel zu Eintracht Frankfurt zerschlug sich ebenfalls. Dennoch ist er mit dem SVW vollkommen im Reinen und blickt gerne zurück. Nur eines beschäftigt den 83-Jährigen bis zum heutigen Tag: „Mein größter Fehler war, dass ich mich bei der Familie, bei der ich gewohnt hatte, nicht verabschiedet habe.“

Freie Autorenschaft Schwerpunkte: Mannheimer Kreisfußball, Kreisklassen A und B, Kreispokal, Waldhof-Legenden