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 Fußball - Die gegenseitige Abneigung zwischen den Fans des SV Waldhof und des 1. FC Kaiserslautern hat ihre Wurzeln in der 80er Jahren Geschichte einer Rivalität

Von 
Alexander Müller
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Beim Regionalliga-Spiel gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2009 demonstrierten die Waldhof-Fans ihre Antipathie gegen die Pfälzer. © Delta

Mannheim. Es waren furchtbare Szenen. Als der SV Waldhof am 2. September 2009 in der Fußball-Regionalliga Südwest auf die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern traf, zündeten Unverbesserliche im Gästeblock Feuerwerkskörper und zerstörten sanitäre Anlagen im Carl-Benz-Stadion. Nach dem Spiel kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Chaoten beider Lager.

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Ein weiterer Tiefpunkt einer gegenseitigen Abneigung, die lange zurückreicht, die aber durch den Absturz des SV Waldhof in die Niederungen des Amateurfußballs zumindest auf der Ebene der ersten Mannschaften beider Clubs zuletzt nicht mehr auf dem Platz ausgetragen werden konnte. Das Drittliga-Duell am Sonntag (13 Uhr, Fritz-Walter-Stadion) ist das erste Aufeinandertreffen seit dem Derby in der zweiten Runde des DFB-Pokals im November 2001, das die Lauterer mit 3:2 in Mannheim gewannen.

Herberger und der Lautern-Block

Die Rivalität zwischen Waldhof und FCK entstand allerdings erst nach Jahrzehnten meist friedlicher Koexistenz. 1954 war die Fußballwelt diesseits und jenseits des Rheins noch in Ordnung gewesen. Der aus Mannheim stammende Bundestrainer Seppl Herberger vertraute seinem Lauterer Block mit den Walter-Brüdern, Horst Eckel, Werner Liebrich und Werner Kohlmeyer, der am „Wunder von Bern“ maßgeblichen Anteil hatte.

Lang, lang ist’s her. Nachdem die Mannheimer 1983 in die Bundesliga aufgestiegen waren, musste der Waldhof mangels einer eigenen erstligatauglichen Arena ins Ludwigshafener Südweststadion ausweichen. Den Sprung ins linksrheinische Ausweichquartier empfanden die Lauterer als unerlaubtes Eindringen in ihr Revier: „Das hat sich damals hochgeschaukelt“, berichtete Waldhof-Stürmerlegende Karl-Heinz „Kalle“ Bührer einmal dieser Zeitung. „Wir haben in Ludwigshafen gespielt und dem FCK dadurch viele Anhänger in der Vorderpfalz streitig gemacht.“ Immer wieder kam es in der Folge zu Schlägereien und gewalttätigen Konflikten zwischen beiden Fangruppierungen, die von den Hooligans beider Lager angeheizt wurden.

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Bührer selbst lieferte sich bei den Derbys regelmäßig heiße Duelle mit Kaiserslauterns Torwart Gerry Ehrmann, die die Emotionen zwischen Pfälzern und Kurpfälzern weiter hochkochen ließen – wie bei der denkwürdigen Partie im April 1987, die der Waldhof am Ende mit 4:3 gewann. Die Mannheimer bekamen vier Elfmeter zugesprochen, von denen sie zwei verwandelten, der Ausgleich der Lauterer in der letzten Minute wurde wegen angeblichen Abseits nicht anerkannt. „Gegen Kaiserslautern, das waren immer Spiele mit Brisanz. Die Duelle mit Ehrmann haben mich auf dem Platz besonders motiviert“, erinnert sich Bührer. Nach dem Waldhöfer Abstieg aus der Bundesliga 1990 kreuzten sich die Wege der beiden Südwest-Traditionsclubs nur noch sporadisch, doch die Animositäten zwischen beiden Fanszenen blieben bestehen.

Zuletzt beschmierten mutmaßliche FCK-Anhänger Anfang August die Mannheimer Stadteinfahrt mit ihrem Schriftzug. Acht Verdächtige aus dem Rhein-Neckar-Raum, die dem Fan-Umfeld des SV Waldhof zugerechnet werden, sollen als Reaktion darauf zwei Figuren am Elf-Freunde-Kreisel in Lautern „geköpft“ haben. Der Waldhof reagierte darauf mit einer öffentlichen Stellungnahme, in der es hieß: „Bei aller Rivalität appellieren wir an einen respektvollen Umgang miteinander. Wir freuen uns auf stimmungsvolle Spiele und tollen Fußball. Gewalt und Vandalismus haben dabei keinen Platz.“

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Die Verantwortlichen beider Clubs hoffen, dass die sportliche Rivalität am Sonntag nicht als Vorwand für neue Gewaltexzesse genutzt wird. Im und rund um das Fritz-Walter-Stadion soll es friedlich bleiben. Anders als bei der Skandal-Begegnung in Mannheim im Jahr 2009.

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Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB