Sicherheit - Polizei zieht weitgehend positives Fazit des Derbys / Beiden Clubs drohen aber Strafen wegen des Abfackelns von Pyrotechnik „Konzept der strikten Fantrennung ging auf“

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Stephan Alfter
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Der Mannschaftsbus des FCK wurde beschädigt. © Michael Ruffler

Mannheim. Komplett ruhig blieb es nicht, aber es kam auch nicht zu den befürchteten größeren Ausschreitungen zwischen Chaoten beider Lager. „Die intensive Vorbereitung aller beteiligten Institutionen und die enge Zusammenarbeit mit dem SV Waldhof Mannheim haben sich absolut gelohnt. Unser taktisches Konzept einer strikten Fantrennung ging auf“, resümierte Dirk Herzbach, Gesamteinsatzleiter des Polizeipräsidiums Mannheim, das Geschehen rund um das Südwestderby in der 3. Fußball-Liga zwischen dem SV Waldhof und dem 1. FC Kaiserslautern am Samstag.

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Insgesamt neun Personen nahmen die Beamten fest. Dabei ging es um Beleidigungen, Körperverletzung, aber auch um Drogenmissbrauch und Landfriedensbruch. Mit einem massiven Aufgebot von mehr als 1000 Kräften verhinderte die Polizei, dass gewaltbereite Gruppierungen aus Kaiserslautern und Mannheim aufeinandertreffen. „Wir werden, nach Rücksprache mit allen Institutionen und einer internen Analyse aller Vorkommnisse, in den kommenden Tagen eine entsprechende Bilanz ziehen. Wir bedanken uns bei der Polizei, der Stadt Mannheim und allen weiteren Sicherheitspartnern für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und ihren Einsatz“, erklärte Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp.

Das Duell zwischen den rivalisierenden Clubs wollten einige vermummte FCK-Sympathisanten zu ihrer Bühne machen. Bereits am Samstagmorgen donnerte es in der Ludwigshafener Innenstadt, wo sich die Pfälzer zwischen 10 und 11 Uhr am Berliner Platz versammelten. Zur gleichen Zeit brannten einige Hundert Meter weiter Mannheimer Anhänger bengalische Feuer vor dem Schloss ab. Eine Polizistin erlitt nach Angaben eines Polizeisprechers ein Knalltrauma, als Leuchtraketen im Innenhof des Schlosses abgeschossen wurden.

Die knifflige Aufgabe bestand für die Sicherheitskräfte darin, mögliche Kontakte der rivalisierenden Fangruppen untereinander an neuralgischen Punkten penibel zu unterbinden. Während Tausende Mannheimer Fans individuell anreisten, wurden die am Bahnhof ankommenden Gruppen aus der Pfalz zu großen Teilen mit Shuttles ins Stadion gebracht und auf die Gästetribüne begleitet. Um 12.33 Uhr fuhr der Mannschaftsbus des FCK vor. Eine Bierflasche hatte eine Scheibe des Busses bereits zerstört, als die Elf vom Betzenberg ausstieg. „Zum Derby gehört Leidenschaft. Aber hier ist der Rahmen einmal überschritten worden“, sagte Lauterns Trainer Boris Schommers.

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Ein friedlicher Nachmittag wurde es für die Einsatzkräfte, die mit Sturmhauben und Helmen am Rande des Gästeblocks versammelt waren, nur zeitweise. Die zweite Halbzeit begann mit fünf Minuten Verspätung, weil zuerst im Lauterer Block, dann auch bei den Waldhöfern, Pyrotechnik abgebrannt wurde. „Das ist völlig unnötig“, kritisierte SVW-Coach Bernhard Trares die unschönen Begleitumstände.

Der kritischste Moment spielte sich etwa 20 Minuten nach dem Abpfiff ab. Anhänger beider Teams weigerten sich trotz mehrfacher Aufforderung durch den Sprecher, das Stadion zu verlassen. Stattdessen gelang es gewaltbereiten Teilen beider Lager, den Platz zu stürmen, wo die Polizei aber in der Lage war, die Situation zu kontrollieren. Die weitere Abreise ging friedlich vonstatten.

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Noch nicht ausgewertet sind die Videoaufnahmen aus dem Stadion. Davon erhoffen sich die Beamten noch Rückschlüsse auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern, was vorrangig im Gästeblock ein Problem darstellte. Beide Vereine müssen aufgrund des Einsatzes von Pyrotechnik und des verspäteten Anpfiffs der zweiten Halbzeit mit Geldstrafen durch den DFB rechnen.

Redaktion Reporter in der Metropolregion Rhein-Neckar