Fußball - Im Frühjahr 2018 stand der Hallesche FC noch vor dem finanziellen Kollaps, jetzt peilt der Waldhof-Gegner den Aufstieg an Spitzenteam nach Sanierung

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Christoph Lesk
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Halle. Um zu verstehen, wie weit der Hallesche FC in den vergangenen anderthalb Jahren gekommen ist, genügt ein Blick zwei Wochen zurück. Da war Torsten Ziegner, Trainer des Halleschen FC, mächtig sauer und forderte „Grundtugenden“ von seiner Mannschaft ein. Zuvor hatte sein Team gegen Zwickau nur 1:1 gespielt. Es war das dritte Remis in Folge. Dank Patzer der Konkurrenz liegt Halle zwar immer noch auf dem zweiten Tabellenplatz der 3. Fußball-Liga, mit 21 Punkten aber lediglich drei Zähler vor dem SV Waldhof Mannheim, der am Samstag (14 Uhr, Carl-Benz-Stadion) die Chance hat, vorbeizuziehen.

Stürmer Terrence Boyd ist der Königstransfer beim Halleschen FC und macht deutlich, mit welchen Mitteln der HFC inzwischen wirtschaften kann. © Imago
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Dass man sich mal auf Platz zwei liegend über ein Unentschieden ärgern würde, war im Frühjahr 2018 in Halle unvorstellbar. Da stand der HFC mit einer Deckungslücke von 1,4 Millionen Euro kurz vor dem Kollaps. Was das Ende für den Profifußball in Halle hätte bedeuten können, war aber der Beginn eines bemerkenswerten Aufschwungs.

Ziel ist die 2. Liga

Ein Sanierungsvorstand brachte mit Unterstützung von Fanspenden, eines Benefizspiels und einem erhöhten Engagement der örtlichen Sponsoren die Finanzen wieder in Ordnung. Dazu wurden zwei entscheidende Verpflichtungen getätigt: Ralf Heskamp kam als Sportdirektor und Ziegner als Trainer.

Unter diesem Duo entwickelte sich der HFC zu einem Spitzenteam. Bereits in der abgelaufenen Spielzeit kämpfte der zweimalige UEFA-Pokal-Teilnehmer (1971/72, 1991/92) lange um den Aufstieg mit, verpasste als Viertplatzierter jedoch die Teilnahme an der Aufstiegs-Relegation. Mit neuem Selbstvertrauen und höheren Ansprüchen startete der Club in die aktuelle Saison: Das Ziel ist die 2. Liga – und das lieber heute als morgen.

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Bisher stimmt der Weg. Auch wenn Ziegner zuletzt mahnte, seine Mannschaft sei nach drei Remis in Serie etwas vom eingeschlagenen Weg abgekommen. Die Einstellung gegen kampfstarke Außenseiter wie Zwickau stimmte nicht immer, der nötige Biss fehlte und die Mannschaft rief das Potenzial erst nach Rückständen ab.

Trotzdem hat sich sein Team im Vergleich zur starken Vorsaison noch einmal weiterentwickelt. Der Kader blieb im Kern zusammen, die Mannschaft lebt von der Eingespieltheit und dem guten Klima in der Kabine. Mit Spielern wie Patrick Göbel, Jonas Nietfeld und vor allem Terrence Boyd konnte der HFC den Kader aber sowohl in der Spitze als auch in der Breite weiter verstärken.

Etat bei über 7 Millionen Euro

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Gerade die Verpflichtung des ehemaligen Bundesliga-Stürmers Boyd, bereits mit fünf Saisontoren, verdeutlicht nicht nur die neue sportliche Attraktivität des HFC, sondern auch, dass sich die finanziellen Mittel den gewachsenen Ansprüchen angepasst haben. Um 500 000 Euro wurde der ursprünglich angesetzte Etat aufgestockt, liegt nun bei 7,2 Millionen Euro – und der HFC damit im vorderen Mittelfeld der Liga.

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Nach den drei Unentschieden in Folge und zuletzt klaren Worten soll nun in Mannheim unbedingt wieder ein Dreier her. Auch wenn man beim HFC durchaus Respekt vor dem Gegner hat. „Sie sind kein klassischer Aufsteiger, auch mit den Fans im Rücken. Man hat das Gefühl, dass sie schon länger dabei sind“, sagt etwa Angreifer Nietfeld: „Sie haben ein paar Jungs in der Mannschaft, die ich kenne und die wirklich gut sind. Ich weiß nicht, was ihre Ambitionen sind, aber sie werden so lange wie möglich dran bleiben wollen.“ Eine Schwächung hat der 25-Jährige jedoch ausmachen können: „Der Ausfall von Valmir Sulejmani, mit dem ich in Hannover zusammengespielt habe, ist nicht leicht zu kompensieren.“

Auch deshalb rechnen sie sich in Halle gute Chancen auf den Auswärtssieg aus. Es wäre auch ein Zeichen nach den schrecklichen Ereignissen vom 9. Oktober in Halle. Beim versuchten Attentat auf eine Synagoge in der Innenstadt erschoss ein Rechtsextremer zwei Menschen, darunter in einer Döner-Bude einen HFC-Fan. Gemeinsam mit anderen Proficlubs aus Halle sammelt der HFC nun Spenden für die Angehörigen der Todesopfer.